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«Zeit bis Ende Februar»

Im Dezember meldete XL Airways Insolvenz an. Verwalter Jan Markus Plathner über die Suche nach Investoren und die Zukunft des Personals der deutschen Fluglinie.

Carl B./Flickr

XL-Airways-Flieger: Der Betrieb steht still.

strong>Wie groß sind denn die Chancen, dass XL Airways überlebt?
Jan Markus Plathner: Ganz ehrlich – die Ausgangssituation ist nicht ganz einfach. Wir haben als Grundvoraussetzungen eine Reihe an Investoren, mit denen wir uns in Gesprächen befinden, und motivierte Mitarbeiter. Ich bin immer optimistisch.

Sie reden von einer Reihe von Investoren. Aus welcher Branche kommen diese?
Plathner: Sowohl aus der Luftfahrt- als auch aus der Finanzbranche, auch Strategen sind dabei.

Mit dem letzten Investor aus der Finanzbranche endete es nicht besonders gut. Würden Sie sich lieber auf Profis aus einem anderen Bereich verlassen?
Plathner: Es ist auch die Frage, ob man eine Wahl hat. Im Moment haben wir nicht besonders viel Spielraum. Wenn ein Finanzinvestor kommt und ein Angebot macht, das einigermassen stimmt, dann müssen Sie das machen. Wir brauchen einfach ein gutes Übernahmekonzept. Es braucht eine gute Lösung für die Gläubiger und möglichst viele erhaltene Arbeitsplätze.

Woher stammen die Interessenten? Aus Westeuropa oder auch aus dem Nahen Osten und Asien?
Plathner: Momentan ist es auf Europa begrenzt. Wir starteten aber einen Prozess mit Ernst & Young, der weltweit ausgerichtet ist. Aber wie es aussieht, wird sich das ganze auf Europa begrenzen.

Was macht XL Airways denn attraktiv für Investoren? Charterairlines haben momentan eher einen schweren Stand.
Plathner: Ich begleitete schon einige Insolvenzen . Das erste ist immer, herauszufinden, was genau ich verkaufen kann. Und die Antwort auf diese Frage ist durchaus manchmal: Gar nichts. Das ist in dem Fall ganz anders. Zum einen sind die Mitarbeiter unglaublich motiviert und auch sehr erfahren. Die Kapitäne, das Bodenpersonal, die Kabinenangestellten, alle haben viel Erfahrung. Außerdem besitzen wir ein AOC. Und XL Airways kann am Frankfurter Flughafen Flugzeuge warten und ist dafür zertifiziert. Nicht jede Fluglinie hat die Ressourcen dazu. Unsere Hauptprobleme sind der eingestellte Geschäftsbetrieb und die kurze Zeit, die uns bleibt.

Wie ist denn der Zeithorizont für die Verhandlungen?
Plathner: Die Zeit ist sicher das größte Problem. Bis Ende Februar muss das ganze in Sack und Tüten sein.

Und wenn das nicht gelingt?
Plathner: Dann bleibt noch die Suche nach einem anderen Konzept, einer anderen Lösung. Letztendlich findet sich vielleicht ein Investor, der dem ganzen mehr Zeit gibt. Doch im Grunde wäre es in so einem Fall wohl gescheitert.

XL plant, im Fall eines positiven Ausgangs schon im Sommer wieder abzuheben. Ist das realistisch?
Plathner: Wenn sich jemand findet, der das nötige Geld einschießt, dann ja.

Wie sieht es mit den Kunden aus? Drücken sie die Preise nun nicht noch mehr, da sie wissen, dass XL angeschlagen sind?
Plathner: Nein, die Kunden wollen auch grundsätzlich gerne bleiben. Aber Druck machen sie, nur eher zeitlich. Sie wollen eine Entscheidung und wissen, wie und wann es weitergeht.

Wie gehen die Mitarbeiter mit der Unsicherheit um?
Plathner: Wie gesagt, sie sind unheimlich motiviert. Aber sie sind auch sauer. Darüber, wie es zuletzt lief. Immerhin sind einige von ihnen schon sehr lange im Betrieb und dies ist nicht die erste Insolvenz des Unternehmens. Zum Teil erleben die Mitarbeitenden hier schon die dritte Insolvenz mit. An der Betriebsversammlung wurden schon auch viele kritische Fragen gestellt. Das ist auch nicht schlecht, sondern konstruktiv. Das Personal ist offen für alle Lösungen. Aber es wird sicher auch nicht ewig warten.



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