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Luxus oder Sparmaßnahme?

BMW als Firmenwagen für Manager sorgen bei Tap für Unruhe

Sogar der Staatspräsident äußerte sich: Tap hat beschlossen, dass die Führung als Firmenwagen BMW statt Peugeot wie bisher bekommt. Daraufhin hagelte es Kritik. Jetzt krebst der Vorstand zurück.

BMW

BMW X3: Solche Firmenwagen hätte die Führung von Tap erhalten sollen.

Das ehemalige Management setzte auf eine forsche Expansionsstrategie. Mit neuen Flugzeugen – Airbus A330 Neo, A320 Neo und A321 Neo – und neuen Zielen wollte es Tap endlich zu einer erfolgreichen Fluggesellschaft machen. Doch dann kam die Pandemie und sie wurde stattdessen zum Krisenfall.

Der portugiesische Staat musste die Nationalairline mit gigantischen Beträgen aus der Staatskasse stützen. 3,2 Milliarden Euro beträgt die Gesamthilfe, welche sie bis 2024 erhalten haben wird. Zugleich wurde Tap wieder verstaatlicht. Die neue Führung unter Christine Ourmières-Widener setzt derzeit eine harte Restrukturierung um.

Neu Hybrid statt Diesel

Eine Maßnahme, die das Management dabei getroffen hat, ist die Beendigung eines Leasingvertrages für 50 Firmenfahrzeuge. Sie sollten eigentlich dem Vorstand und der Direktion zur Verfügung gestellt. Mit der neuen Lösung könne man 630.000 Euro pro Jahr sparen, argumentierte Tap in einer internen Mitteilung, aus der die Nachrichtenagentur Lusa zitiert.

Trotzdem kommt der Schritt bei den Mitarbeitenden von Tap nicht gut an. Es handle sich um Luxuswagen für die Manager, heißt es. Bisher setzte Tap auf Modelle von Peugeot, künftig sollten es X2 und X3 von BMW sein. Und statt Diesel- besitzen sie Plu-in-Hybridantrieb. Sie kosten zwischen 52.000 und 65.000 Euro.

Heftige Kritik von Personal und Staatspräsident

Die Führung argumentiere, man müsse zuerst Geld ausgeben, um später zu sparen, erklärt beispielsweise die portugiesische Pilotengewerkschaft. Dann solle man gleiche Logik auch bei den Arbeitsbedingungen anwenden. Denn aktuell leide das Personal unter der Teuerung und kämpfe für einen Inflationsausgleich. Und ein Mitglied des Linksbündnisses im Parlament erklärte: «Es ist eine Beleidigung für das Land, was der Tap-Vorstand getan hat». Auch Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa äußerte sich. Er nannte das Ganze «ein Problem des gesunden Menschenverstandes». Man solle sich «in einer schwierigen Zeit bemühen, ein Beispiel für Zurückhaltung zu sein».

Am Donnerstag (6. Oktober) mache der Vorstand von Tap deshalb eine Kehrtwende. Man habe «Verständnis für die allgemeine Stimmung in der portugiesischen Bevölkerung», teilte er in einer Mitteilung mit. Obwohl die gewählte Lösung unter derzeitigen Marktbedingungen die kostengünstigste sei, werde man die aktuelle Fahrzeugflotte für höchstens ein Jahr beibehalten. In dieser Zeit werde man «die Mobilitätspolitik des Unternehmens neu bewerten».