Boeing 737 Max 9: Was folgt auf sie?

Änderungen, aber kein KurswechselFAA lässt Boeing weiterhin eigene Jets zertifizieren

Auch die Luftfahrtbehörde FAA geriet durch die Boeing 737 Max unter Druck. Einen rigorosen Kurswechsel bei der Zertifizierung von Flugzeugen gibt es dennoch nicht.

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Schon eine Woche nach dem tödlichen Absturz einer Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines im März 2019 gab es Kritik an der Zertifizierung des Flugzeugmodells. Der Vorwurf: Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA habe wichtige Bewertungen dem Flugzeughersteller selber überlassen. «Es gab keine vollständige und ordnungsgemäße Überprüfung der Dokumente», sagte damals ein ehemaliger FAA-Ingenieur anonym. Er kritisierte: «Die Überprüfung wurde beschleunigt, um bestimmte Zertifizierungsdaten zu erreichen.»

Während des bis heute andauernden Groundings der Boeing 737 Max ist die Kritik an der Zertifizierungspraxis nicht abgeebbt. Zudem wurde bekannt, dass das Vorgehen bei Boeing-Mitarbeitern auch zuvor nicht unumstritten war. So legte der Flugzeugbauer gegenüber dem Parlament im Januar 2020 Hunderte interne Nachrichten offen. In einer aus dem Jahr 2017 fand ein Pilot von Boeing in einer Mail an einen Kollegen besonders deutliche Worte: «Dieses Flugzeug wird von Clowns entwickelt, die von Affen beaufsichtigt werden.»

Aufsicht «grob unzureichend»

Der 737-Max-Bericht des Verkehrskomitees des Repräsentantenhauses im März 2020 fiel dann entsprechend deutlich aus. Er machte nicht nur Boeing schwere Vorwürfe, sondern kritisierte auch die Aufsicht durch die FAA als «grob unzureichend». Die Behörde habe viel zu viel Einfluss seitens des Hersteller zugelassen und die Aufgabe verfehlt, kritische Probleme zu identifizieren und dafür zu sorgen, dass Boeing diese löse.

Aber es gab auch einen weniger kritischen Bericht. Eine Expertengruppe von Verkehrsministerin Elaine Chao, der die FAA untersteht, forderte im Januar zwar ebenfalls Änderungen von der FAA. Allerdings bestätigte sie die Behörde darin, große Teile der Detailarbeit bei der Zertifizierung den Flugzeugherstellern zu überlassen.

FAA setzt weiterhin auf Hersteller

Auf diesen Bericht hat die FAA nun am Dienstag (18. Mai) geantwortet. Dabei kündigte sie Änderungen am Zertifizierungsprozess an, stellte aber auch klar, dass sie weiterhin nicht auf Auslagerungen an die Flugzeugbauer verzichten wird. Man sehe sich durch den Bericht des Ministerium darin bestärkt, dass die bestehenden Sicherheitsprotokolle «solide» seien, obwohl es «Bereiche gibt, in denen wir Möglichkeiten zur Verbesserung haben».

So will die Behörde das Sicherheitsmanagement in der Zusammenarbeit mit den Herstellern nun in etlichen Bereichen verbessern. So werde man etwa Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass Flugzeugbauer ihre für die Zertifizierung abgestellten Mitarbeiter unter «unangemessenen Druck» setzten. Auch werde man die Kommunikation zwischen denen eigenen FAA-Ingenieuren und denen der Hersteller verbessern. Im Falle der 737 Max fand dieser Austausch fast ausschließlich auf der Management-Ebene statt.

Kein Kurswechsel zu erkennen

Ein ehemaliger hochrangiger FAA-Mitarbeiter zeigte sich gegenüber der Zeitung Seattle Times ernüchtert über die Ankündigung. Seit 2017 wolle die Behörde mehr praktische Arbeiten an die Flugzeugbauer delegieren, während sie selber vor allem die Vorschriften gestalte. Einen Kurswechsel könne er im neuen Statement nicht erkennen.

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