Tegel entsteht als Folge der sowjetischen Blockade West-Berlins. 1948 baut die französische Besatzungsmacht mit US-amerikanischen Spezialisten und deutschen Arbeitskräften in 90 Tagen einen neuen Flugplatz. Er hat mit 2428 Metern die damals längste Start- und Landebahn Europas. Das Flugfeld hilft bei der Versorgung der Stadt.

Bau im Jahr 1948Berliner Flughafen nach drei Monaten fertig

Wie lange dauert der Bau eines Flughafens in Berlin? Drei Monate. Zumindest war das vor 70 Jahren in Tegel so. Jedoch entstand noch nicht der Airport, wie man ihn heute kennt.

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Am 3. September 1948 liefen die Arbeiten auf Hochtouren: «Innerhalb der blockierten Stadt Berlin geht der neue Tegeler Flugplatz im französischen Sektor mit Volldampf seiner Vollendung entgegen», hieß es an diesem Tag in der von Briten und Amerikanern produzierten Wochenschau namens Welt im Film. «Die westlichen Alliierten arbeiten Hand in Hand mit den Berlinern und das Tempo lässt nichts zu wünschen übrig.» Tatsächlich wurde der Flughafen Tegel in nur drei Monaten fertig: Nachdem der Bau am 5. August 1948 begonnen wurde, landete am 5. November die erste C-54 Skymaster auf der neuen Piste.

Heute erscheint eine solch kurze Bauzeit unglaublich, gerade angesichts der vielen Verzögerungen beim neuen Hauptstadtflughafen BER. Doch man muss sich auch genau anschauen, was 1948 in Tegel entstand und unter welchen Umständen. Seit dem 24. Juni 1948 blockierte die Sowjetunion West-Berlin, das als Enklave in ihrer Besatzungszone lag. Die Westalliierten konnten die Stadt nicht mehr über Land oder Wasser erreichen. Sie versorgten West-Berlin daher aus der Luft, zuerst über die Flughäfen Tempelhof im amerikanischen Sektor und Gatow in der britischen Zone.

Bis zu 19.000 Arbeitskräfte

Doch nach gut einem Monat fiel der Entschluss, dass auch der französische Sektor einen Flugplatz erhalten soll, um die sogenannte Luftbrücke zu stärken. «Die Westmächte werden nach Fertigstellung dieses Flugplatzes in der Lage sein, täglich 8000 Tonnen Lebensmittel und andere Bedarfsartikel nach Berlin zu bringen», hieß es im September in der Wochenschau. Der Flughafen entstand auf einem Gelände, das vorher als Raketenabflug- und Truppenübungsplatz gedient hatte, im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und danach zwischenzeitlich für den Bau einer Kleingartensiedlung vorgesehen war.

Für den Bau war laut dem Buch «Die Rosinenbomber» das Engineer Corps der US Army verantwortlich, für die flugtechnischen Details die US-Luftwaffe. Die Franzosen stellten das technische Gerät, vor allem rund 400 Lastwagen und warben deutsche Arbeiterinnen und Arbeiter an. «Am 10. August 1948 wurden 1800 deutsche Arbeitskräfte registriert, am 18. August bereits 5000, am 1. September 1948 dann 15.000, um am 15. September 1948 die Rekordzahl von ca. 19.000 Arbeitskräften zu erreichen», schreibt Autor Wolfgang Huschke. Gearbeitet wurde in drei Schichten, rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen. Dabei stellen Frauen bis zu 50 Prozent der Arbeitskräfte.

Einweihung auf der Schotterpiste

Im besetzten Nachkriegsberlin entstand damals natürlich kein blitzeblanker Flughafen, wie es heute Standard ist, sondern ein Flugplatz, der zuerst nur dem Militär zur Versorgung der Stadt diente. Ein Foto, das den amerikanischen General Lucius D. Clay und den französischen Brigadegeneral Jean Ganeval bei der Einweihung des Flughafens zeigt, lässt erkennen, dass die beiden Militärs dabei nicht etwa durch ein ordentliche Wartehalle laufen, sondern über eine Art nasse Schotterpiste.

Nicht ganz klar ist, wie lang die Piste zum Start des Flughafens war. Der heutige Tegel-Betreiber Flughafen Berlin Brandenburg schreibt von der «damals längste Landebahn Europas» mit 2428 Metern Länge. In «Die Rosinenbomber» ist dagegen von rund 1676 Metern zu lesen. Auch eine US-Karte aus dem Jahr 1949 auf der Webseite Military Airfield Directory zeigt diese Länge an. Selbst mit den dort zu sehenden Überrollstrecken ergibt sich höchstens eine Gesamtlänge von 2194 Metern.

Zwei russische Sendetürme gesprengt

Auf jeden Fall sorgte der Flugplatz schnell zum ersten Mal für Wirbel - durch eine politisch heikle Sprengung. «Der französische Berlin-Kommandant General Ganeval steckte dem russisch kontrollierten Radio Berlin einen Knebel ins Mikrofon», schrieb das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am 18. Dezember 1948. «Nach brieflicher Warnung wurden die beiden 80 und 100 Meter hohen Sendetürme auf dem Tegeler Gelände gesprengt. Sie ‹gefährdeten die Flugsicherheit der Luftbrückenflieger› die auf dem neuerrichteten Flugplatz Tegel im französischen Sektor landen und starten.»

All das ist quasi die Frühgeschichte des Flughafens Tegel, der in rund 90 Tagen entstand. Erst nach dem Ende der Luftbrücke wurde die zweite Piste fertiggestellt. Die französische Militärregierung und die Berliner Flughafen-Gesellschaft vereinbarten später, dass der Flughafen ab 1960 auch für zivile Flüge genutzt werden darf. Im selben Jahr nahm Air France Linienflüge von Tegel auf, 1964 folgte Pan American World Airways.

Sechseckiges Terminal ab 1974

Fluggesellschaften und Militär nutzten gemeinsam die Pisten von Tegel. Im Süden der bisherigen Anlagen durften außerdem Gebäude für den Passagierverkehr entstehen. So wurde das berühmten sechseckige Terminal ab Juni 1969  gebaut und am 1. November 1974 eröffnet. Mit der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 ging der Flughafen Tegel über vom Gouvernement Militaire Français de Berlin an die Bundesrepublik Deutschland.

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