Im September 2017 präsentierte der damalige Kommerzchef Andreas Otto im Wiener Leopold Museum ein neues Langstreckenprodukt: die Premium Economy Class. Innerhalb von nur sechs Monaten stattete Austrian Airlines die gesamte Langstreckenflotte – damals elf Boeing 767-300 ER und 777-200 ER – für rund 15 Millionen Euro mit der Zwischenklasse aus.
Die Umrüstung ging vor allem zulasten der Business Class: Das Angebot wurde in beiden Modellen um rund 25 Prozent reduziert, während die Economy Class um sechs Prozent verkleinert wurde. Ziel war es laut Otto, den Ertrag auf der Langstrecke deutlich zu steigern. Diese Rechnung scheint aufgegangen zu sein: Bereits drei Jahre später kündigte Austrian Airlines einen weiteren Umbau mit zusätzlichen Premium-Economy-Sitzen an.
Austrian Airlines testet VR seit April
Heute verfügen die sechs Boeing 777-200 ER der österreichischen Lufthansa-Tochter über jeweils 40 Sitze in dieser Klasse. Da sie noch einige Zeit bis zur Ablösung durch die Boeing 787-9 im Einsatz bleiben werden, setzt Austrian Airlines nun auf eine weitere Aufwertung des Produkts – und testet Virtual-Reality-Brillen an Bord.
Den Auftakt machte am 6. April der Jubiläumsflug zu zehn Jahre Strecke Wien - Shanghai: Erstmals startete eine Boeing 777-200 ER mit VR-Brillen an Bord in Richtung China. Aktuell befinden sich zwei Geräte auf jedem Flug ab Wien und werden Premium-Economy-Passagieren auf Strecken nach Nordamerika und Asien zum Test angeboten.
Mehrere Stunden Unterhaltung - auch Meditation
Mit den Brillen lässt sich die reale Umgebung ausblenden, während Nutzerinnen und Nutzer in computergenerierte 360-Grad-Welten eintauchen. Ob Schachspiel, Boeing-787-Puzzle oder virtuelle Sportevents wie Fußball und Basketball – die Anwendungen ermöglichen interaktive Erlebnisse mit freier Blickbewegung. Ergänzend zum klassischen Angebot bietet Austrian Airlines auch Einblicke hinter die Kulissen der Fluglinie sowie geführte Meditationen zur Entspannung an. Das Angebot umfasst mehrere Stunden Unterhaltung.
Auf Anfrage erhalten Passagiere eine gereinigte Brille inklusive Anleitung und Feedback-Bogen. Da es sich nicht um einen festen Bestandteil der Boeing-777-Ausstattung handelt, übernimmt Cateringpartner Do & Co Aufladung, Reinigung und Bereitstellung der Geräte. Für die Crews wurden sogenannte Experience Days organisiert, um den Umgang mit dem neuen Produkt zu trainieren.
Auch gut bei Flugangst
Erste Rückmeldungen zeigen, dass die VR-Brillen insbesondere bei Passagieren mit Flugangst durch Entspannungsprogramme unterstützend wirken können, wie eine Unternehmenssprecherin erklärt. Ob das Angebot künftig ähnlich selbstverständlich zur Bordausstattung gehört wie Kopfhörer – etwa in der Business Class –, lässt Austrian Airlines derzeit noch offen.
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