Piloten vor dem Start: Ruhepausen sind essentiell.

Risiko Müdigkeit im Cockpit

Ein Air-Canada-Pilot sorgte wegen Übermüdung für einen Sturzflug. Schläfrigkeit im Cockpit ist häufiger als gedacht.

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«Da stehen einem die Haare zu Berge!» Der Generalsekretär der britischen Pilotengewerkschaft BALPA, Jim McAuslan, war entsetzt über die Ergebnisse einer Studie der Universität von London UCL. Das erschreckende Ergebnis: Fast die Hälfte aller britischen Piloten leidet an starker Müdigkeit (significant fatigue). Die Untersuchungsergebnisse eines Zwischenfalls von Air Canada auf dem Weg von Toronto nach Zürich zeigen, wie relevant Schlaf für die Leistungsfähigkeit von Piloten ist. Der schläfrige Kopilot hatte den Planeten Venus mit einem anderen Jet verwechselt und irrtümlicherweise den Sturzflug eingeleitet. Mehrere Passagiere wurden verletzt.

Für die britische Studie wurde eine Stichprobe von 492 Piloten befragt, davon zwei Drittel im Kapitänsrang. 45 Prozent gaben an, öfter sehr müde zu sein. Die Britische Luftfahrtbehörde erlaubt Piloten, im eigenen Ermessen zu entscheiden, wann sie noch flugfähig sind und wann nicht mehr. Doch ein starker Müdigkeitszustand soll eigentlich die Ausnahme bleiben. Aber ein Fünftel der Piloten gab sogar an, dass ihre Leistungsfähigkeit in Ausübung ihrer Tätigkeit im Flug häufiger als einmal pro Woche eingeschränkt war.

«Rücksichtslose Strategie der Airlines»

«Piloten zu immer mehr Dienst im Flugzeug zu drängen, ist eine rücksichtslose Strategie der Airlines». Die Studie bestätigte früher gemachte Untersuchungen, wonach die unregelmässige Arbeitszeit von Piloten mit unregelmässiger Ruhe- und Freizeit das Konzentrationsvermögen wesentlich einschränkt. Die amerikanische National Sleep Foundation fand letztes Jahr heraus, dass rund ein Viertel der befragten Piloten angab, dass Schlafmangel bei ihnen schon einmal einen schweren Fehler, einen Beinahe-Zusammenstoß oder gar einen Unfall zur Folge hatte. Pilotenmüdigkeit ist ein bedeutsamer Risikofaktor und eine nicht selten konstatierte Ursachen für Flugunfälle in der Zivilluftfahrt. 40 Prozent der befragten Piloten gaben an, häufiger als zweimal pro Monat die gesetzlich definierte, maximale Dienstzeit überschritten zu haben.

Der letzte große Unfall ereignete sich am 12. Februar 2009, als 49 Passagiere bei einer Bruchlandung in Buffalo, USA, um Leben kamen, wie der Flugbericht zeigte (Flug 3407 der Colgan Air). Piloten kennen auch ein Phänomen, das für Autofahrer als tödliche Gefahr jederzeit im übermüdeten Zustand auftritt: Den Sekundenschlaf. Als solcher ist definiert, wenn die Person während Sekunden oder einigen Minuten auf äußere Reize nicht anspricht. Sie kann sich dabei selbst mit offenen Augen weiter bewegen. Untersuchungen zeigten, dass Piloten in einem Sekundenschlafvorfall weder die synthetische Stimme der Geräte noch Alarmlichter wahrnehmen. Die Autoren der Studie empfahlen der Flugaufsicht und den Airlines daher, Flugpläne besser an menschliche Bedürfnisse anzupassen und ein effizentes Meldungssystem für übermüdete Piloten aufzuziehen.

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