Britische Flagge neben EU-Flagge: Bald keine Einheit mehr.

EU-Austritt der BritenBrexit erschüttert die Luftfahrtbranche

Das Vereinigte Königreich tritt aus der Europäischen Union aus. Für Fluggesellschaften wie Easyjet, Ryanair und Co. ist das nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen eine Herausforderung.

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Der schlimmste Fall ist eingetreten. Die Briten haben in einer historischen Abstimmung für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Die Finanzmärkte reagierten prompt. Euro und Pfund gaben nach, ebenso wie die Börsen. Überdurchschnittlich stark verloren haben neben den Aktien von Banken vor allem die von Airlines. Die Titel von Easyjet verloren am Morgen über 15 Prozent ihres Werts, die von Ryanair 11 Prozent und die der British-Airways-Mutter IAG verloren weit über 10 Prozent.

Airlines in der EU profitieren von der European Common Aviation Area (ECAA). Fluggesellschaften, die in der Union ansässig sind, können beliebig innerhalb der Staatengemeinschaft fliegen. Das heißt, dass Easyjet und Ryanair ab Deutschland Dutzende Destinationen ansteuern können, die nicht in Großbritannien liegen. Diese Privilegien fallen weg, wenn das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil der EU ist.

Briten dürften Verhandlungen zu ECAA-Beitritt starten

Die Mehrheit der Branchenkenner geht davon aus, dass die Briten schon bald einen Beitritt zur ECAA anstreben, auch wenn sie der EU nicht mehr angehören. «Wir haben heute in Schreiben an die Regierung des Vereinigten Königreichs und die Europäische Kommission darum gebeten, den Verbleib des Vereinigten Königreichs im EU-Luftverkehrsbinnenmarkt, aufgrund seiner Bedeutung für Wirtschaft und Verbraucher, zu priorisieren», lässt sich Easyjet-Chefin Carolyn McCall in einer Mitteilung zitieren.

«Ich glaube nicht, dass nach einem Brexit weniger geflogen würde», sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary vor einigen Monaten zwar im Gespräch mit aeroTELEGRAPH. Dennoch sei ein EU-Austritt schlicht falsch. O'Leary fürchtet vor allem die Auswirkungen auf Passagierzahlen nach Großbritannien – die Privilegien der ECAA hat Ryanair als irische Fluggesellschaft ohnehin. Aber der Handel zwischen Großbritannien und der EU dürfte durch einen Austritt Großbritanniens massiv beeinflusst werden – und das wirkt sich auf die Zahl der Geschäftsreisenden aus.

Weniger Passagiere befürchtet

Flüge zwischen der EU und Großbritannien sind wichtig für Airlines. Im vergangenen Jahr flogen mehr als 130 Millionen Passagiere auf diesen Strecken. Die acht größten Fluggesellschaften des Königreichs nahmen damit mehr als 10,5 Milliarden Pfund ein. Airlines sind nun gezwungen, ihre Strategie zu überdenken – und tun das offenbar bereits. «Wir werden vermutlich erst einmal nicht in Großbritannien wachsen, sondern andere Märkte wie Deutschland und Spanien in den Fokus nehmen», erklärte etwa Ryanair Marketingchef Kenny Jacobs gegenüber dem Portal Biztravel. 

Auch Easyjet hat mehrere Optionen ausgearbeitet, wie man das Geschäft nach dem Votum anpassen kann. Konkret gebe es drei Möglichkeiten, kündigte McCall vor einiger Zeit an. Unter Anderem könnte Easyjet zum Beispiel eine neue Tochter in einem EU-Land gründen. Auch ein Ausbau der Schweizer Tochter ist möglich.

IAG passt Gewinnprognose an

Willie Walsh, Chef der British-Airways-Mutter IAG, hatte sich im Vorfeld des Votums nur zurückhaltend geäußert. Man habe verschiedene Szenarien wirtschaftlich überprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass ein Brexit keine langfristig negativen Auswirkungen auf die Airlinegruppe haben werde, erklärte er kürzlich bei der jährlichen Generalversammlung in Madrid. Kurzfristig spürt IAG die Auswirkungen dann aber doch. Der Konzern gab am Freitag (24. Juni) bekannt, dass der operative Gewinn in diesem Jahr wohl weniger stark steigen werde als erwartet.

Neben den wirtschaftlichen Konsequenzen fürchten einige Beobachter auch, dass sich der EU-Austritt Großbritanniens auf die Sicherheit auswirken könnte. In Washington etwa sind sowohl Republikaner als auch Demokraten besorgt, dass Großbritannien durch einen EU-Austritt den Zugang zum Geheimdienstnetzwerk Europas verliert.

Gemeinsames Informationsnetz

Und der ist auch für die Luftfahrt wichtig. So hat die Luftfahrtorganisation EASA etwa erst gerade beschlossen, ein gemeinsames Informationssystem zu schaffen, das Airlines mit wichtigen Daten zu möglicherweise gefährlichen Überflügen versorgt.

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