Qatar Airways: Crews sind unzufrieden.

ProtestCrews von Qatar Airways rebellieren: Kein Bonus trotz Milliardengewinn sorgt für Unmut und Krankmeldungen

Kein Bonus, weniger Flugzulagen und Frust über die Unternehmensführung: Bei Qatar Airways wächst offenbar der Unmut der Crews. Berichte über koordinierte Krankmeldungen sorgen nun für Aufsehen.

Top-Jobs

Goldeck Logo

Kapitän Pilatus PC-12NGX (f/m/d)

Goldeck-Flug Gesellschaft m.b.H.
Vollzeit
Top jobs
Wien / Wiener Neustadt
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Sparfell Logo

Captain/First Officer Embraer 550 / Legacy 500 (m/f)

SPARFELL Luftfahrt GmbH
Vollzeit
Vienna
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Pilatus Logo

Mechaniker Flugzeugkomponenten (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Qatar Airways durchläuft gerade eines der schwierigsten Jahre ihrer jüngeren Geschichte. Die Krise im Nahen Osten zwang die Fluggesellschaft zeitweise dazu, große Teile ihres Streckennetzes auszusetzen. Tausende Flüge fielen aus, die Flugzeuge blieben am Boden. Nun scheint der Druck auch innerhalb der Belegschaft spürbar zu werden.

Auslöser ist die Entscheidung der Airline, in diesem Jahr keine Gewinnbeteiligung auszuzahlen. Dabei hatte Qatar Airways im vergangenen Geschäftsjahr erneut einen Gewinn von umgerechnet rund zwei Milliarden Dollar erzielt. Trotzdem teilte die Fluglinie ihren rund 60.000 Mitarbeitenden laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg mit, dass es keinen Bonus geben werde. Grund seien die wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Spannungen in der Region und die damit verbundenen Belastungen für das Unternehmen.

Emirates zahlte Bonus, Qatar Airways nicht

Besonders schwer vermittelbar dürfte das für viele Beschäftigte sein, weil die Krise ihre Einkommen bereits an anderer Stelle belastet. Ein Teil des Gehalts von Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern besteht aus Flugzulagen und Spesen während Aufenthalten im Ausland. Weil Qatar Airways ihr Flugprogramm nach den jüngsten Ereignissen deutlich reduzieren musste und laut Berichten noch immer weit unter dem üblichen Niveau operiert, fallen viele dieser Zusatzeinnahmen derzeit weg.

Für zusätzlichen Unmut dürfte sorgen, dass die Konkurrenz einen anderen Weg gewählt hat. So zahlte Emirates ihren Mitarbeitenden trotz der schwierigen Lage in der Region auch in diesem Jahr einen Bonus aus. Laut Berichten entsprach dieser rund 20 Wochen Grundgehalt. Qatar Airways begründete den Verzicht dagegen mit den finanziellen Folgen der Krise und dem Ziel, die langfristige Stabilität des Unternehmens zu sichern.

Qatar Airways nach Kriegsausbruch besonders stark betroffen

Tatsächlich war die Airline von den Luftraumsperrungen und Flugausfällen besonders stark betroffen. Qatar Airways flog nach Kriegsausbruch zuerst fast gar nicht, abgesehen von einigen Ausweichflügen ab Saudi-Arabien. Dann konnte die Fluggesellschaft zeitweise nur noch etwas mehr als die Hälfte ihres üblichen Programms anbieten. Die Krise kostete das Unternehmen nach eigenen Angaben Milliarden an entgangenen Einnahmen.

Das Portal PYOK berichtet nun von einer Protestaktion innerhalb der Kabinenbesatzungen. Demnach sollen sich zahlreiche Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter gleichzeitig krankgemeldet haben. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es bislang nicht. Auch Qatar Airways hat sich zu den Berichten bislang nicht geäußert. Doch Flugverfolgungsdienste zeigen viele Verspätungen für Flüge ab Doha an.

Außergewöhnlicher Vorgang in Katar

Sollten die Berichte zutreffen, wäre das für Katar ein außergewöhnlicher Vorgang. Gewerkschaften sind im Golfstaat nicht zugelassen, Streiks gelten als illegal und öffentliche Proteste von Beschäftigten kommen praktisch nicht vor. Schon deshalb sorgen die Berichte in der Branche für Aufmerksamkeit.

In den vergangenen Jahren hatte Qatar Airways versucht, ihr Image als Arbeitgeber zu verbessern. Unter dem langjährigen Konzernchef Akbar Al Baker galt die Fluggesellschaft als äußerst streng geführt. Kabinencrews mussten sich an detaillierte Verhaltensregeln halten, standen unter enger Kontrolle und es gab immer wieder Kritik von Menschenrechtsorganisationen.

Bewährungsprobe für neuen Chef von Qatar Airways

Mit dem überraschenden Führungswechsel Ende 2023 sollte sich das ändern. Nachfolger Badr Al Meer versprach mehr Vertrauen und mehr Freiheiten für die Mitarbeitenden. Tatsächlich wurden einige der umstrittensten Regeln gelockert. So erhielten Crews mehr Freiheiten außerhalb der Dienstzeiten und konnten sich auch in sozialen Netzwerken offener präsentieren.

Doch die Phase dauerte nicht lange. Ende 2025 übernahm Hamad Ali Al-Khater die Führung der Airline. Der frühere Chef des Flughafens Hamad International steht nun vor der Aufgabe, Qatar Airways durch die Folgen der jüngsten Krise zu führen. Die Diskussion um die ausgefallenen Bonuszahlungen entwickelt sich damit zur Bewährungsprobe für den neuen Konzernchef.

Schön, dass Sie hier sind! Unsere Redaktion kennt die Branche, ihre Akteure und Zahlen – seit vielen Jahren. Wenn Sie uns unterstützen wollen, zahlen Sie weniger als für ein Getränk am Flughafen. Zudem lesen Sie werbefrei und stärken die unabhängige Berichterstattung. Jeder Beitrag zählt. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-qatar-airways

Qatar Airways verkauft drei Airbus A350-1000 und least sie zurück

ticker-qatar-airways

Qatar Airways plant offenbar zwei eigene Lounges im Terminal 3 am Flughafen Frankfurt

ticker-qatar-airways

Qatar Airways erschwert Prämienbuchungen für Begleitpersonen

ticker-qatar-airways

Qatar Airways erweitert Vorstand um zwei neue Funktionen

Video

Airbus A340-300 von Mahan Air bei der Landung im Jemen: Der Airport ist seit zehn Jahren gesperrt.
Ein Airbus A340 von Mahan Air weicht auf einen seit über zehn Jahren gesperrten Flughafen aus, nachdem Regierungstruppen die Landebahn in Sanaa beschossen haben. Die Regierung hat den gesamten Luftverkehr ausgesetzt.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
boeing 787 dreamliner fenster knopf
Die Boeing 787 hat elektronisch dimmbare Kabinenfenster. Die Knöpfe für deren Bedienung müssen jedoch immer wieder ersetzt werden - auch, weil Fluggäste unnötig häufig drücken.
Timo Nowack
Timo Nowack
Ilyushin Il-114-300: Nur eingeschränkt zugelassen
Die russische Luftfahrtbehörde hat der Ilyushin Il-114-300 die Musterzulassung erteilt. Doch der Schritt hat einen Haken: Das neue Regionalflugzeug darf zunächst nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen abheben.
Laura Frommberg
Laura Frommberg