Flugzeug-Nachbau: Nur fürs Training.

Lufthansa Aviation Training SchweizEin neues Trainingszentrum mitten in der Krise

Auch in der Krise müssen Crews trainieren. In der Schweiz tun sie das jetzt im brandneuen Trainingszentrum von Lufthansa Aviation Training.

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Luftfahrt

Eigentlich wäre es ein Grund zum Feiern. Lufthansa Aviation Training (LAT) Schweiz hat nahe dem Zürcher Flughafens ihr neu errichtetes Trainingscenter bezogen. Anstelle einer geplanten feierlichen Eröffnung mit drei Tagen der offenen Tür und intensiver Ausbildung neuer Kabinen- und Cockpitcrews sorgen Homeoffice und Einstellungstopps aber für einen ganz anderen Start als vorgestellt. 

Die Cockpit- und Kabinencrews kommen ein- bis zweimal jährlich zu Ausbildungs- und Auffrischungskursen ins Trainingscenter, das auch von anderen Mitgliedern der Lufthansa- Gruppe, beispielsweise den Boeing-777-Piloten von Austrian Airlines, oder von Drittkunden genutzt wird – etwa von Piloten der Chair Airlines und Easyjet.

An verschiedene Verhältnisse anpassbar

50 Millionen Franken hat LAT Schweiz in den modular aufgebaute Neubau mit einer Fläche von 11'000 Quadratmetern als Ersatz für ihr in die Jahre gekommenes und an die Kapazitätsgrenzen stoßendes Trainingscenter gezahlt. Mit seiner gewellten Fassade soll das Gebäude auch visuell einen Bezug zu den Wurzeln der Luftfahrt schlagen. 

Zentral für LAT Schweiz ist jedoch die Möglichkeit, im Neubau dank modularer Bauweise und einer daraus resultierenden flexiblen Raumaufteilung zukünftig alle Ausbildungsbedürfnisse an einem Ort zu konzentrieren und den zukünftigen Entwicklungen gemäss anpassen zu können.

Neue und günstigere Simulatoren

Natürlich dürfen in einem derartigen Ausbildungszentrum die Simulatoren für die Pilotenausbildung und das Training von Ausnahmesituationen nicht fehlen, auf deren Einbau rund 50 Prozent der Kosten des gesamten Bauprojekts entfallen. Zwei Hallen im Westflügel des Gebäudes bieten Platz für jeweils drei bis vier «Full Motion»-Simulatoren.

LAT Schweiz wird diese Trainingsgeräte jedoch teilweise durch neu entwickelte, stationäre FTD-Simulatoren ergänzen (die Abkürzung steht für Full Training Device), deren wesentlich einfachere Bauweise es erlaubt, bis zu sechs dieser fest installierten Simulatoren am Stellplatz eines «Full Motion»-Simulators für jeweils einen Bruchteil der Anschaffungs- und Betriebskosten eines beweglichen Simulators aufzustellen.

Auch Drittkunden nutzen das Trainingscenter

Diese Simulatoren sind bezüglich Darstellung und Störungssimulation ihren beweglichen Brüdern in vielen Situationen ebenbürtig, da es etwa für das Training der Zusammenarbeit zwischen den Crew-Mitgliedern (Crew Ressource Management, CRM) oder dem Training von standardisierten Abläufen nicht zwingend notwendig ist, die teuren, in drei Achsen beweglichen Simulatoren zu nutzen. Diese sind für das Training spezifischer Notfälle – etwa Rauch im Cockpit oder komplexe Notsituationen – vorbehalten. 

Gegenwärtig befinden sich «Full Motion»-Simulatoren für die A320-Familie, die Boeing 777, den Airbus A220 sowie für die Embraer 145 am neuen Standort in Betrieb, zusammen mit einem ersten, in Zertifizierung begriffenen stationären FTD-Simulator für die A320-Familie. Der in dieser Auswahl etwas überraschende Embraer-Simulator befindet sich in seiner sogenannten zweiten Lebensspanne: Einst von Crossair für ihre Embraer RJ- 145 angeschafft, wird er heute intensiv von Drittkunden, insbesondere VIP-Betreibern genutzt, um die Crews der weit verbreiteten Embraer RJ-135BJ Business-Jets zu schulen.

A330-Simulator wiederbelebt

Am alten Standort hat LAT Schweiz in Reaktion auf die Covid-Pandemie den bereits im Abbau befindlichen «Full Motion»-Simulator für die Airbus A330/A340 wieder installiert und in Betrieb genommen, um die Crews dieser Flugzeuge ausreichend trainieren zu können, während ein großer Teil der A330-Flotte für längere Zeit außer Betrieb bleibt. Ebenfalls vorerst noch am alten Standort verblieben ist ein Agusta-Helikopter-Simulator. 

Neben den Piloten werden im neuen LAT-Trainingszentrum auch die Kabinenbesatzungen ausgebildet. Sie üben dort etwa den Service  in einer nachgebauten Business-Class-Kabine, aber auch den Umgang mit dem gefürchteten «unruly passenger» in Rollenspielen und Situationstrainings. Besonderen Raum nimmt auch bei der Kabine die Schulung von Notsituationen ein.

Medizinisches Team trainiert die Crews

Die korrekte Reaktion und Kommunikation in einem Notfall – vom eigenständigen Anordnen von Massnahmen über die Handhabung der Rettungsmittel bis hin zur Evakuierung der Kabine innerhalb des vorgeschriebenen Zeitrahmens von 90 Sekunden – kann in drei so genannten Mock-Ups geübt werden, in denen Teile der Kabine der A220, A320, A330/340 und Boeing 777 nachgebaut wurden und die Rettungsmittel genutzt werden können.

 In einem separaten Gebäude, dem «Fire House», lernen die Crews zudem die Bedienung der Löschmittel, während in einer weiteren generischen Kabine ein achtköpfiges medizinisches Team sowie 16 Freelancer den Crews die schnelle Reaktion auf medizinische Notfälle und die fachkundige Benutzung der entsprechenden Ausrüstung beibringen. Insbesondere dieser Teil des Ausbildungszentrums wird auch von Drittkunden zur Notfallschulung genutzt. 

Um den Austausch zwischen den Crew-Mitgliedern zu fördern, stehen gemeinsam genutzte Räume zur Vorbereitung, zum Selbststudium und zur Verpflegung sowie Erholung zur Verfügung.

Dieser Text von Lukas Lusser entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner Jetstream, dem internationalen Luftfahrtmagazin.

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