Letzte Aktualisierung: 23:39 Uhr

Letzte Worte von Flug AF447

«Scheiße, wir sind tot!»

Mehr als fünf Jahre sind seit dem Absturz von Air-France-Flug AF447 vergangen. Und immer noch kommen neue Details ans Licht. Nun belastet der Chef-Ermittler die Piloten noch stärker als bisher.

Agencia Brasil

Wrackteile der Unglücksmaschine: Die Piloten werden noch schwerer belastet.

Eigentlich dachte man, alles sei bereits gesagt und geschrieben. Doch das Magazin Vanity Fair hat nun neue Details über das Schicksal von Air-France-Flug AF447 veröffentlicht. In der Nacht auf den 1. Juni 2009 stürzte der Airbus A330 auf dem Weg von Rio nach Paris ins Meer. Alle 228 Insassen kamen ums Leben. Air France musste sich in der Folge massive Kritik an der Pilotenkultur anhören. Machogehabe, Nachlässigkeit, Schlamperei seien zu oft an der Tagesordnung hieß es, je mehr Details über den Absturz ans Licht kamen.

Auch wenn Air France die Schuld von sich wies – Das Pilotentraining hat die Airline inzwischen stark angepasst. Manuelles Fliegen in Notsituationen wird den Piloten nun schon während der Ausbildung besser beigebracht. Denn genau da scheiterte der 32-Jährige Pierre-Cedric-Bonin. Wie Vanity Fair schreibt, war er ganz allein im Cockpit, als die Geschwindigkeitsmesser des Fliegers verrückt spielten und es in der Folge zu einem Strömungsabriss kam.

15 Minuten entschieden über Leben und Tod

Statt sanfte Korrekturen vorzunehmen, riss er panisch am Steuerhebel, was schließlich im Absturz der Maschine resultierte. Offenbar waren zu diesem Zeitpunkt sowohl der 37-Jährige David Robert als auch Kapitän Marc Dubois, 58, in der Ruhe-Kabine hinter dem Cockpit. Wäre der Kapitän nur 15 Minuten später schlafen gegangen, so Chef-Ermittler Alain Bouillard zum Magazin, dann hätte er die Tragödie verhindert.

Der Grund, warum er sich gleichzeitig mit Robert ein Nickerchen gönnte, ist wenig ehrenhaft. «Ich habe nicht genug geschlafen. Eine Stunde, das reicht nicht», so Dubois zum «Baby» Bonin, wie er den unerfahrensten Piloten offenbar nannte. Dubois kam erst ins Cockpit, als es schon zu spät war und Bonin verzweifelt versuchte, den Flieger wieder zu stabilisieren – 1:38 Minuten vor dem Aufprall.

Schwer belastet

Bouillard belastet Dubois noch weiter. Nicht wegen seiner Müdigkeit sei er schlafen gegangen – es gehöre einfach zur Routine und davon habe er einfach nicht abweichen wollen. Die belastenden Aussagen decken sich mit den Berichten, dass die Ermittler vor zwei Jahren nicht alles Stimmen-Rekorder-Material veröffentlichen wollten, um die Air-France-Piloten nicht öffentlich anzuprangern.

Auch die allerletzten Worte veröffentlicht Vanity Fair. Und sie zeigen, wie schrecklich klar den Piloten war, was nun passiert. Kopilot Bonin sagt nur noch: «Scheiße, wir sind tot.» Dann prallt der Flieger aufs Meer.

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