Everts Air DC-6-Frachter und Nordlichter gehören irgendwie zusammen.

Von Alaska nach NorwegenDer lange Weg einer Douglas DC-6 nach Hause

Eine Gruppe ehemaliger Braathens-Angestellter organisierte den letzten Flug einer Douglas DC-6. Das anspruchsvolle Vorhaben gelang am Ende mithilfe eines Schlittenhunderennen-Gewinners.

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Vor etwas mehr als zehn Jahren begann das Projekt.  Eine Gruppe ehemaliger Braathens-Angestellter hatte sich vorgenommen, eine noch flugfähige, ehemalige Douglas DC-6 ihrer Gesellschaft wieder in die Heimat, nach Norwegen, zu bringen. Fündig geworden ist die Gruppe in Alaska, wo Evert Air Cargo die ehemalige Braathens DC-6B mit dem Kennzeichen N151 als Frachter betrieb.

So nahm man kurzerhand Kontakt mit der Frachtfluggesellschaft auf. Doch die wollte das Flugzeug nicht abgeben, da sie es für ihren Flugbetrieb benötigte. Vielmehr wollte sie die DC-6 bis zum Ende ihres Flugtüchtigkeitszeugnisses betreiben. Aber danach könne man durchaus miteinander reden. Und das endete nun erfolgreich.

Von Cathay zu Braathens

Das Flugzeug mit der Konstruktionsnummer 45496 war am 9. Juni 1956 an Cathay Pacific Airways ausgeliefert worden und kam am 8. November 1962 zu Braathens S.A.F.E. Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm Everts Air Fuel das Flugzeug. Die Gesellschaft ist Teil der Everts Air – Gruppe, zu der neben Everts Air Fuel, Everts Air Cargo auch Everts Air Alaska gehören. Nach einem Gastspiel bei Air Cargo Express kam die DC-6 im April 2004 zu Everts Air Alaska.

Im Frühjahr 2019 näherte sich das Ende des Flugtüchtigkeitszeugnisses und die Gruppe der ehemaligen Braathens-Angestellten begann mit dem Projekt, die DC-6 nach Norwegen zu holen. Das Flugzeug sollte zum Flyhistorik Museum am Flughafen von Stavanger-Sola gebracht werden. Stavanger wurde nicht nur wegen des Museums gewählt, sondern auch, weil sich dort einst das technische Zentrum von Braathens befand.

Finanzielle Unterstützung vom Museum

Das Museum, das auf freiwilliger Basis betrieben wird, gehört zum «Jærmuseet». Und dieses war bereit, die «Heimholung der DC-6» finanziell zu unterstützen. Im August letzten Jahres wurde der Kaufvertrag von Everts Air und Ole Johan Berg als Sprecher der Braathens-Gruppe unterzeichnet; die Überführung des Flugzeugs sollte im September oder Oktober 2019 stattfinden.

Allerdings sollten sich weitere Probleme einstellen. Wegen den ausgebrochenen Waldbränden in Alaska und dem Verlust einer anderen DC-6, bat Everts, die Überführung des Flugzeugs auf das Jahr 2020 zu verschieben. Am 26. März dieses Jahres sollte es dann wirklich losgehen. Doch dann kam der Corona-Virus und die DC-6 musste weiterhin in Fairbanks, der Heimatbasis von Everts Air, bleiben. Hinzu kam, dass die norwegische Krone gegenüber dem US-Dollar massiv an Wert verloren hatte. Und der Kaufvertrag war in Dollar geschlossen worden.

Airline-Chef flog höchstpersönlich

Auch Thomas B. Wærner, der Gewinner des Schlittenhunderennens «Iditarod 2020», war mit seinen Huskies in Fairbanks gestrandet und suchte dringend nach einem Transport nach Norwegen. Nachdem Robert Everts, der Chef der Fluggesellschaft, vom Pech Wærners hörte, setzte er sich mit diesem in Verbindung, schloss mit ihm und mit Ole Johan Berg einen Vertrag, nach welchem Wærner und seine Schlittenhunde mit der DC-6 nach Norwegen fliegen konnten.

Dabei dürfte die Tatsache, dass Wærner einen Sponsor hatte, der bereit war, die durch den Verfall der norwegischen Krone entstandene «Dollar-Lücke» zu schließen, die ganze Angelegenheit beschleunigt haben. Und Everts ließ es sich nicht nehmen, die DC-6 als Kapitän nach Norwegen zu fliegen.

16 Stunden über den Teich

Am 1. Juni ging es in Fairbanks um 06.38 Lokalzeit los. Nach einem fünfstündigen Flug wurde bei Buffalo Airways in Yellowknife ein Tankstopp eingelegt. Danach wurde die Atlantiküberquerung in Angriff genommen. Der Flug führte über das östliche Kanada, Grönland und Island nach Bergen, wo sich die DC-6 mit einem Tiefanflug vorstellte. Ohne dort zu landen, ging es weiter nach Stavanger, wo das Flugzeug nach einem 16-stündigen Nonstopflug am Nachmittag des 2. Juni landete. Es war wohl der letzte Transatlantikflug, der mit einem viermotorigen Kolbenmotorflugzeug durchgeführt wurde.

Zwei Tage später wurde die DC-6 an das Museum übergeben, wo es nun besichtigt werden kann. Auch wenn sie wohl nicht mehr fliegen wird, so repräsentiert diese DC-6 jene Zeit, als noch mit Kolbenmotoren der Atlantik überquert wurde.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Aufnahmen der DC-6 von Braathens.

Dieser Text von Werner Fischbach stammt von unserem Partner Jetstream, dem internationalen Luftfahrtmagazin.

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