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Condor-Mutter

Wie Thomas Cook in die Krise schlitterte

Die Mutter von Condor und Co. stand schon einmal kurz vor der Pleite. Die damalige Rettung war einer der Gründe, warum Thomas Cook nun am Ende steht.

Thomas Cook

Filiale von Thomas Cook in Palma: Eine lange Krisengeschichte.

Für Thomas Cook war es ein trauriges Déjà-vu. Der älteste Reisekonzern der Welt – und mit ihm auch die Airline-Töchter, zu denen die deutsche Condor gehört – stand nicht zum ersten Mal kurz vor dem Kollaps. Schon 2011 kämpfte er ums Überleben. Damals gab es ein Happy End, die Geldgeber waren bereit, zu helfen. Doch die Restrukturierung hatte Folgen: Die Schulden betrugen zuletzt 1,6 Milliarden Pfund.

Mehr als ein Viertel des Geldes, das Thomas Cook seither mit dem Verkauf von Ferien verdient, ging seither jeweils dafür drauf, diese Schulden abzubezahlen. Dieser Zustand bedeutete auch, dass der Konzern wenig investieren konnte und äußeren Schocks stärker ausgesetzt ist als Unternehmen ohne einen solchen Schuldenberg. Und solche Schocks gab es.

Brexit und heißer Sommer

Im vergangenen Sommer etwa sorgte die Hitzewelle in Europa für deutlich weniger Buchungen. Viele Kunden bevorzugten es, vor allem auch in Großbritannien, sich daheim zu sonnen, statt dafür weit wegzufliegen. Auch der Druck durch den drohenden Brexit schaffte Thomas Cook Probleme und sorgte für Zurückhaltung bei den Buchungen. Das erhöhte wiederum den Druck auf die Preise, weil bereits eingekaufte Hotelkapazitäten nun billiger abgegeben werden mussten.

Laut der Zeitung The Guardian sehen einige Branchenkenner die Gründe für die desolate Situation allerdings noch weiter zurückliegend als 2011. In den späten Nullerjahren begann der Konzern mit einer Reihe an Zukäufen. Der Plan war, sich für das digitale Zeitalter zu rüsten. Doch nicht alle Akquisitionen lohnten sich. Dass solche Fehlkäufe zu ernsthaften Problemen führen können, zeigen auch Beispiele aus der Luftfahrt. So scheiterte etwa die Swissair an der sogenannten Hunter-Strategie. Auch Etihad Airways musste nach einigen unprofitablen Zukäufen restrukturiert werden.

Fehlkäufe können fatal sein

Tragisch an der jetzigen Situation ist, dass der Mutterkonzern von Condor Mitte August eigentlich schon fast als gerettet galt. Es war ein Rettungspaket von 900 Millionen Pfund ausgehandelt worden, das zur Hälfte vom chinesischen Konzern Forum bezahlt werden sollte, die andere Hälfte sollten Banken stemmen. Der Deal hätte vorgesehen, dass Fosun das Reiseveranstaltergeschäft von Thomas Cook übernimmt, die Airline-Töchter wären an die Banken gegangen.

Doch dann änderte sich etwas. Die Royal Bank of Scotland und die Lloyds Bank verlangten plötzlich 200 Millionen Pfund mehr an Sicherheiten. Diese schnell aufzutreiben schaffte Thomas Cook nicht mehr.



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