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Verschollene Boeing 777

MH370: Was man bislang weiß

Ein Jahr ist es her, dass Flug MH370 von Malaysia Airlines spurlos verschwand. Immer noch gibt es keine Spur von dem Flieger. Was passierte damals?

Regierung Australien

Suchbereich von MH370: Im Mai soll die Suche beendet werden.

strong>Das Verschwinden. Es ist der 8. März 2014. Flug MH370 von Malaysia Airlines startet um 00:41 Uhr in Kuala Lumpur mit dem Ziel Peking. Der Flug hat sechs Minuten Verspätung. An Bord der Boeing 777 sind 227 Passagiere und 12 Crewmitglieder. Gemäß Flugplan soll er 5:55 Stunden später in Peking eintreffen. Der Himmel ist fast wolkenfrei, das Wetter angenehm. Zuletzt wird die Maschine um 2:14 Uhr auf einem Militär-Radar gesehen: Auf der Position 6° 55′ 15.0″ N und 103° 34′ 43.0″ E, rund 160 Kilometer nordnordöstlich der malaysischen Stadt Kuala Terengganu.

Die Passagiere. Auf der Passagierliste standen 227 Reisende. 153 von ihnen stammen aus China und Taiwan, 38 aus Malaysia, 7 aus Indonesien, 6 aus Australien, 5 aus Indien, 4 aus Frankreich, 3 aus den USA, je zwei aus Neuseeland, der Ukraine und Kanada sowie je einer aus Russland, Italien, den Niederlanden und Österreich. Kurz nach dem Absturz meldeten sich aber die sich vermeintlich an Bord befindenden Passagiere aus Italien und Österreich. Sie sind wohlauf. Offenbar wurde beiden zuvor der Pass gestohlen.

Um diesen Fakt rankten sich lange Verschwörungstheorien. Inzwischen ist aber klar: Die beiden Iraner Pouria Nour Mohammad Mehrdad (19 Jahre als) und Delavar Seyed Mohammadreza (29) waren mit den Pässen via Peking nach Europa unterwegs. Keiner von ihnen hatte Verbindungen zu Terroristengruppen.

Die Piloten: Der Flugkapitän von Flug MH370 war 53 Jahre alt. Er hatte 18’365 Flugstunden Erfahrung und arbeitete seit 1981 für Malaysia Airlines. Sein Kopilot war 27-jährig und hatte 2763 Flugstunden. Er kam 2007 zur malaysischen Fluggesellschaft. Auch um die Piloten ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Sowohl Selbstmord als auch terroristische Absichten wurden ihnen unterstellt. Erhärten ließen sich indes keine dieser Theorien, auch wenn der Pilot auf dem Flugsimulator zuhause den Flug geübt hatte.

Das Flugzeug: Auf dem Unglücksflug war eine Boeing 777-200 ER im Einsatz. Die Maschine mit der Kennzeichnung 9M-MRO besitzt zwei Triebwerke vom Typ Rolls Royce Trent 892. Sie wurde am 31. Mai 2002 an Malaysia Airlines ausgeliefert und war zum Zeitpunkt des Verschwindens knapp zwölf Jahre alt.

Dieselbe Maschine hatte 2012 einen Zusammenstoß am Flughafen Schanghai Pudong. Sie stieß am Boden mit einem Airbus A340-600 von China Eastern Airlines (Kennzeichen: B-6050) zusammen. Dabei wurde die Flügelspitze der Maschine von Malaysia Airlines zerfetzt. Einen Zusammenhang mit dem Verschwinden des Fliegers gibt es aber nicht.

Im ersten großen Bericht zum Unfall, der am 8. März 2015, ein Jahr nach dem Verschwinden des Jets veröffentlicht wurde, wurde bekannt, dass die Batterie eines Notfallsenders bereits ein Jahr vor dem Unglück keinen Strom mehr lieferte. Auf den Absturz hatte das aber keinen Einfluss. Es behinderte höchstens die Suche. Sonst liefert der Bericht keine Neuigkeiten.

Der Absturzort. Offenbar flog MH370 noch sechs Stunden weiter – bis das Kerosin ausging. Das schließen die Ermittler aus den automatischen «Pings», die das Flugzeug via Satellit aussandte. Nachdem man das Flugzeug an den verschiedensten Orten vermutet hatte, ist der Bereich nun auf eine große Meeresfläche westlich der australischen Küste festgelegt. Diese Erkenntnis basiert auf Satellitendaten, welche von Experten ausgewertet wurden.

Die Suche. Um 5:30 Uhr am 8. März machte sich die erste Sucheinheit auf den Weg. Warum das erst rund vier Stunden nach dem letzten Funkkontakt geschah, ist unklar und sorgte in der Folge für viel Kritik an den malaysischen Behörden. Es dauerte mehrere Wochen, bis man den definitiven Suchbereich festgelegt hatte. Bis heute wurden etwa 18’000 Quadratkilometer des Suchbereichs abgearbeitet – das ist etwa ein Drittel der gesamten Fläche. Im Mai soll die komplette Fläche abgedeckt worden sein. Das Meer ist an einigen Stellen des Suchbereichs bis zu 6000 Meter tief. Nach einer Kartografierung des Meeresgrundes sind derzeit vier Sonden dabei, nach dem verschollenen Jet zu suchen.

Die Zukunft. Bis Ende Mai soll die Suche zunächst weiter gehen. Dann, so heißt es von der malaysischen Regierung, werde man die Daten noch einmal evaluieren müssen, falls der Jet weiter verschollen bleibt. Darauf gestützt werde man dann die Suchaktion anpassen.

Die Konsequenzen. Dass ein so großes Flugzeug einfach so verschwinden kann, hat viele Laien irritiert. Doch auch die Branche wurde aufgerüttelt. Auf zahlreichen Konferenzen und Treffen wird thematisiert, wie man die flächendeckende Überwachung und Verfolgung von Flugzeugen gewährleisten kann – auch über verlassenen Orten wie dem Indischen Ozean. Einige Vorschläge beinhalten etwa eine Live-Blackbox, die aus dem Cockpit alle Daten an eine Zentrale sendet.

Noch ist man aber nicht so weit, dass die laufende Aufzeichnung und Verfolgung von Flügen Standard ist. Malaysia, Indonesien und Australien wollen nicht auf die globale Lösung warten. Sie testen nun ein Tracking-System auf Basis von ADS-C. ADS steht für Automatic Dependent Surveillance und C für Contract. Dabei senden Flugzeuge bei Flügen über entlegene Gebiete periodisch ihre Positionskoordinaten sowie die beiden kommenden Wegmarken an Bodenstationen. Bislang geschah das alle 30 bis 40 Minuten. Künftig soll das Zeitintervall 15 Minuten betragen. Sobald der Jet seine vorgesehene Route verlässt, wird das Signal alle 5 Minuten gesendet.



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