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Embargo bedroht Syrian Air

Die EU verschärft die Gangart gegen Damaskus. Das trifft die nationale Fluggesellschaft Syriens im Mark.

Syrian Air

Boeing B747SP von Syrian Air: In Europa ungebetener Gast.

Es ist die siebzehnte Verschärfung der Sanktionen seit dem Ausbruch des Aufstandes. Und dieses Mal traf es auch Syrian Arab Airlines, die sich heute kurz Syrian Air nennt. Die Europäische Union fror die Aktiven der nationale Fluggesellschaft des arabischen Landes per sofort ein. Zudem müssen ab sofort alle Flugzeuge der Airline eingehend auf allenfalls im Frachtraum transportierte Waffen untersucht werden, wenn sie in einem EU-Land ankommen oder abfliegen. Dies beschlossen die EU-Außenminister am Montag (23. Juli) in Brüssel. Das Unternehmen werde vom Regime unter Diktator Baschar al-Assad kontrolliert und diene diesem zur Geldbeschaffung, so die Begründung in der aktualisierten EU-Sanktionsliste (siehe Anlage)

Vorstandschefin Ghaida Abdullatif kann das so nicht stehen lassen. «Wir machten seit zwei Jahren keinen Gewinn mehr. Wie können wir da die Regierung unterstützen?», fragte sie in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Arabian Business rhetorisch. 2010 habe der Verlust 1,25 Milliarden Syrische Pfund (31 Millionen Euro) betragen. 2011 sei das Minus dann gar auf über 2 Milliarden geklettert. Mit dem Embargo verliert Syrian Air nun die letzten Flüge nach Europa: Man fahre den Betrieb nach und nach herunter, erklärte der Vertreter der Airline in Frankreich gegenüber der Tageszeitung Le Figaro. Flugplan. Das habe große Auswirkungen, so Abdullatif und ergänzte: «Speziell auf die 5400 Mitarbeitenden.» Jeder davon habe vier oder fünf Kinder. Deshalb werde die EU-Maßnahme auch die Bevölkerung hart treffen.

Einkaufen in Russland

Syrian Air strich bereits in den letzten Monaten Strecken, um zu sparen. So wurden etwa die Strecken nach Mailand und Marseille gestrichen. Zudem musste sie sich wegen Sanktionen der USA bereits 2010 nach einem neuen Lieferanten für neue Flugzeuge umsehen. Washington verbot damals einen Verkauf von fünfzig Fliegern durch Airbus, weil diese auch amerikanische Teile enthalten. Deshalb verhandelt die Airline seither mit Russland. Drei Antonows und drei Tupolew Tu-204SM will das Unternehmen kaufen. Der Vertrag sei bald bereit zur Unterzeichnung, so Abdullatif zu Arabian Business.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der schwierigen Informationslage stand in einer ersten Version dieses Artikels, dass Syrian Air nur noch Stockholm angeflogen habe. Das war falsch. Es standen noch diverse europäische Städte auf dem Flugplan. Wir entschuldigen uns für den Fehler.



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