Das Inserat von Austrian Airlines: Ethik-Kodex «nicht ausreichend sensibel umgesetzt».

Nicht 100 Prozent SAFGericht verurteilt Austrian Airlines wegen irreführender Klima-Werbung

Ein Gericht in Österreich hat ein Greenwashing-Urteil gegen die Lufthansa-Tochter gefällt. Austrian Airlines hatte mit C02-neutralen Flügen geworben. Das sei irreführend, so die Richterin.

Top-Jobs

Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung
Etihad Job

First Officer A320

Abu Dhabi
Feste Anstellung
Etihad Airways
United Arab Emirates
Vollzeit
Top jobs
ticker-dfs-deutsche-flugsicherung

Fluglotse (w/m/d)

Deutsche Flugsicherung DFS
Studium
Langen b. Frankfurt
Top jobs
Deutschland
.

Event Manager (m/f, 100%)

Vollzeit
IRF Reputation AG
Basel
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Luftfahrt

Etihad Airways, Air France-KLM und viele weitere Airlines sahen sich zuletzt mit Greenwashing-Vorwürfen konfrontiert. Gemeint sind PR- oder Werbemaßnahmen, die Unternehmen umweltfreundlich und nachhaltig erscheinen lassen, ohne dass sie ausreichend viel für die Umwelt tun. Nun wurde Austrian Airlines deswegen sogar verurteilt.

Der österreichische Verein für Konsumenteninformation VKI hatte im Auftrag des Sozialministeriums gegen die Lufthansa-Tochter geklagt. Es ging um die Bewerbung von Flügen als CO2-neutral. «Das Landesgericht Korneuburg folgte jetzt der Rechtsauffassung des VKI und beurteilte die Werbung als irreführende Geschäftspraktik», freut sich die Verbraucherschutzorganisation in einer Stellungnahme.

«CO2-neutral zur Biennale fliegen?»

Dabei ging es um eine Werbung auf dem Twitter-Kanal und der Webseite der österreichischen Fluggesellschaft: «CO2-neutral zur Biennale fliegen? Für uns keine Kunst!» und «100 % SAF», war darin groß zu lesen. SAF ist die Abkürzung für Sustainable Aviation Fuel, also nachhaltigen Flugkraftstoff. Hinzu kam, in kleinerer Schrift, der Satz: «Denn gemeinsam mit dem Flughafen Wien und Venezia Airport bringen wir Sie mit nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) zur Biennale Arte nach Venedig.»

Der VKI sah darin eine Irreführung und brachte Klage wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht ein. Denn SAF wird herkömmlichem Kerosin beigemischt und dabei gibt es aus technischen Gründen aktuell noch Höchstbeimischungsgrenzen. «Es ist also technisch derzeit nicht möglich, Flüge CO2-neutral mit 100 Prozent SAF durchzuführen.»

Austrian hätte klarer informieren müssen

«Die beworbene CO2-neutrale Flugmöglichkeit stellte sich tatsächlich so dar, dass Konsument:innen gegen einen nicht unbeträchtlichen Aufpreis von mehr als 50 Prozent des Ticketpreises eine Nachhaltigkeitsoption buchen konnten», kritisiert der Verein. «In diesem Fall werde laut Informationen von AUA der jeweilige persönliche Treibstoffverbrauch für diesen Flug berechnet und die entsprechende Menge SAF zukünftigen Flügen beigemengt.»

Das Landesgericht Korneuburg gab der Klage statt und bewertete die Werbung als irreführend. Es hielt fest, dass es Austrian Airlines möglich und zumutbar gewesen wäre, über den Einsatz von SAF in einer Form zu informieren, die ein klares Bild vermittelt hätte. «Die beklagte Partei ist schuldig, es im geschäftlichen Verkehr zu unterlassen, den unrichtigen Eindruck zu erwecken, sie biete CO2-neutrale Flüge und/oder den Einsatz von 100 % nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAF) an», heißt es im Urteilsspruch der Richterin.

Werbung bringt schon zum zweiten Mal Ärger

Die Fluggesellschaft musste das Urteil unter anderem bei Twitter und in Österreich auch auf ihrer Startseite veröffentlichen. Sie erklärt, sie nehme das Urteil zur Kenntnis. «Aus dem Urteil ergibt sich, dass Austrian Airlines im Hinblick auf die gegenständliche Werbeaussage über den Einsatz von nachhaltigen Treibstoffen (Sustainable Aviation Fuels, SAF), dessen Einsatzmöglichkeiten und Vorteile klarer informieren hätte müssen», erklärt sie. «Austrian Airlines berücksichtigt das Urteil in aktuellen und zukünftigen Werbeaussagen.»

Gegen die irreführende Venedig-Werbung von Austrian Airlines hatte 2022 schon der niederländische Lehrer und Luftfahrtkritiker Eric Stam Beschwerde beim Österreichischen Werberat eingelegt und Recht bekommen. Der Inhalt der Werbung sei «aus mehreren Gründen irreführend», sagte er damals. «Für eine Durchschnittsverbraucherin oder einen Durchschnittsverbraucher ohne große Vorkenntnisse impliziert die Hauptaussage, dass klimaneutrales Fliegen bereits heute möglich ist.» Unter anderem verwende Austrian Airlines keinen Treibstoff mit einem 100-prozentigen Nettoeinsparpotenzial, sondern solchen mit einem Einsparpotenzial von über 80 Prozent.

Mehr zum Thema

Das Inserat von Austrian Airlines: Ethik-Kodex «nicht ausreichend sensibel umgesetzt».

Austrian Airlines kassiert Rüffel wegen Werbung

Ein Dreamliner von Etihad Airways: Die Airline darf in England zwei Anzeigen nicht mehr zeigen.

Behörde wirft Etihad Greenwashing vor

Boeing 747 von Lufthansa: Grünes Mäntelchen oder echtes Engagement?

Verbraucherschutz wirft Lufthansa und Co. Irreführung vor

Embraer E195 von Austrian Airlines: Fliegen nicht mehr nach Graz.

Hohe Kerosinpreise fordern Inlandsopfer: Austrian Airlines stellt Graz-Flüge ein

Video

Flughafen Gander am 11. September 2001: 38 Großraumflugzeuge strandeten an dem kanadischen Airport.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sperrten die USA ihren Luftraum. Fast 240 Flugzeuge auf dem Weg ins Land konnten nicht mehr umkehren. Kanada nahm sie auf – und musste innerhalb weniger Stunden Zehntausende gestrandete Reisende unterbringen und versorgen.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
regent viceroy first flight
Der amerikanische Hersteller Regent will seine Seegleiter in Küstenregionen in aller Welt liefern. Jetzt hat das Bodeneffektfahrzeug Viceroy erstmals einen bemannten Flug absolviert. Und die Zulassung verläuft anders als bei einem Flugzeug.
Timo Nowack
Timo Nowack
eurowings training center dus
Eurowings und Lufthansa Aviation Training haben ein Ausbildungszentrum eröffnet: In Düsseldorf üben Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter künftig, wie sie eine verrauchte Kabine evakuieren, einen bewusstlosen Piloten retten und eine Axt benutzen. aeroTELEGRAPH erhielt einen ersten Einblick ins neue Crew Training Center und sprach mit den Trainerinnen und Trainern.
Timo Nowack
Timo Nowack