Auf den ersten Blick sind die Zahlen ansprechend. Von Anfang Januar bis Ende September steigerte KLM den Betriebsgewinn von 328 auf 526 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz wuchs um mehr als neun Prozent auf 10,9 Milliarden Euro, während die Kapazität um 4,3 Prozent anstieg. Doch damit ist Vorstandschefin Marjan Rintel nicht zufrieden.
Die betriebliche Marge von KLM betrug in den ersten neun Monaten von 2026 rund 4,8 Prozent. Das Ziel des Managements sind aber 8 Prozent. Deshalb will es das Sparprogramm Back on Track, das bislang Einsparungen von 750 Millionen Euro eingebrachte, verschärfen. Ziel ist es gemäß Rintel, eine «kleinere, einfachere und flexiblere Organisation» zu schaffen. Dafür konzentriere man sich künftig auf Kernaktivitäten, die der Kundschaft unmittelbar zugutekommen.
Synergien durch Eingliederung von SAS in Air France-KLM
«Bei Aktivitäten, die von anderen Akteuren besser, schneller oder effizienter durchgeführt werden können, wird das Unternehmen einen anderen Ansatz verfolgen» so KLM. Sie sollen mit externen Partnern durchgeführt, neu organisiert oder innerhalb von Air France-KLM weiter konsolidiert werden. Dabei biete auch die Eingliederung von SAS in den Konzern Chancen für zusätzliche Synergien.
Drei Bereiche nennt KLM bereits. Der Passagierservice soll durch Digitalisierung und neue Technologien effizienter werden. Die Mitarbeitenden in den Terminals würden sich fortan stärker auf die Gästebetreuung und den direkten Kundenkontakt konzentrieren. Die Vorfelddienste Europaflüge von KLM Cityhopper und der Gepäckdienst würden neu mit externen Partnern zusammenarbeiten, so die niederländische Nationalairline.
Rund 1000 Jobs fallen bei KLM weg
Und nicht zuletzt will die Führung auch das Drehkreuz-Kontrollzentrum am Flughafen Amsterdam-Schiphol durch neue Arbeitsweisen, moderne Technologie und eine engere Zusammenarbeit mit externen Partnern optimieren. Daneben sollen die Frachtabfertigung in Amsterdam konzentriert werden und bei der Wartung die Dienste an Modellen, die die Flotte verlassen werden, an externe Partner vergeben werden.
Das alles hat Folgen fürs Personal. «Die Zahl der Stellen bei KLM, die in den letzten Jahren bereits zurückgegangen ist, wird um weitere fast 15 Prozent sinken», erklärt die Airline. Etwa 5000 Arbeitsplätze würden «umstrukturiert». Vier Fünftel davon sollen an Partner oder in die Gruppe verlagert werden. Aber am Ende bleiben auch rund 1000 Arbeitsplätze, die bei KLM gestrichen werden. Aktuell beschäftigt KLM rund 31.000 Menschen. Die Führung glaubt, die Auswirkungen auf die Mitarbeitenden durch natürliche Fluktuation, freiwillige Maßnahmen und Versetzungen begrenzen zu können.
Embraer E195-E2 statt Airbus A320 Neo
Nicht nur bei der Organisation und beim Personal wird angesetzt, sondern auch bei der Flotte. KLM passt das Verhältnis zwischen größeren und kleineren Flugzeugen in ihrer europäischen Flotte an. Dadurch werde die Rolle von Regionaltochter KLM Cityhopper gestärt, heißt es. Der A321 Neo bleibe Teil der Flotte, während kleinere Embraer E195-E2 die geplanten A320 Neo ersetzten. «Durch den Einsatz von mehr kleineren Flugzeugen kann KLM die Kapazität besser an die Nachfrage in ihrem gesamten europäischen Streckennetz anpassen» erklärt die Fluggesellschaft. Die Boeing 737 und die Embraer E190 werden in den kommenden Jahren ausgemustert.
aeroTELEGRAPH