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Breguet Deux-Ponts

Der Vorfahre des Airbus A380 flog mit Propellern

Durchgängig zwei Passagier-Etagen bietet heute nur der Airbus A380. Der erste Flieger mit Doppeldeck ist er nicht. Bereits ab den 1940er-Jahren wurde ein Vorgänger gebaut.

Vier Triebwerke, zwei Kabinen-Etagen und bulliger Look: Diese Merkmale bringt heute nur der Airbus A380 mit sich. Bei der Einführung 2007 galt er noch als Zukunft der Luftfahrt. Heute laufen dem XL-Flieger sparsamere Zweistrahler den Rang ab.

Dass Airlines die Lust am A380 verloren haben, zeigte sich deutlich in der Coronakrise. Als im Frühjahr viele Fluglinien ihre Flotten stilllegen mussten, wurden oft als einer der ersten Jets der A380 eingelagert. Nicht Opfer eines Virus, aber genau wie beim A380 von schnell fortschreitender Technologie wurde bereits ein anderer viermotoriger Flieger mit Doppeldecker-Kabine und dickbauchiger Ästhetik – dieser flog noch mit Propellertriebwerken.

Entwicklung während Europas dunkelster Stunde

Deux Ponts: Im Französischen bedeutet dies etwa «zwei Decks». Für seine Baureihe 761 wählte der französische Flugzeugbauer Breguet einen sehr pragmatischen Namen. Auf insgesamt zwei Etagen verteilte der Mittelstreckenflieger seine Passagiere oder Fracht, er wurde mit Kolbenmotoren angetrieben. Der A380-Vorfahre war ein Kind des Zweiten Weltkrieges.

Bereits auf der Pariser Luftfahrtschau 1936 präsentierte der Hersteller erste Entwürfe des Konzepts, damals als Breguet 170 betitelt. Entwickelt wurde die Deux-Ponts von 1938 bis 1944 – und somit auch während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. Mit dem bevorstehenden Ende Nazi-Deutschlands erwartete man in Frankreich, dass nach Kriegsende der Luftverkehr wieder anwachsen würde.

Keine Innovationen

Insbesondere Flugverbindungen zu Frankreichs Kolonialgebieten in Afrika sollten schnell wieder aufgebaut werden. Als Transportflugzeug oder Passagierflieger für 100 Passagiere sollte die Deux-Ponts dies mitstemmen. Um den Doppeldecker-Flieger schnell zu realisieren, verzichtete Breguet bei der Deux-Ponts-Familie auf Innovationen und zog bewährte Technik vor.

Der Erstflug des ersten Familientyps Breguet 761 erfolgte am 15. Februar 1949. Es war nicht die erste Nachkriegsproduktion der französischen Luftfahrtindustrie. Bereits im August 1945, nur wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, hob mit einer SNCASE SE.161 Languedoc ein Passagierflugzeug aus französischer Produktion ab. Im Gegensatz zur Breguet Deux-Ponts basierte die ebenfalls viermotorige Languedoc jedoch auf einem Modell, das bereits vor dem Krieg geflogen war.

Motoren von alten Bombern

Bis zur Einführung sollte es noch etwas dauern. Ab 1951 fertigte der Hersteller drei Vorserienflugzeuge. Diese brachten bereits Verbesserungen. Sie hatten nicht mehr französische Triebwerke von Snecma, sondern vom amerikanischen Hersteller Pratt & Whittney. Die bewährten und leistungsstärkeren R2800-Motoren der Vorserien-Exemplare wurden zuvor bei Bombern der US-Luftwaffe ausgeschlachtet.

Noch im selben Jahr begann die Produktion der ersten Serienexemplare. Vorangegangen war eine Bestellung von Frankreichs Regierung von insgesamt 12 Deux-Ponts. Sechs Exemplare waren als Passagierflieger für die Nationalairline Air France bestimmt, die sich zuvor wegen der schwächeren Snecma-Motoren noch zögerlich zeigte. Die anderen sechs gingen als Transporter an Frankreichs Luftwaffe.

Zwei Versionen

Als Breguet 763 hatten die Serienexemplare zusätzlich zu den stärkeren Triebwerken auch etwas größere Flügel als die Vorserienflieger. Auch wurden im Cockpit drei statt wie zuvor vier Piloten benötigt. Im Frühjahr 1953 nahm Air France die Flüge mit ihren Breguet 763 auf, die bei der Airline auf den Namen «Provence» hörten.

107 Passagiere konnten maximal Platz nehmen: 59 im Oberdeck, 48 im Unterdeck. Mit engerer Bestuhlung hätten sogar 135 Passagiere Platz finden können. In der Transporter-Version des Militärs hatte die Deux-Ponts nur im Oberdeck eine Fensterreihe gehabt.

Auch Einsatz in Deutschland

Seine Einführung erlebte der Typ bereits im Jahr 1952. Air Algerie setzte den Prototyp als Transporter ein. Bereits ein Jahr später flottete die Fluglinie aus Algerien den Flieger wieder aus. Eins der Vorserien-Exemplare wurde 1953 an die britische Silver City Airways vermietet. Drei Monate flog diese Deux-Ponts zwischen Hamburg und Berlin.

Anschließend gab Silver City Airways den Flieger wieder zurück. Schon früh hatte es Breguet schwer gehabt, sich mit dem pummelig und unelegant wirkenden Propellerflieger gegen schnellere Verkehrsflugzeuge mit Düsenantrieb zu behaupten, die zu jener Zeit ihren Siegeszug starteten. Zwar deutlich länger als bei Air Algerie und Silver City Airways, aber immer noch relativ kurz, war auch die Karriere der Deux-Ponts bei Air France.

Überschaubare Kundenliste

Ab Paris setzte die Airline ihre sechs Exemplare hauptsächlich zu Zielen am Mittelmeer ein. So etwa zur algerischen Hauptstadt Algier. Gelegentlich wurden die Deux Ponts auch nach London eingesetzt sowie auf Inlandsrouten ab Paris. Doch 1964 übergab Air France ihre Deux-Ponts an die französische Luftwaffe. Insbesondere die düsengetriebene Sud Aviation Caravelle machte den Propellerflieger schnell innerhalb Air France Kontinentalnetzes entbehrlich.

Andere Kunden fand Breguet für die Deux-Ponts nicht. Daran änderten auch eine groß angelegte Promotour in Südamerika sowie eine geplante Version mit leistungsstärkeren Motoren aus dem Vereinigten Königreich nichts. Während das Flugzeug bei zivilen Betreibern kaum Erfolg hatte, schätzte Frankreichs Luftwaffe die Deux-Ponts.

Wüsten und Atomtestgebiete

Zwei Jahre nach der Einführung 1955 übernahm die Armee de l’Air vier weitere Deux-Ponts. Einst waren sie die ersten von 55 Exemplaren einer weiteren Bestellung an die Luftwaffe, die noch 1955 wieder storniert worden war. Da das Quartett bereits fast fertiggestellt war, baute man sie zu Ende und lieferte sie aus. Sie waren die letzten Deux-Ponts die produziert wurden – insgesamt baute Breguet 20 Exemplare.

Insbesondere auf Versorgungsflügen für Kolonialtruppen in Algerien bewährte sich die «Sahara», so der Name der Deux-Ponts bei Frankreichs Luftwaffe. Auch transportierte sie Truppen und Personal zu Frankreichs Atomtestgebieten im Pazifik. Nach 19 Jahren wurde die letzte Sahara 1972 ausgemustert und durch die deutsch-französische C-160 Transall ersetzt, die angesichts der Ablösung durch ihren Nachfolger Airbus A400M derzeit ihre letzten Dienstjahre in Frankreichs sowie Deutschlands Luftwaffe durchlebt.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen der Breguet Deux-Ponts.



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