Qatar Airways durchläuft gerade eines der schwierigsten Jahre ihrer jüngeren Geschichte. Die Krise im Nahen Osten zwang die Fluggesellschaft zeitweise dazu, große Teile ihres Streckennetzes auszusetzen. Tausende Flüge fielen aus, die Flugzeuge blieben am Boden. Nun scheint der Druck auch innerhalb der Belegschaft spürbar zu werden.
Emirates zahlte Bonus, Qatar Airways nicht
Besonders schwer vermittelbar dürfte das für viele Beschäftigte sein, weil die Krise ihre Einkommen bereits an anderer Stelle belastet. Ein Teil des Gehalts von Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern besteht aus Flugzulagen und Spesen während Aufenthalten im Ausland. Weil Qatar Airways ihr Flugprogramm nach den jüngsten Ereignissen deutlich reduzieren musste und laut Berichten noch immer weit unter dem üblichen Niveau operiert, fallen viele dieser Zusatzeinnahmen derzeit weg.
Für zusätzlichen Unmut dürfte sorgen, dass die Konkurrenz einen anderen Weg gewählt hat. So zahlte Emirates ihren Mitarbeitenden trotz der schwierigen Lage in der Region auch in diesem Jahr einen Bonus aus. Laut Berichten entsprach dieser rund 20 Wochen Grundgehalt. Qatar Airways begründete den Verzicht dagegen mit den finanziellen Folgen der Krise und dem Ziel, die langfristige Stabilität des Unternehmens zu sichern.
Qatar Airways nach Kriegsausbruch besonders stark betroffen
Das Portal PYOK berichtet nun von einer Protestaktion innerhalb der Kabinenbesatzungen. Demnach sollen sich zahlreiche Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter gleichzeitig krankgemeldet haben. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es bislang nicht. Auch Qatar Airways hat sich zu den Berichten bislang nicht geäußert. Doch Flugverfolgungsdienste zeigen viele Verspätungen für Flüge ab Doha an.
Außergewöhnlicher Vorgang in Katar
Sollten die Berichte zutreffen, wäre das für Katar ein außergewöhnlicher Vorgang. Gewerkschaften sind im Golfstaat nicht zugelassen, Streiks gelten als illegal und öffentliche Proteste von Beschäftigten kommen praktisch nicht vor. Schon deshalb sorgen die Berichte in der Branche für Aufmerksamkeit.
In den vergangenen Jahren hatte Qatar Airways versucht, ihr Image als Arbeitgeber zu verbessern. Unter dem langjährigen Konzernchef Akbar Al Baker galt die Fluggesellschaft als äußerst streng geführt. Kabinencrews mussten sich an detaillierte Verhaltensregeln halten, standen unter enger Kontrolle und es gab immer wieder Kritik von Menschenrechtsorganisationen.
Bewährungsprobe für neuen Chef von Qatar Airways
Mit dem überraschenden Führungswechsel Ende 2023 sollte sich das ändern. Nachfolger Badr Al Meer versprach mehr Vertrauen und mehr Freiheiten für die Mitarbeitenden. Tatsächlich wurden einige der umstrittensten Regeln gelockert. So erhielten Crews mehr Freiheiten außerhalb der Dienstzeiten und konnten sich auch in sozialen Netzwerken offener präsentieren.
Doch die Phase dauerte nicht lange. Ende 2025 übernahm Hamad Ali Al-Khater die Führung der Airline. Der frühere Chef des Flughafens Hamad International steht nun vor der Aufgabe, Qatar Airways durch die Folgen der jüngsten Krise zu führen. Die Diskussion um die ausgefallenen Bonuszahlungen entwickelt sich damit zur Bewährungsprobe für den neuen Konzernchef.
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