Geschäftsflieger beim Start in Bremen: Manager auf dem Weg zum nächsten Milliarden-Deal?

Vorhersagetool BusinessfliegerWenn Planespotter Hedgefonds in die Hände spielen

In Zeiten von Flugtrackern haben Businessjets Mühe, diskret von A nach B zu kommen. Denn das Erscheinen der noblen Flieger könnte so manch geheimes Geschäft verraten.

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So richtig nah kommt man ihnen als Ottonormalverbraucher nur, wenn man im Passagierflieger auf dem Vorfeld an ihnen vorbeirollt. Auf den meisten Flughafen stehen Businessjets oft in einiger Entfernung von den Linienfliegern. Dass die Insassen der noblen Flieger fernab der üblichen Terminals von und an Bord gehen, hat dabei meist einen gewollten Nebeneffekt: Man bleibt anonym.

Denn wenn die Flieger von Geschäftsführern, Vorstandsvorsitzenden oder Top-Manager irgendwo landen, können kurze Zeit später Unternehmensfusionen oder milliardenschwere Aufträge folgen. Wer sein Geld mit dem Spekulieren solcher Deals verdient, für den kann es Gold wert sein, zu wissen, wenn irgendwo auf der Welt ein bestimmter Privatjet eines Unternehmens zur Landung ansetzt.

Gulfstream als Vorbote von Milliarden-Geschäft

Vergangenen April ließ ein Geschäftsflieger bereits in die Karten von Warren Buffett blicken, wie das Wirtschaftsmagazin Bloomberg Businessweek berichtet. Eine Holdinggesellschaft des drittreichsten Menschen der Welt investierte zehn Milliarden US-Dollar in das Erdöl-Unternehmen Occidental Petroleum, damit diese für 38 Milliarden US-Dollar einen Konkurrenten aufkaufen konnte. Analysten sagten Buffets Schritt bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Bekanntwerden voraus. Eine Gulfstream V von Occidental Petroleum war kurz zuvor am Flughafen von Omaha gelandet. Und dort sitzt Buffetts Investmentgesellschaft.

Auf das Auftauchen eines Businessfliegers allein können sich die Spekulanten natürlich nicht verlassen. Aber: «Als Alarm dafür, dass etwas vor sich gehen könnte, dafür könnte diese Arbeit nützlich sein», sagt dazu Mathew Smith gegenüber dem Magazin. Er forscht in Oxford an der Fakultät für Computerwissenschaften und veröffentlichte zusammen mit anderen Forschern aus Oxford sowie aus der Schweiz in diesem Jahr eine Arbeit zu diesem Thema.

Der Himmel als Vorhersagefläche

Dabei verfolgten sie etwa drei Dutzend Privatjets verschiedener Konzerne. Den aufgezeichneten Flügen konnten die Wissenschaftler nach eigenen Aussagen insgesamt sieben Unternehmensfusionen und -Übernahmen zuordnen. An die Daten zu kommen, ist mittlerweile kein Problem mehr. Zahlreiche Dienste wie Flightradar 24 oder Flightaware machen es Luftfahrtfans heute einfach, den Großteil des weltweiten Luftverkehrs in Echtzeit vom Computer oder Smartphone aus zu verfolgen.

Zwar können Betreiber von Geschäftsfliegern die Ansicht ihrer Fliegern auf diesen Webseiten blockieren lassen. Doch wer unbedingt will, kann sich mit relativ wenig Aufwand einen eigenen Flighttracker bauen. Gängige Online-Händler bieten bereits für etwas mehr als 60 Euro die sogenannten ADS-B-Empänger an, welche die eigentlich für die Flugsicherung bestimmten Transponderdaten von Flugzeugen empfangen.

Anonymität ist kaum möglich

Zwar müssen nicht alle Luftfahrzeuge mit so einem Transponder ausgestattet sein. So sind viele Sportflugzeuge, Militärjets, Hubschrauber und sogar einige Turboprop-Passagierflieger online noch immer nicht sichtbar. Doch in Zukunft sollen es weniger dieser «unsichtbaren Flieger» geben. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA schreibt für kommendes Jahr bereits vor, dass in von Fluglotsen kontrollierten Lufträumen nur noch Flieger mit ADS-B-Transponder fliegen dürfen.

Nicht nur der Diskretion ihrer Kunden wegen ist das den Betreibern von Businessjet-Firmen ein Dorn im Auge. Auch Sicherheitsbedenken werden vermehrt laut. Die amerikanische Geschäftsfliegerei-Vereinigung NBAA fordert mittlerweile bessere Blockierungs-Möglichkeiten und arbeitet mit der FAA bereits an besseren Möglichkeiten, die Geschäftsflieger trotz Transponderpflicht geheim halten zu können.

Nicht mal Trump vor Spottern sicher

Doch selbst wenn die Flieger auf den Internetseiten versteckt bleiben - komplette Anonymität ist kaum möglich. So genannte Inflight-Spotter dokumentieren keine Flugzeuge in der Nähe vom Flughafen, sondern haben sich auf das Fotografieren von Fliegern in Reiseflughöhe spezialisiert. Eine geheime Irak-Reise des US-Präsidenten Donald Trump wurde im vergangenen Jahr entlarvt, weil ein britischer Spotter zufällig die Air Force One über Großbritannien ausfindig machen konnte.

In diesem Fall hatte die auffällige Lackierung des weltweit bekanntesten Flugzeuges die Identifikation vereinfacht. Ansonsten müssen Flieger in solchen Höhen aber direkt über die Fotografen hinweg fliegen, damit ein sehr wichtiges Detail sichtbar wird. Denn meist ist die Registrierung eines Geschäftsflugzeuges der einzige Hinweis darauf, wer darin sitzen könnte.

Briefkasten-Registrierung hilft

Und das kann selbst in Bodenhöhe schon schwer werden, denn: einige Unternehmen lassen ihre Businessjets auch bei Scheinfirmen und mit ausländischem Kennzeichen registrieren. Eine eindeutige Zuordnung kann somit kompliziert werden - jedoch auch nicht unmöglich. Wie Bloomberg Businessweek weiterberichtet, sind Analyse-Unternehmen eifrig damit beschäftigt, unbekannte Geschäftsflieger und Unternehmen nach und nach zu enttarnen.

Mitarbeiter sollen dafür Dokumente von Flughäfen und Luftfahrtbehörden in Detektivmanier durchforsten. Zudem beobachten sie, welche Geschäftsflugzeuge sich öfter auf Flugplätzen in der Nähe von anvisierten Unternehmen tummeln. Mithilfe von großen Datenströmen aus anderen Bereichen versprechen sich die Analytiker, daraus Eins und Eins zusammen zählen zu können.

Detektiv-Arbeit für lau

Dabei behilflich könnten auch wieder Planespotter sein. Denn viele Enthusiasten verstehen ihr Hobby nicht nur als das Fotografieren von Flugzeugen, sondern auch als das Dokumentieren des Verkehrs auf einem Flughafen - sogenannte «Reg-Spotter» gehen teilweise sogar nur mit Stift und Notizbuch an Flughäfen. Kennzeichen, Typ und Zeiten werden anschließend nicht selten in Internetforen unter Gleichgesinnten ausgetauscht. Um an diese Infos zu kommen, ist oft nur eine kostenlose Anmeldung erforderlich.

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