Qatar-Jets: Nicht sehr arbeitnehmerfreundlich?

Qatar: «Repressiv, herrschsüchtig»

Qatar Airways steht in der Kritik. Der Experte der Internationalen Transportgewerkschaft sagt im Interview, wie hart die Bedingungen wirklich sind.

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strong>Sie kritisieren Qatar Airways als eine der schlimmsten Fluggesellschaften der Geschichte, wenn es um die Behandlung der Arbeitnehmer geht. Ist das nicht ein wenig übertrieben?

Gabriel Mocho*: Qatar Airways ist ein schnell wachsendes, sehr erfolgreiches Unternehmen. Zugleich aber ist die Fluglinie aus der Sicht der Angestellten eines der repressivsten, herrschsüchtigsten und unangenehmsten Unternehmen weltweit.

Die Kritik basiert vor allem auf einem Paragraphen im Arbeitsvertrag, welcher eine Informationspflicht bei Schwangerschaft festhält und Qatar da Recht gibt, die Angestellten dann auch zu entlassen. Wird diese Vorschrift wirklich angewendet?

Absolut. Es gibt diverse Fälle von Angestellten, die man entließ, als sie schwanger wurden. Darum steht so etwas ja auch im Vertrag. In vielen anderen Fällen ziehen es die Mitarbeiterinnen vor, selbst zu kündigen als die Schmach auf sich zu nehmen, dass man sie entlässt. In den meisten Ländern wird die Schwangerschaft arbeitsrechtlich geschützt. In Katar wird sie bestraft. Das ist nicht akzeptabel. Eine der zentralen Prinzipien der fairen Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation ILO wird hier missachtet.

Treffen solch harte Maßnahmen also nur Frauen?

Nein. Das System ist für alle hart. Mitarbeitende berichten uns etwa davon, dass die Crew-Unterkünfte alle mit Kameras und Sicherheitspersonal überwacht werden. Sie unbeobachtet zu verlassen, sei kaum möglich. Auch von Stichkontrollen in den Zimmern wird berichtet. Wer Alkohol, Zigaretten oder Schweinefleisch zuhause habe, werde umgehend entlassen. Es gibt auch genaue Vorschriften, zu welcher Zeit die Mitarbeitenden abends zuhause sein müssen. Und die gelten auch für freie Tage.

Das klingt in der Tat unangenehm.

Uns wurde auch erzählt, Angestellte würden allgemein wegen kleinster Dinge entlassen. Etwa weil sie ein Bikinibild von sich am Strand auf Facebook posten, oder eines mit einem Drink in der Hand. Aber auch Bilder von einem Flug können für eine Entlassung reichen. Selbst die Meldung von Zwischenfällen wird nicht geschätzt, sondern oft bestraft. Das ist sicherheitstechnisch gefährlich.

Aber hat das wirklich System oder sind das nicht eher Einzelfälle?

Nein. Es ist die Politik des Unternehmens und betrifft alle Angestellten.

Haben Sie denn schon mal versucht, mit dem Management von Qatar zu sprechen?

Die Führung spricht nicht mit Gewerkschaften. Konzernchef Akbar Al Baker gibt den Arbeitnehmervertretern die Schuld an der Arbeitslosigkeit.

Ist es bei Emirates und Etihad besser?

Die Kultur ist bei diesen Airlines ähnlich.

Was können Passagiere tun, um die Situation zu verbessern?

Sprechen Sie mit den Crewmitgliedern und zeigen Sie ihnen, dass ihre Probleme Ihnen wichtig sind. Oder schicken sie eine E-Mail an die Personalabteilung und sagen sie den Verantwortlichen, dass Sie die Behandlung der Angestellten nicht tolerieren.

* Gabriel Mocho ist Sekretär der Luftfahrtsektion der Internationalen Transportarbeiter-Föderation ITF.

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