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Weniger Kondensstreifen

Leerer Himmel ist einmalige Chance für Forscher

Die Corona-Krise hat die Kondensstreifen um 90 Prozent reduziert. Das nutzen Forscher des DLR für Forschungsflüge über Europa und dem Atlantik.

Es wird wieder etwas voller am Himmel. Fluggesellschaften weltweit fahren ihren Betrieb langsam hoch. Mitunter verzeichnen sie sogar eine höhere Nachfrage als erwartet.

Doch noch sind Kondensstreifen von Passagierflugzeugen am Himmel rar. Durch den Rückgang des Luftverkehrs verminderten sie im April im Vergleich zum Vorjahr über Europa um bis zu 90 Prozent. Das fand das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR heraus. Diesen noch andauernden Ausnahmezustand nutzt es in den kommenden zwei Wochen für besondere Forschungsflüge über Europa und dem Nordatlantik.

Blick auf Hochfahren der Industrie

In der Kampagne Blue Sky vermisst das DLR mit zwei Forschungsflugzeugen die Erdatmosphäre. Die Forscher ermitteln, wie sich die Zusammensetzung der Luft verändert hat, nachdem der Luftverkehr markant zurückgegangen ist. «Wir werden intensiv beobachten, wie sich die Umwelt mit dem Hochfahren unseres industriellen Lebens wieder ändern wird», sagt Professor Rolf Henke, Vorstand für Luftfahrtforschung beim DLR in einer Mitteilung.

Damit werde sich ein völlig neuer Blick auf den Einfluss des Menschen auf die Atmosphäre ergeben, sagt der Wissenschaftler weiter. Die Messflüge werden über Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und Irland stattfinden. Außerdem werden Forschungsflieger  über den Atlantik die Flugkorridore nach Nordamerika abfliegen. Dabei werden Stopps in Shannon in Irland eingelegt.

Spontaner Einsatz

Kurzfristig rüstete das DLR binnen weniger Wochen ihre Spezialflugzeuge für die Kampagne mit weiteren Instrumenten aus. «Wir hatten das Glück, dass viele wichtige Instrumente bereits von anderen Kampagnen an Bord von Halo und der Falcon integriert waren», sagt Professorin Christiane Voigt vom Institut für Physik der Atmosphäre beim DLR. Die Forscherin ist Wissenschaftsleiterin des Falcon-Flugzeugs.

Bei den beiden Forschungsfliegern handelt es sich um speziell umgebaute Geschäftsreiseflugzeuge. Das Halo (High Altitude and Long Research Aircraft) ist eine Gulfstream G550, die Falcon eine Dassault Falcon 20. «Beide unterscheiden sich in ihrem Einsatzspektrum», erklärt Voigt. Die Falcon ist sehr robust und für Tiefflüge geeignet. Hingegen kann das Halo größerer Distanzen zurücklegen und höher fliegen. Mit bis zu 15 Kilometer Dienstgipfelhöhe kann es sogar die Stratosphäre erreichen.

Woher kommt der besonders blaue Himmel?

Nicht wenige Menschen bemerkten etwa in den vergangenen Wochen über Deutschland einen besonders blauen Himmel. Ob dies im Zusammenhang mit dem Rückgang des Flugverkehrs steht, soll die Forschungskampagne ebenfalls klären. «Der einzigartige blaue Himmel der vergangenen Wochen lässt sich nicht durch die meteorologischen Verhältnisse und den Rückgang der Emissionen in Bodennähe erklären», sagt Professor Jos Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie. Genau wie die Goethe-Universität Frankfurt, das Forschungszentrum Jülich und das Karlsruher Institut für Technologie ist die Forschungsstelle am Projekt beteiligt.

Die Messflüge widmen sich aber nicht nur den geringeren Emissionen. Das Halo und die Falcon werden in geringerer Höhe zwischen ein bis zwei Kilometer auch Berlin, München und Frankfurt aber auch über London und Paris überfliegen. Über diesen Ballungsräumen soll ermittelt werden, wie sehr sich der Schadstoffausstoß im Straßenverkehr aufgrund der Covid-19-Pandemie verändert hat. Auch hiefür haben die Forschungsflieger spezielle Messinstrumente erhalten.

Vergleichsdaten von vor der Krise

Mit einer Auswertung der Ergebnisse rechnen die Forscher noch bis Ende dieses Jahres. Für ihre Analysen werdensie Vergleichsdaten nutzen, die das Halo bereits zu Zeiten gesammelt hat, als der Flugverkehr noch nicht brach lag.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen des Halo und der Falcon des DLR.



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