Die nationale Fluggesellschaft Lettlands betreibt eine reine A220-Flotte, und diese wächst weiter. «Air Baltic nimmt ihren 54. Airbus A220-300 in Empfang», teilte die Fluglinie am 16. Februar mit, so wie sie es bei jedem neuen Flottenzugang tut. Jetzt muss Air Baltic allerdings auch einen Verlust melden. Das tut sie in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 2025.
Darin hält Air Baltic die vollständige Abschreibung des Flugzeuges mit dem Kennzeichen YL-AAO fest, das am 14. Juni 2025 am Ende einer großen Wartung stark beschädigt wurde. Zum Abschluss der Arbeiten war für die Freigabe ein Bodenlauf des Hilfstriebwerks (Auxiliary Power Unit, kurz APU) nötig. Bei diesem APU-Testlauf am Boden erlitt das Flugzeug «durch den Ozonfilter extreme Hitzeschäden im Rumpf- und Flügelwurzelbereich», so die Airline.
Air Baltic: «Wirtschaftliche Reparatur des Airbus A220 nicht mehr möglich»
Die YL-AAO trägt die Seriennummer 55050, wurde im März 2019 ausgeliefert und ist gemietet vom Leasinggeber AVAP aus Singapur. «Nach einem Begutachtungsprozess kam Airbus Engineering im Dezember 2025 zu dem Schluss, dass eine wirtschaftliche Reparatur des Flugzeugs nicht mehr möglich war», schreibt die lettische Fluggesellschaft.
Der Leasingvertrag bleibt bis zur vollständigen Abwicklung bestehen, so Air Baltic. Die Versicherungsleistung für den Schaden werde «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fällig und einziehbar», schreibt die Fluggesellschaft. «Das Flugzeug wird nach Abschluss des Schadenregulierungsprozesses an den Versicherer übergeben, und der Restwert wird derzeit ermittelt.» Die Abwicklung soll bis Juni 2026 erfolgen.
Erster bekannter Totalverlust eines Airbus A220
Ai Baltic nennt keine weiteren technischen Details dazu, warum es bei dem Testlauf des Hilfstriebwerks im Zusammenhang mit dem Ozonfilter zur Hitzebildung kam, die den A220 so schwer beschädigte. In einer Stellungnahme gegenüber aeroTELEGRAPH betont die Fluglinie, eine Untersuchung habe ergeben, «dass die Wartungsarbeiten in Übereinstimmung mit allen zum damaligen Zeitpunkt geltenden Verfahren durchgeführt wurden».
Es ist der erste bekannte Totalverlust eines Airbus A220. Zwar finden sich in Flugzeug-Datenbanken schon einige der ehemaligen Bombardier C-Series mit dem Vermerk «scrapped» («verschrottet»). Dabei handelte es sich aber um Testflieger, die nie für eine Fluglinie unterwegs waren.
Anderer Airbus A220 dient schon als Ersatzteilspender
Im vergangenen Jahr hat die Leasingfirma Azorra angekündigt, erstmals einen A220-300 zerlegen zu lassen, der einst Fluggäste transportierte. Das Flugzeug (Kennzeichen SU-GFC / N562AZ), das zuvor für Egypt Air geflogen war, dient nun als Ersatzteilspender für die A220-Flotte von Delta Air Lines. Der Jet war allerdings nicht irreparabel beschädigt, sondern flog im noch Juli 2025 von Kairo nach St Athan, wo er später im Jahr zerlegt wurde.
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