Zwei Flugzeuge von Aeroflot: Russische Fluglinien lassen sanktionsbedingt viele Flugzeuzeuge am Boden.

Aeroflot und Co.Ein Fünftel der Flotte russischer Airlines bleibt im Sommer wegen Sanktionen am Boden

Eigentlich ist der Sommer für europäische Airlines das wichtigste Geschäft des Jahres, Russlands Fluggesellschaften müssen wegen der Sanktionen aber fast 20 Prozent der Flotte am Boden lassen. Das belastet Aeroflot, S7 und Co.

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Der Sommer ist da, und damit beginnt für die Fluggesellschaften in Europa die wichtigste Saison. Einen Großteil ihres Gewinns erwirtschaften sie in dieser Jahreszeit. Sie legen deshalb die planbare Wartung in die ruhigeren Wintermonate.

Im Sommer dürfen nur höchstens zehn Prozent der Flotte einer Airline ausfallen, damit sich der wirtschaftliche Schaden noch einigermaßen verkraften lässt - so eine Branchenfaustregel für unsere Breitengrade. Eigentlich gilt im Hochsommer aber die Devise: es muss alles fliegen, was fliegen kann.

In Russland fallen 20 Prozent der Flotten im Sommer aus

Russland hat damit aber ein Problem. Die Zeitung Kommersant hat analysiert, wie viele Flugzeuge der elf größten russischen Fluggesellschaften nicht eingesetzt werden können. Das Ergebnis: Ende Juni müssen von 673 Flugzeugen 130 am Boden bleiben, was rund 19,3 Prozent der Flotte entspricht. Ohne die Aeroflot-Gruppe würden sogar ein Drittel aller Flieger am Boden stehen.

Die Gründe sind laut Kommersant eindeutig. Die Hauptursache ist die ungewöhnlich lange technische Wartung der Flugzeuge, was daran liegt, dass Russland aufgrund der westlichen Sanktionen keine Ersatzteile einfach importieren darf. Weder für Flugzeuge noch für Triebwerke. Laut der Zeitung zeigt die hohe Ausfallquote, was passiert, wenn Sanktionen auf eine alternde, überwiegend im Westen gebaute Flotte aus Flugzeugen von Airbus und Boeing trifft.

Spannweite reicht von null bis 74 Prozent

Dabei gibt es trotzdem Unterschiede. Pobeda fliegt mit allen 42 Boeing 737. Nur geringfügig schlechter mit einer Ausfallquote von vier Prozent steht Aeroflot da. Aktuell können nur sieben Jets nicht eingesetzt werden, darunter drei von sechs A320 Neo, ein Airbus A330, ein A350 sowie zwei Boeing 777.

Deutlich höher ist der Wert mit 22 Prozent bei Konzerntochter Rossiya. Derzeit sind 30 von 136 Flugzeugen am Boden. Besonders betroffen sind die Langstreckenflieger; sechs von acht Boeing 747 und sechs von zehn Boeing 777 fliegen nicht. Grund ist der Teilemangel.

S7 Airlines hat den größten absoluten Ausfall

Die höchste Ausfallquote aller privaten Fluggesellschaften hat die Azur Air. 74 Prozent der Flotte oder 17 von 23 Flugzeugen können nicht eingesetzt werden. Grund seien Triebwerksprobleme, welche die Luftfahrtbehörde derzeit untersucht. Mit 44 Prozent folgt Nordwind Airlines auf dem zweiten Platz. Insgesamt zwölf von 27 Flugzeugen stehen nicht zur Verfügung. Von fünf A330 sind nur zwei einsatzfähig, von vier Boeing 777 nur eine.

Mit 33 Flugzeugen am Boden hat S7 Airlines die höchste absolute Anzahl von abgestellten Fliegern aller russischen Airlines. Ein Drittel der Flotte, also 32 Flugzeuge der A320-Neo-Familie sowie eine Embraer E170, fehlt. Grund sind Triebwerksprobleme. Es folgt Smartavia, bei der drei von 13 Flugzeugen nicht eingesetzt werden können, was einer Quote von 23 Prozent entspricht. Betroffen sind zwei A320 Neo und eine Boeing 737.

Kerosinpreise sorgen für das nächste Problem

Azimuth Airlines muss auf vier von 19 Superjet 100 verzichten, was einer Ausfallquote von 21 Prozent entspricht. Ural Airlines kann zehn von 51 Flugzeugen nicht einsetzen (19 Prozent), darunter alle acht A321 Neo sowie je ein A320 und A321. Immerhin soll bis Jahresende ein Flugzeug wieder im Einsatz sein. Bei Red Wings betrifft der Stillstand fünf der 26 Maschinen, was 19 Prozent entspricht, darunter zwei Boeing 777 und drei Superjet 100. Utair muss auf neun von 59 Flugzeugen verzichten. Dazu gehören auch alle drei Boeing 767 für die Langstrecke.

AirlineStillgelegtFlotteQuote
Azur Air172374 %
Nordwind Airlines122744 %
S7 Airlines3310432 %
Smartavia31323 %
Rossiya3013622 %
Azimut41921 %
Ural Airlines105119,6 %
Red Wings52619,2 %
Utair95915 %
Aeroflot71714 %
Pobeda0420 %

Unabhängig davon steht die russische Luftfahrt wegen der massiv steigenden Kerosinpreise vor einem weiteren Problem. An manchen Regionalflughäfen sind die Kerosinpreise binnen weniger Wochen um mehr als 40 Prozent gestiegen. Azimuth Airlines kündigte an, den Flugplan wegen der Preisexplosion um bis zu ein Drittel kürzen zu müssen.

Kerosinpreise sorgen für das nächste Problem

Die Regionalfluglinie wird sicher nicht die letzte Airline sein, die diesen Schritt in den kommenden Wochen beschließen wird. Experten sehen keine Besserung, weil die Flotten in en kommenden Jahren weiter altern und aufgrund der Sanktionen nicht ersetzt werden könne

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