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Sri Lanka

1200 Stufen und ein Backenzahn von Buddha

Südlich von Indien liegt im Indischen Ozean Sri Lanka. Eine Reise zu Tempeln, Tieren und Gewürzen.

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Ich habe meinen Vater töten lassen. Zuerst kerkerten meine Männer ihn nur ein, so dass ich seinen Thron besteigen konnte. Dann mauerten sie König Dhatusena auf meinen Befehl hin lebendig ein. Mein Bruder, der unserem Vater eigentlich als König folgen sollte, ist geflohen. Und dennoch fühlte ich mich in unserer Hauptstadt Anuradhapura nicht mehr sicher.

Daher habe ich den Königssitz verlegt an einen einzigartigen Ort – auf einen riesigen, etwa 200 Meter hohen Felsen. Darauf steht nun mein Palast, von dem aus ich in alle Richtungen nach möglichen Feinden in der Ebene Ausschau halten kann. Wenn ich die bewässerten Gärten am Fuße des Felsens besuche, tragen meine Diener mich danach wieder hier hinauf.

1200 Stufen bis nach oben

Natürlich habe ich meinen Vater nicht töten lassen. Ich versuche lediglich, mich in die Gedanken von König Kashyap hineinzuversetzen, der Ende des 6. Jahrhunderts stand, wo ich nun stehe. Er hat das getan hat, was Sie gerade in den ersten beiden Absätzen gelesen haben. Der Felsen heißt heute Sigiriya und ist ein Höhepunkt meiner Sri-Lanka-Reise.

Die 1200 Stufen, die man für den Aufstieg auf Sigiriya bewältigen muss, haben es in sich, vor allem unter der sri-lankischen Sonne. Aber die Ruinen auf dem Plateau oben, die Wandmalereien etwas weiter unten, der Ausblick und die mentale Reise in Sri Lankas Vergangenheit sind für mich eine mehr als faire Belohnung für Mühen und Schweiß.

Der Blick von Sigiriya. Bild: aeroTELEGRAPH

Von Paris nach Colombo

Meine Sri-Lanka-Reise begann mit einem Flug in einem Airbus A330 in der Economy Class von Sri Lankan Airlines. Er brachte mich von Paris-Charles-de-Gaulle zum Bandaranaike Airport nördlich der Hauptstadt Colombo. Von dort aus sind es etwas mehr als drei Stunden Autofahrt bis nach Sigiriya, das im Zentrum des Inselstaates im Indischen Ozean liegt.

Auf dem Weg befindet sich der Ort Dambulla, wo ich im beeindruckenden Hotel Jetwing übernachte. Es baut selber Obst und Gemüse an, bereitet vor Ort sein Abwasser zur Wiederverwendung auf und nutzt organische Abfälle in einer eigenen Biogasanlage.

Ein Backenzahn Buddhas

In Dambulla besuche ich den dortigen Höhlentempel. Seine gut erhaltenen Wandmalereien und Statuen zeigen das Leben Buddhas und die Geschichte des Buddhismus. Die Atmosphäre in den angenehm kühlen, manchmal auch etwas düsteren Höhlen ist eine ganz besondere, die ich so an noch keinem anderen religiösen Ort erlebt habe.

Ganz anders ist das Erlebnis im sogenannten Zahntempel, der in der Stadt Kandy liegt, rund zwei Stunden Autofahrt südlich von Dambulla. Im Gegensatz zu den dortigen Höhlen handelt es sich bei dem Tempel in Kandy um klassische Gebäude. In einem befindet sich in einem goldenen Schrein eine Reliquie: laut der Überlieferung Buddhas linker Backenzahn.

Gläubige und Touristen

Ich reihe mich unter Menschen ein, die sich zu einer der drei Öffnungen am Tag einfinden, um mit Abstand einen Blick in den Schrein zu werfen. Hier drängen sich neben Touristinnen und Touristen vor allem auch viele Gläubige, die Blüten ablegen und den Mönchen Geschenke wie neue Gewänder überreichen. Doch mir wird es schnell zu voll.

Warten für einen Blick in den Schrein im Zahntempel. Bild: aeroTELEGRAPH

So ziehe ich mich nach einem fernen Blick auf einen goldenen Schein zurück in eine untere Etage, wo Trommler ihre Zeremonie abschließen. In Sri Lanka sind fast 70 Prozent der Menschen Buddhistinnen und Buddhisten und in den berühmten Tempeln sehe ich authentische Religionsausübung, ohne mich als Tourist fehl am Platz zu fühlen.

Bis der erste Rüssel auftaucht

Was ich in Sri Lanka besonders gerne sehen möchte, sind die Wunder der Natur, die das Land zu bieten. Im Minneriya Nationalpark in der Nähe vom Felsen Sigiriya gibt es Elefanten zu sehen. Die Dickhäuter leben dort in freier Wildbahn und bewegen sich, wohin sie wollen. Beobachten können die Besucher die Tiere von Jeeps aus.

Wir fahren einige Zeit ohne Sichtung durch den Park, bevor der erste Rüssel auftaucht. Dann kann ich erwachsene und junge Elefanten ganz aus der Nähe beobachten. Solange nur unser Jeep und ein oder zwei weitere dort sind, fühlt sich das nicht falsch an.

In den Tiefland-Regenwald

Doch am Ende unserer Tour zähle ich rund 30 Fahrzeuge, von denen aus Menschen weniger als 15 Elefanten beobachten. Zwar reagieren die Tiere in keiner Weise sichtbar nervös oder ängstlich, dennoch scheint mir nun die Balance verloren gegangen zu sein beim menschlichen Eindringen in den Lebensraum der Tiere. Während meiner einwöchigen Reise durch Sri Lanka sehe ich am Straßenrand leider auch vereinzelt angekettete Elefanten.

Ganz anders ist es im Sinharaja-Nationalpark im Südwesten. Einige Stunden wandere ich mit einem Guide durch den tropischen Tiefland-Regenwald. Zuerst bin ich etwas enttäuscht, weil wir über einen breiten, befestigen Weg laufen. Doch auch dabei sehe ich zwischen den Pflanzen am Rand schon große Spinnen und eine dünne grüne Schlange.

Begegnung im Sinharaja Nationalpark. Bild: aeroTELEGRAPH

Zimt, Vanille und Aloe

Schnell wird der Weg schmaler und verwandelt sich irgendwann in einen kleinen Dschungelpfad. Ich sehe Eidechsen und hoch über mir in den Bäumen kurz auch einen Affen, der aber schnell davonspringt. Einen ähnlichen Regenwaldbesuch hatte ich schon einmal in Peru erlebt, aber dort wusste ich mit einem Kleinflugzeug und einem Boot anreisen. Sir Lankas Sinharaja Nationalpark ist unkompliziert mit dem Auto zu erreichen, so dass sich auch ein Besuch lohnt, der nicht mehrere Tage dauert.

Zum Schluss möchte ich noch erfahren, wie die Menschen in Sri Lanka sich die Natur in Form von Pflanzen zunutze machen. Statt der berühmten Teeplantagen entscheide ich mich für einen Besuch eines sogenannten Spice Gardens, also eines Gewürzgartens. Hier sehe ich, wie Zimt, Vanille, Pfeffer, Nelken, Kokosblüten, Ingwer und Aloe angebaut und zu Gewürzen, anderen Nahrungsmittel und Kosmetik verarbeitet werden.

Rückkehr per Geruch

So wird später zumindest eine gedankliche Rückkehr auf die Insel möglich: einige Pfefferkörner in den Mörser legen, zerstoßen und den Geruch von Sri Lanka einatmen.

In der Bildergalerie oben sehen Sie weitere Bilder aus Sri Lanka, unten eine Karte.

 

Die Reise fand auf Einladung des Tourismusbüros Sri Lanka und lokaler Hotels statt. Dank geht an das Jetwing Lake in Dambulla, das Theva Residency in Kandy, das Avani in Kalutara, das Galle Face in Colombo sowie Aitken Spence Travel. Bei der Beurteilung der Erfahrung und beim Schreiben dieses Artikels hatte aeroTELEGRAPH trotzdem freie Hand. Niemand nahm Einfluss auf den redaktionellen Prozess. Das würde dem Verhaltenskodex von aeroTELEGRAPH widersprechen. Die Reise fand im März 2022 statt, kurz bevor die wirtschaftliche und politische Krise in Sri Lanka sich zuspitzte. Zu dieser Zeit gab es zwar immer wieder Stromausfälle und lange Schlangen vor den Tankstellen, aber noch keine größeren Proteste. Auch jetzt hat sich die Lage wieder etwas entspannt. So stimmte das Parlament kürzlich mit großer Mehrheit für eine Verfassungsänderung zur Beschränkung der Macht des Präsidenten. Über die aktuelle Lage und Reisehinweise informiert das Auswärtige Amt.