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Meilenkönig

Emirates wertet Vielfliegerprogramm ab

Die Golfairline hat ihr Meilenprogramm innerhalb eines Jahres von einem guten in ein schwaches verwandelt. Wie steht Miles & More im Vergleich da und wo ist Emirates Skywards nach wie vor attraktiv?

Wie groß war der Aufschrei, als das Lufthansa-Group-Programm Miles & More 2010 verkündete, dass die Meilenpreise für Prämienflüge erhöht werden sollen. Es folgte ein langer Gerichtsprozess. Seitdem kommuniziert es Änderungen mit großem Vorlauf. So zum Beispiel das neue Statussystem, das ab 2024 Gültigkeit haben wird.

Ganz anders handhabt es Emirates. Dort erhöhte man letztes Jahr kurz vor Weihnachten einfach über Nacht (ohne Vorankündigung) die Meilenpreise für Business- und First-Class-Flüge um 20 Prozent und kündigte weitere Erhöhungen bis Ende Januar 2023 an. Es war nicht wie bei Lufthansa die erste Erhöhung seit vielen Jahren, sondern bereits die dritte seit 2021. Dadurch haben sich die Kosten für Prämienflüge in Business oder First in Summe teilweise um mehr als 50 Prozent erhöht. Zum Beispiel kostete Frankfurt – Dubai – Frankfurt in der First Class Anfang 2021 135.000 Meilen, jetzt sind es 204.000 Meilen.

Upgrades, Steuern und Gebühren – alles teurer

Auch Upgrades sind deutlich teurer geworden. Ganz zu schweigen von den extrem hohen Steuern und Gebühren bei jedem Meilenticket. So zahlt man bei einem Prämienflug nach Dubai schon fast 900 Euro, nach Mauritius 1600 Euro und nach Australien unglaubliche 2300 Euro an Steuern und Gebühren – zusätzlich zum hohen Meilenpreis. Und als ob das nicht genug wäre, sind auch die Verfügbarkeiten deutlich schlechter geworden. So wird in der First Class meist nur ein Platz für Meilenbuchungen freigegeben. Früher waren es immer mehrere. Weitere Plätze dann in Einerschritten bisweilen noch bis zum Abflugtag.


First Class im Airbus A380 von Emirates. Bild: Emirates

Was macht Emirates Skywards jetzt noch attraktiv?Die Golfairline bietet ein gutes Flugprodukt, auch das Erlebnis am Boden ist in der Regel gerade für Business und First Class Reisende hervorragend. Dubai ist ein gern besuchtes Drehkreuz, Emirates fliegt sämtliche Strecken mit Großraumflugzeugen und betreibt mehr Airbus A380 als alle anderen Airlines der Welt zusammen. Und der A380 ist bei Kunden nach wie vor sehr beliebt. Flüge mit Meilen zu buchen, ist seit Jahren eine lukrative Option zur Einsparung von Kosten beim Kauf der beliebten (und normalerweise teuren) Business- und First-Class-Tickets.

In der Pandemie glänzte Emirates

Das Vielfliegerprogramm Emirates Skywards hatte noch nie die günstigsten Meilenpreise und schon immer vergleichsweise hohe Steuern und Gebühren. Doch es gab jede Menge Gelegenheiten für die Meileneinlösung, zudem auch sehr gute Verfügbarkeiten. Skywards ist zudem Transfer-Partner von American Express, das heißt man kann sogenannte American-Express-Membership-Rewards-Punkte im Verhältnis 5:4 in Skywards-Meilen umtauschen, was die Popularität weiter gesteigert hat.

Und in der Corona-Krise befeuerte Emirates die Beliebtheit weiter, indem die bei Meilenbuchungen anfallenden Steuern und Gebühren auf sehr attraktive Höhen reduziert wurden. Für Flüge nach Dubai zum Beispiel von knapp 700 Euro auf etwas mehr als 200 Euro hin und zurück. Zudem hielt die Golfairline mit Ausnahme weniger Monate im Frühjahr 2020 fast alle Verbindungen aufrecht. Und auch beim langsamen Abklingen der Pandemie, als es bei vielen anderen Airlines aufgrund eines Buchungsbooms keine Prämienflugverfügbarkeiten gab, glänzte Emirates anfangs noch mit guten Verfügbarkeiten.

Seit Mitte 2021 Verschlechterungen

Doch bereits in 2021 gab es die ersten negativen Änderungen. So konnte man die günstigen First-Class-Saver-Preise von 135.000 Meilen für einen Return-Flug Europa – Dubai nicht mehr buchen. Es gab nur noch die teureren First-Flex-Plus-Awards mit 170.000 Meilen. In 2022 wurden dann die Meilenpreise weiter erhöht. Und das immer alles ohne Vorankündigung.

Die Steuern und Gebühren bei Emirates Prämienflügen. Quelle: First Class & More

Mittlerweile zahlt man für den Business-Saver-Tarif, der aber nur noch relativ selten verfügbar ist, auf der Strecke Europa – Dubai Return 108.000 Meilen. Der Business-Flex-Plus-Tarif, der bei Oneway-Buchungen immer zur Anwendung kommt, liegt bei 174.000 Meilen. Das sind fast 40 Prozent mehr als Anfang 2022. Und die First Class, die man Anfang 2021 noch für 135.000 Meilen buchen konnte, liegt jetzt bei 204.000 Meilen.

Und dann diese Steuern und Gebühren

Die größte Verschlechterung hat definitiv beim Thema Steuern und Gebühren stattgefunden. Und da übertrifft Emirates alles bisher Dagewesene. So können dieAbgaben je nach Flugroute nach Australien bis zu 2400 Euro ausmachen. Hinzu kommen 256.000 bis 405.000 Meilen in Business Class (Beispiel Sydney). Teilweise kann man mit anderen Airlines wie etwaEtihad bereits für weniger als 3000 Euro ein regulär gebuchtes Business-Class-Ticket nach Australien bekommen.

Doch auch bei anderen Strecken sind die Zuschläge erschreckend hoch. Hier ein paar Beispiele:
❙ Frankfurt – Dubai 872 Euro
❙ München – Mauritius 1624 Euro
❙ Frankfurt – Sydney 2327 Euro
❙ Wien – Bangkok 1.578 Euro
❙ Zürich – Malediven 1327 Franken

Veränderungen bei Upgrades

Ein Weg, die hohen Steuern und Gebühren zu umgehen und trotzdem mit Meilen zu fliegen, sind Meilenupgrades. Diese waren bisher immer sehr attraktiv, wurden jetzt aber auch Ende 2022 deutlich entwertet. So zahlt man für einen Return-Flug Frankfurt – Dubai für ein Upgrade 164.000 Meilen, wenn man Economy Saver gebucht hat. Im Flex-Tarif sind es 101.400 Meilen und im Flex Plus 78.000 Meilen. Am attraktivsten ist hier meist die Buchung des Economy Flex Tarifs mit Upgrade.

Emirates Skywards ist eines der wenigen Meilenprogramme, das sogar Upgrades mit Meilen bei Meilenbuchungen ermöglicht. Das heißt, Kundinnen und Kunden können einen Business-Class-Flug mit Meilen buchen und diesen mit weiteren Meilen auf First Class upgraden. Das ist ein großer Vorteil des Programms. Man kann dabei ein sogenanntes Auto Upgrade einstellen. Das heißt, sobald ein Platz verfügbar ist, wird das Upgrade auch direkt durchgeführt.

Und wie vergleicht sich daneben Miles & More?

Der Preis für ein First Class Upgrade auf der Strecke Frankfurt – Dubai – Frankfurt beträgt vom Business Saver aus 101.400 Meilen, vom Business Flex aus 89.700 Meilen und vom Business Flex Plus aus 78.000 Meilen. Hier ist der Business Saver – wenn verfügbar – oft die attraktivste Option, um danach upzugraden.

Wie sieht es jetzt im Vergleich zu Meilenflügen gebucht über Miles & More aus. Ist da Emirates Skywards kompetitiv? Hierzu betrachten wir verschiedene Ziele mit Abflug in Deutschland bzw. Österreich. Da die Verfügbarkeiten für die Emirates-Business-Saver-Tarife relativ schlecht sind, vergleichen wir den Business-Flex-Plus-Meilentarif. Bei den benötigten Meilen liegt Emirates zwischen 55 Prozent und 149 Prozent über Miles & More. Bei den Steuern und Gebühren berechnet Emirates Skywards bis zu 287 Prozent mehr.


Vergleich Meilenpreise Miles & More vs. Emirates Skywards

Doch es gibt eine Ausnahme: Die Strecke Mailand – New York. Diese ist eine sogenannte Route der fünften Freiheit. Emirates hat davon ein paar und bei diesen liegen die Steuern und Gebühren weiter niedrig. Das bringt mich auch zum wohl wichtigsten Punkt: Wofür kann man das Emirates Sykwards Programm nach all den Verschlechterungen noch gut nutzen?

Wo sich Emirates Skywards noch lohnt

Eines ist auf jeden Fall klar. Man muss sich bei Emirates Skywards jeden Tag auf Überraschungen gefasst machen, denn die Airline informiert noch nicht einmal die eigenen Top-Statuskunden vorab über Änderungen. D.h. es ist nicht die richtige Strategie, Emirates Meilen jahrelang liegen zu lassen.

Es gibt jedoch noch ein paar Schlupflöcher, bei denen sich der Einsatz von Emirates Meilen nach wie vor lohnt. Zum einen sind dies die eben angesprochenen Fifth-Freedom-Routen, also solche Emirates
Flüge, die nicht in Dubai starten oder landen. Auf diesen sind zwar die Meilenwerte nicht niedriger, aber die Steuern und Gebühren betragen meist nur ein Bruchteil der sonst üblichen Menge. Emirates fliegt zum Beispiel von Mailand nach New York-JFK, von Athen nach New York-Newark, von Barcelona nach Mexico City sowie von Zypern nach Malta, von Colombo nach Male oder auch von Bangkok nach Hongkong. Auch Flüge wie Singapur – Melbourne oder Sydney – Christchurch sind im Emirates-Streckennetz vertreten. Sie kann man auch weiterhin meist mit vergleichsweise geringen Zuzahlungen buchen.
Meilenflüge nach Dubai

Vor allem nach Dubai

Ansonsten sollte man Emirates Meilen am besten auf Emirates Direktflügen von und nach Dubai einsetzen, nicht auf Umsteigeverbindungen zu weiter entfernten Zielen. Die Meilenwerte für Flüge nach Dubai sind deutlich fairer und auch die Steuern und Gebühren liegen hier immerhin nicht ganz so hoch wie beispielsweise bei einem Flug nach Südostasien oder Australien. Zudem sind die regulären Flugtarife von Emirates für Direktflüge nach Dubai sehr hochpreisig. So zahlt man in Business Class bzw. First Class.

❙ ab Deutschland ca. 3.500 bis 4.500 Euro oder 7.000 bis 8.000 Euro
❙ ab Österreich ca. 4.000 Euro oder 6.500 Euro
❙ Ab der Schweiz ca. 6.000 bis 7000 Euro oder 10.000 bis 13.000 Euro


Business Class in der Boeing 777 von Emirates. Bild: Emirates

Wie bereits eingangs erwähnt, bleiben auch Upgrades weiterhin eine gute Möglichkeit zur Einlösung von Emirates Meilen, auch wenn sie stark verteuert wurden. Dies gerade aufgrund der Möglichkeit, noch am Flughafen kurzfristig Meilenupgrades durchzuführen. Besonders spannend sind Upgrades, wenn man Emirates Platinum Statuskunde ist. Denn dann darf man garantiert sein Economy Class Ticket auf Business upgraden und dieses kann man dann theoretisch nochmals mit Meilen am Flughafen auf First upgraden.

Wie erhält man Emirates-Meilen?

Final stellt sich die Frage: Wie bekommt man überhaupt Emirates Meilen? Es gibt verschiedene Wege
❙ Die naheliegendste Variante sind Flüge mit Emirates – doch damit bekommt man kaum einen Freiflug. Man müsste 23-mal im Business Saver Tarif nach Dubai fliegen, um einen Freiflug im Business Flex Plus Tarif zu bekommen
❙ Geeigneter ist der Kauf von Emirates Meilen bei Emirates – doch als nicht Statuskunde kann man pro Jahr nur 100.000 Meilen kaufen zum sehr hohen Preis von 30 USD je 1.000 Meilen – bisweilen gibt es jedoch auch Promotions mit 20-30% besseren Preisen – doch auch das reicht nicht für ein Business Class Ticket
❙ Deutlich besser ist die Umwandlung von American Express Membership Rewards Punkten im Verhältnis 5:4 (deutsche Karte) in Emirates Meilen
❙ Die Königsvariante ist der Erwerb von 250.000 oder 500.000 Meilenpaketen im Rahmen einer A Small World-Prestige- oder Signature-Mitgliedschaft, welche zusätzlich auch noch attraktive Hotelstatuslevels, einen Loungepass und weitere Goodies beinhaltet. Hier kosten 1.000 Meilen grob 20 Euro und wenn man diese zum Beispiel für einen First Class Flug nach Dubai einsetzt, zahlt man inklusive Steuern und Gebühren nur noch knapp 5.000 Euro statt bis zu 13.000 Euro – gleiches gilt für die Business Class

Werden die Änderungen Emirates schaden?

Die Neuerungen im Vielfliegerprogramm von Emirates sind für langjährige treue Kunden der Airline sicherlich eine große Enttäuschung. Immerhin haben die gesammelten Meilen über Nacht erheblich an Wert verloren, alle Rahmenbedingungen eingerechnet. Derart drastische Änderungen könnte ein Vielfliegerprogramm einer europäischen Airline vermutlich kaum ohne gravierende Verluste verkraften.

Nichtsdestotrotz: Dubai hat sich während und nach der Pandemie neu positioniert und es gibt riesige Zuströme von neuen Einwohnern, neuen Firmen, neuen Investoren. Auch der Tourismus wird weiterhin stark vorangetrieben. Die Hotels in Dubai sind so voll wie selten zuvor, trotz zahlreicher Hotelneueröffnungen fast schon im Wochenrhythmus. Die Anzahl Geschäftsreisender und Touristen steigt stetig.
Die Mehrzahl dieser Menschen werden Neukunden bei Emirates Skywards sein, die die alten Vorzüge des Programms nicht kennen. Vor diesem Hintergrund ist es wahrscheinlich, dass Emirates mit diesem Vorgehen zwar zunächst ein paar Bestandskunden vergrault – es wartet allerdings vermutlich ein Vielfaches dessen an Neukunden darauf, diese Plätze künftig aufzufüllen. Emirates Skywards hat sich also für Meilenoptimierer aus Europa leider zu einem relativ uninteressanten Vielfliegerprogramm entwickelt. Doch die Hauptzielgruppe besteht ganz klar aus anderen Personen.

Alexander Koenig ist freier Kolumnist von aeroTELEGRAPH. Der ehemalige McKinsey Berater ist Gründer der Vielfliegerberatung First Class & More. Seit fast 20 Jahren hilft er seinen Kunden, Business und First Class zum halben Preis zu fliegen, einen Top-Vielfliegerstatus zu erhalten und das Maximum aus ihren Meilen herauszuholen. Die Meinung der freien Kolumnisten muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.