InsolvenzDie desolate Lage von Air Berlin in Zahlen

Ohne das Geld vom Staat hätte Air Berlin den Flugbetrieb einstellen müssen. Ein Blick in die Bücher der Fluggesellschaft zeigt, wie schlimm die Lage ist.

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Spätestens seit dem 28. April stand fest, dass Air Berlin nur noch mit Etihads Gnaden weiterfliegen kann. Damals gewährte die Golfairline der deutschen Fluglinie ein Darlehen über 350 Millionen Euro, im Dezember und Januar hatte sie bereits 300 Millionen Euro überwiesen. Dennoch brauchte Air Berlin daneben noch eine Unterstützungserklärung von ihrer größten Aktionärin.

Nun wurde diese überraschend aufgekündigt. Die Situation habe sich in den letzten Monaten verschlechtert, begründet Etihad. Und dadurch wären die potenziellen Verbindlichkeiten weiter angestiegen. Das wollte die Fluglinie aus Abu Dhabi nicht mehr auf sich nehmen. Das hätte eigentlich das sichere Aus für Air Berlin bedeutet. Denn schon im Frühjahr hatten die Konzernprüfer festgehalten: «Der Konzern ist angewiesen auf einen Letter of Support eines wesentlichen Anteilseigners».

Das sofortige Grounding wurde verhindert. «Aufgrund der damit verbundenen insolvenzrechtlichen Regelungen wäre Air Berlin verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb unmittelbar nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen», erklärte am Dienstag (15. August) die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Sie handelte einen Kredit über

150 Millionen Euro

für Air Berlin aus. Das Geld wird von der deutschen Staatsbank Kreditanstalt für Wiederaufbau beigesteuert. Die Regierung in Berlin sichert das Darlehen aber mit einer Bundesbürgschaft ab. Mit den neuen Mitteln ist der Flugbetrieb für weitere drei Monate gesichert.

782 Millionen Euro

Verlust fuhr die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft 2016 ein. Die finanzielle Lage war also schon zuvor alles andere als rosig. Das Betriebsergebnis war im vorherigen Jahr mit

667 Millionen Euro

ebenfalls tiefrot. Das heißt, Air Berlin flog jeden Tag 1,8 Millionen Euro Verlust ein. Der Umsatz pro angebotenen Sitzkilometer sank, während die Kosten stiegen. Die Lage verschlimmert haben aber sicherlich auch hohe Zinszahlungen für Anleihen und Kredite.

454 Millionen Euro

schuldet Air Berlin beispielsweise allein ihrer Großaktionärin Etihad Airways Group in der Form langfristiger Finanzschulden einschließlich auflaufender Zinsen*. Die Golfairline wird davon wohl nicht mehr viel sehen. Daneben muss sie auch ihre Beteiligung von 29 Prozent an Air Berlin massiv abschreiben. Insgesamt betragen die Finanzschulden jedoch atemberaubende

1161 Millionen Euro

Auf der anderen Seite gibt es bei Air Berlin aber immer noch werthaltige Aktiva.

80 Millionen Euro

sind die Landerechte wert, die Air Berlin besitzt. Dabei handelt es sich wohl zum größten Teil um Slots an den beiden Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf. Die Landerechte des inzwischen bei Niki liegenden Touristikgeschäfts sind  7,4 Millionen* wert. Der Firmenwert wurde mit 193 Millionen Euro berechnet.

Was aber nun entscheidend ist: Wie gut kann Air Berlin das verbliebene Tafelsilber verkaufen?

* Die Bilanzzahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2016 per 31. Dezember 2016.

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