Letzte Aktualisierung: um 12:34 Uhr

Meilenkönig

Das neue Miles and More: Wer profitiert, wer verliert?

Lufthansa Group hat ihr Vielfliegerprogramm Miles and More überarbeitet. Wie bei jeder umfangreichen Änderung gibt es Gewinner und Verlierer. Wer zu welche Gruppe gehört.

Lufthansa/Miles and More/Montage

Vielfleigerkarten von Lufthansa: Die einen profitieren mit den Änderungen, die anderen werden weniger bekommen.

Die schon 2019 von Lufthansa Group angekündigten Änderungen für das Miles-and-More-Programm werden nach mehrjähriger Corona-Verspätung nun im Jahr 2024 Realität. Die Veränderungen betreffen primär die Art, wie man sich für einen Vielfliegerstatus qualifizieren kann. Statt mit Statusmeilen, die aktuell aus einer Kombination von Buchungsklasse und Flugdistanz berechnet werden, gibt es ab 2024 nur noch sogenannte Points, Qualifying Points und HON Circle Points. Sie werden basierend auf einer simpleren Logik vergeben.

Für die Festlegung der Anzahl der Punkte zählen dann nur noch die Reiseklasse (Economy, Premium Economy, Business, First Class) sowie die Unterscheidung zwischen kontinentalen und interkontinentalen Flügen. Mit 650 Points und 325 Qualifying Points in einem Kalenderjahr erhält man den Frequent Traveller Status und mit 2000 Points und 1000 Qualifying Points den Senator Status. Man muss also zur Hälfte mit der Lufthansa Group beziehungsweise mit den mit herausgebenden Airline Partnern fliegen, um einen Vielfliegerstatus überhaupt erreichen zu können. Den HON Circle Status gibt es ab 6000 HON Circle Points. Die Statusgültigkeit wurde bei Miles and More von zwei Jahren auf ein Jahr reduziert.

Transparenter und einfacher, aber …

Das neue System ist transparenter und einfacher. Aber die Umstellung führt wie die meisten grundlegenden Änderungen zu Gewinnern und Verlierern. Gewinner sind hier primär Kunden mit günstigen Tickets, die viel fliegen, während es für Kunden auf relativ für die Reiseklasse gesehen teureren Tickets schwieriger wird, sich für einen Status zu qualifizieren. Die Reduzierung der Statusgültigkeit auf ein Jahr trifft alle Kundengruppen aber benachteiligt insbesondere Reisende mit einem weniger konstanten Flugprofil. Positiv ist die formale Einführung von Statuslevels auf Lebenszeit, die besonders langjährige Kunden belohnt.

Das ist das generelle Fazit. Doch was heißt das nun konkret? Die Übersicht über die Kategorien von Gewinnern und Verlierern:

Die Gewinner des neuen Miles and More

Vielflieger: Miles and More ist ein Vielfliegerprogramm und viel zu fliegen, wird jetzt auch belohnt. Im alten System war es für Kunden, die jede Woche in den günstigsten Economy-Tarifen zum Beispiel in Deutschland hin- und hergeflogen sind, nicht möglich, einen Senator-Status zu erreichen. In Zukunft reichen zum Beispiel  100 günstigste Flugsegmente im Jahr mit Lufthansa-Group-Airlines, um Senator zu werden.

Business-Schnäppchenflieger: Wer bisher hauptsächlich mit günstigen Business-Tickets unterwegs war, gehört klar zu den Gewinnern des neuen Systems. Bisher sammelten Business-Class-Tickets im günstigsten P Tarif nur 100 Prozent der Flugdistanz als Statusmeilen auf der Langstrecke und somit nicht mehr als Kunden mit Premium-Economy- oder teuren Economy-Class Tickets. Ab 2024 erhöht sich die Statuspunkte-Ausbeute für diese Tickets deutlich, was zu einer relativ gesehen einfacheren Statusqualifikation führt.

Economy-Class-Reisende: Ähnlich wie bei günstigen Business-Class-Tickets ist auch für günstigste Economy-Class Tickets die Meilenausbeute im aktuellen System vergleichsweise gering. Im schlimmsten Fall sammelt man hier nur 25 Prozent der geflogenen Distanz als Statusmeilen (plus gegebenenfalls 25 Prozent Executive Bonus). Mit den Änderungen ab 2024 benötigt man zwar weiterhin recht viele Economy-Class-Flüge zur Statusqualifikation, doch auch hier wird die Qualifikation relativ gesehen einfacher.

Kontinent-Hopper: Da es im neuen System nur noch eine Unterscheidung zwischen kontinental und interkontinental gibt, spielt die geflogene Distanz keine Rolle mehr. Dies ist ein Vorteil für Reisende mit vielen, vergleichsweisen kurzen Interkontinentalflügen. Also beispielsweise Frankfurt – Dubai (rund 3000 Flugmeilen). Sie können nun für einen Flug dieselbe Anzahl an Statuspunkten sammeln wie Kunden der bisher längsten Strecken wie die nach Buenos Aires (rund 7150 Flugmeilen) oder Singapur (rund 6400 Flugmeilen). Für diese Kundengruppe mit näher gelegenen Interkontinentalzielen vereinfacht sich die Statusqualifikation ab 2024 spürbar.

Langjährige Kunden: Die Einführung der Statuslevels auf Lebenszeit ab 30.000 und 40.000 Lifetime-Qualifying-Points ist ein klarer Vorteil für langjährige Lufthansa-Statuskunden. Zwar gab es bisher schon einen Senator-Status auf Lebenszeit, doch war dieser unpubliziert und mit strikteren Kriterien versehen.

Die Verlierer des neuen Miles and More

Vollzahler in der Business und Economy: Im bisherigen System werden Statusmeilen aus einer Kombination von Buchungsklasse (spiegelt die Wertigkeit eines Tickets wider) und Flugdistanz vergeben, dies belohnt in vielen Fällen Kunden, die teurere Tickets innerhalb einer Reiseklasse (Economy, Premium Economy, Business Class) kaufen. Das sind typischerweise die Geschäftsreisenden. Ein Vollpreis-Economy-Ticket der Buchungsklasse B oder Y sammelt zum Beispiel die vierfache Anzahl an Meilen eines günstigen Tickets der Buchungsklasse K. Ein Vollzahler-Business-Ticket in den Buchungsklassen C, D und J ergibt die doppelte Anzahl an Meilen im Vergleich zu einem günstigen Ticket der Buchungsklasse P. Ab 2024 sammeln alle Tickets innerhalb einer Reiseklasse dieselbe Anzahl an Statuspunkten, was diesen Vorteil aufhebt.

Der Premium-Economy-Class-Reisende: Im aktuellen System ist die Premium Economy Class ein ziemlicher Sweet-Spot, was das Sammeln von Statusmeilen angeht. Während die Tickets oft nur etwas mehr als Tickets der Economy Class kosten, erhält man hier deutlich mehr Statusmeilen pro geflogene Meile. Die günstigsten Premium-Economy-Class Tickets der Buchungsklasse N haben mit 100 Prozent der geflogenen Distanz dieselbe Meilenausbeute wie ein günstiges Business-Class-Ticket. Mit dem neuen System wird sich dies ändern. Ab dann sammeln Reisende der Premium Economy nur noch ein Drittel mehr Statuspunkte als ein günstiges Economy-Ticket.

Reisende mit variierendem Flugprofil: Wer aktuell einen Vielfliegerstatus im Miles-and-More-Programm erlangt, hat in der Regel zwei Jahre Zeit, seine Vorteile zu nutzen und diesen zu requalifizieren. So konnten auch Reisende mit einem variierenden Flugprofil mit flugschwächeren und flugstärkeren Jahren diesen erhalten. Ab 2024 wird die Statusgültigkeit auf ein Jahr reduziert. Im neuen System muss man konsistent jedes Kalenderjahr die notwendigen Statuspunkte erfliegen, um den Vielfliegerstatus zu erhalten.

Star-Alliance-Reisende: Statusmeilen kann man bei Miles and More nicht nur bei Fluggesellschaften von Lufthansa Group sammeln, sondern auch bei den insgesamt 26 Star-Alliance-Mitgliedsairlines. Bisher konnte man einen Vielfliegerstatus theoretisch auch komplett mit Flügen auf diesen Partnerairlines wie United, Air Canada oder Singapore Airlines erreichen. Unter dem neuen System müssen ab 2024 mindestens die Hälfte der Statuspunkte (sogenannte Qualifying Points) mit Lufthansa Group (Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Eurowings Discover, Air Dolomiti) beziehungsweise mit den mit herausgebenden Partnern Croatia Airlines, Lot und Luxair erflogen werden. Der HON-Circle-Status kann wie bisher auch nur mit Flügen dieser Airlines in der Business und First Class erlangt werden. Kunden, die bisher häufig außerhalb von Lufthansa Group geflogen sind, gehören damit zu den klaren Verlierern des neuen Systems.

Alexander Koenig ist freier Kolumnist von aeroTELEGRAPH. Der ehemalige McKinsey Berater ist Gründer der Vielfliegerberatung First Class & More. Seit fast 20 Jahren hilft er seinen Kunden, Business und First Class zum halben Preis zu fliegen, einen Top-Vielfliegerstatus zu erhalten und das Maximum aus ihren Meilen herauszuholen. Die Meinung der freien Kolumnisten muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.