Das Unheil begann am 2. März. An jenem Tag plante Air Calédonie, ihre Flüge vom kleinen Flughafen Nouméa-Magenta zum internationalen Flughafen Nouméa-La Tontouta zu verlegen. Dadurch will sie nicht nur den Umsteigeverkehr fördern. Der bisher genutzte Airport hat auch einen großen Nachteil: Er lässt nur eine beschränkte Zuladung zu.
Eine Studie der Regierung der zu Frankreich gehörende Inselgruppe im südlichen Pazifik ergab schon vor mehr als zehn Jahren, dass Nouméa-Magenta für Air Calédonie ungeeignet ist. Die ATR 72 der Fluggesellschaft können an ihm nicht mit voller Beladung starten und landen. Die maximale Beladung muss bei einem Flug von Nouméa zu den Loyauté-Inseln um 33 Prozent reduziert werden, bei einem Flug von Koné nach Nouméa sogar um 53 Prozent. Das drückt auf die Rentabilität.
Internationalen Flughafen von Nouméa liegt weit außerhalb
Dennoch formierte sich Widerstand gegen den Umzug. Denn der Flughafen La Tontouta liegt 40 Kilometer von Nouméa entfernt, während der Flughafen Magenta mitten im Stadtzentrum liegt. Besonders die Bewohnerinnen und -bewohner der Loyauté-Inseln beklagen sich, da dadurch die Anreise zu Krankenhaus, Bildungseinrichtungen und Behörden in der Hauptstadt nicht nur länger dauern, sondern auch teurer werden.
Die Organisation der Kanaken, der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner Neukaledoniens, riefen daraufhin eine Blockade von Flughäfen aus. Das fiel ihnen besonders leicht, da sich viele der Airports auf Stammesland befinden. Die Folge war, dass Air Calédonie ihre Flüge nicht mehr durchführen konnte und den Betrieb einstellen musste.
Air Calédonie musste Gläubigerschutz beantragen
Mitte März musste die Regionalairline rund die Hälfte ihrer Mitarbeitenden beurlauben. Durch den Stillstand fehlten Air Calédonie wichtige Einnahmen. Und Ende des Monats musste sie sich in Gläubigerschutz begeben. Immerhin hat sich nun aber eines der Kanaken-Komitees nun beschlossen, die Blockaden aufzulösen. Und seit Montag (30. März) führt Air Calédonie wieder erste Flüge zu den Loyauté-Inseln durch. Ob sie sich damit retten kann, ist jedoch noch unklar. Sie hat 45 Tage Zeit, um einen Sanierungsplan vorzulegen.
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