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Aufgehen in Lufthansa

Was wenn Air Berlin wirklich verschwindet?

So wie es aussieht, geht Air Berlin schrittweise in Lufthansa auf. Was haben Air Berlin, die Mitarbeitenden, die Passagiere, Lufthansa und Etihad davon, wenn es wirklich so kommt?

So wie es aussieht, geht alles schnell. Der im September vorgestellte Rettungsplan für Air Berlin scheint zu spät gekommen zu sein. Nicht zuletzt dürfte die große Unsicherheit nach der Ankündigung des radikalen Umbaus mit zahlreichen Flugausfällen und verwirrten Passagieren die finanzielle Lage nochmals massiv verschlimmert haben. Nun muss sich die derzeit noch zweitgrößte Deutschland gemäß Medienberichten in die Arme von Lufthansa retten – mit dem Okay der Regierung in Berlin.

Noch sind offiziell keine Details bekannt. Doch vieles deutet darauf hin, dass das kursierende Szenario eines schrittweisen Aufgehens von Air Berlin in der Lufthansa-Gruppe richtig ist. Wer hätte was davon, wenn es wirklich so kommt?

Air Berlin

Stefan Pichler hat gekämpft. Er hat zuletzt eine harte Restrukturierung bei Air Berlin angekündigt – eine, wie sie zuvor kein Chef der Fluglinie anzupacken gewagt hatte. Der Schritt war strategisch sinnvoll, kam aber wohl zu spät. Zudem gibt es auf der Strategie der Aufstellung als klassischer Netzwerkanbieter keine Erfolgsgarantie. Auf den Kurz- und Mittelstrecken machen Air Berlin Billigairlines wie Easyjet und Ryanair das Leben schwer. Denn die haben tiefere Kosten. Auf der Langstrecke greifen Lufthansa, Eurowings und Norwegian teilweise mit ihrer Macht und teilweise mit ihren Kostenvorteilen an. Mit der Anlehnung an die inländische Erzrivalin kann Air Berlin zumindest noch retten, was zu retten ist. Und das Management kann seine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden wahrnehmen und möglichst viele Arbeitsplätze retten.

Lufthansa

Die große Konkurrentin scheint als Gewinnerin dazustehen. Sie kann einerseits einen Konkurrenten ausschalten, falls sie Air Berlin schluckt. Zudem kann sie sich Landerechte sichern, die sonst an einen anderen Mitbewerber gehen würden. Zudem kann sie ihre Billigairline Eurowings vor allem auf der Langstrecke auf einen Schlag merklich stärken. Nebeneffekt: Die Air-Berlin-Piloten unterstehen nicht dem Konzern-Tarifvertrag. Lufthansa geht aber auch ein Risiko ein. Eine solche Integration ist eine Herkulesaufgabe. Und es ist nicht so, dass es dem Management in Frankfurt bislang an Aufgaben mangeln würde.

Etihad

Die Golfairline hat bisher mehr als eine halbe Milliarde in Air Berlin investiert. Sie musste zuletzt wohl einsehen, dass sie in Deutschland aber ohne weitere Investitionen auf keinen grünen Zweig kommt. Bei Air Berlin war die Situation schon zu verfahren, zu viele Rettungsversuche scheiterten, zu viele Männer gaben sich die Türklinke zum Chefbüro in die Hand. Etihad ist wohl gescheitert – im Gegensatz zu vielen anderen Fluggesellschaften an denen sich die Airline aus Abu Dhabi beteiligt hat, die inzwischen alle wieder Gewinne schreiben oder kurz davor stehen. Der Ausstieg via Verkauf an Lufthansa wäre eine Niederlage, aber Etihad könnte so zumindest einen Teil der Investitionen retten und das Gesicht wahren.

Die Angestellten

Auf Dauer ist es wohl nicht schön, in einem Unternehmen zu arbeiten, dem niemand eine rosige Zukunft voraussagt. Die ewigen Durchhalteparolen ermüden. Mit einer Anlehnung an Lufthansa gäbe es für die Mitarbeiter wieder eine Perspektive.

Der Passagier

Für Reisende ist eine Verschmelzung sicher teilweise ein Nachteil. Auf gewissen Strecken werden Lufthansa und Air Berlin künftig dominant sein und so das Preisniveau nach oben treiben. Doch sie sind nicht davor geschützt, dass neue Konkurrenz auftritt. In ganz Deutschland kommen sie zudem mit Eurowings auf rund 57 Prozent Marktanteil. Es gibt also noch genug Mitbewerber, die dafür sorgen, dass Lufthansa nicht zu monopolistisch agieren kann.

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