Glasfaser-Pfosten der Anflugbefeuerung: Zerbrechen bei einem starken Aufprall.

FrangibilityWarum Zerbrechlichkeit bei Flughäfen etwas Gutes ist

Eine feste Mauer spielte bei der Katastrophe von Jeju Air eine bedeutende Rolle. Eigentlich gibt es klare Empfehlungen, wie solche Bauwerke gebaut sein müssten - zerbrechlich. Das gilt auch für Masten, Antennen und anderes.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Nach Vogelschlag und einem Durchstartmanöver sandten die beiden Piloten einen Notruf ab und landeten aus der Gegenrichtung kommend. Doch die Boeing 737-800 setzte ohne Fahrwerk auf und schlitterte danach ohne linke Schubumkehr und Bremsklappen auf dem Bauch die Landebahn 19 des Muan International Airport entlang. Der Jet zerschellte schließlich an einer Mauer und fing Feuer. 179 Menschen starben beim Unglück von Jeju Air, dem schlimmsten, das sich je in Südkorea ereignet hat.

Viele Dinge liefen an jenem 29. Dezember schief, so viel steht fest. Wie genau sie sich zur Katastrophe addierten, das müssen die Ermittlungsbehörden noch eruieren. Ein Detail hat jedoch seit dem Unglück bereits viele beschäftigt - die an einem kleinen Hügel stehende Mauer hinter dem Pistenende am Flughafen Muan, auf der die Antennen des Instrumentenlandesystems ILS standen. Fachleute sind sich einig, dass sie eine der Ursachen für die hohe Zahl der Todesopfer ist.

Antennen oder Geräte können gefährlich werden

Denn jene Mauer sollte es an jener Stelle so eigentlich nicht geben. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation Icao empfiehlt für Bauwerke, die sich näher als 300 Meter von der Landebahnschwelle entfernt befinden, explizit ganz bestimmte Eigenschaften. In Muan beträgt der Abstand aber nur etwas mehr als 270 Meter. Eingehalten wurden die Ratschläge trotzdem nicht.

Die Mauer hinter dem Ende von Piste 19 des Flughafens Muan ist gut sichtbar. Bild: Google Maps

In den Empfehlungen geht es nicht nur um Mauern. An Flughäfen befinden in der Nähe von Start- und Landebahnen, Rollwegen und Vorfeldern verschiedene visuelle und nicht-visuelle Hilfsmittel. Dazu gehören etwa die Anflugbefeuerung, Gleitwegsysteme, Wetteraufzeichnungsgeräte, Windmesser oder Radarsysteme. Sie können bei einem unbeabsichtigten Zusammenstoß «während der Landung, des Starts oder des Manövrierens am Boden eine Gefahr für die Flugzeuge darstellen», warnt die Icao.

Das Zauberwort heißt Frangibility

In der Gefahrenzone rät die Icao zu einer ganz bestimmten Bauweise. Alle «Einrichtungen und ihre Halterungen müssen zerbrechlich und so niedrig wie möglich angebracht sein, um sicherzustellen, dass ein Aufprall nicht zum Verlust der Kontrolle über das Luftfahrzeug führt», schreibt sie in ihrem Handbuch zur Flugplatzgestaltung. Im Branchenjargon spricht man dabei von Frangibility.

Diese Zerbrechlichkeit wird erreicht, indem man leichtere Materialien verwendet. Zudem werden Versagensmechanismen eingebaut - eine Art Sollbruchstellen. Sie ermöglichen es dem Objekt, bei einem Aufprall zu brechen, sich zu verformen oder nachzugeben. Dazu werden etwa Netzstrukturen oder Glasfaserstoffe verwendet. Das ermögliche «im Gegensatz zu schweren Masten eine vollständig zerbrechliche Struktur mit geringer Masse. Das bedeutet, dass beim Aufprall des Flugzeugs auf einen Mast dieser zwar bricht, aber keine großen, schweren Teile um das Flugzeug herumfliegen, die schwere Schäden verursachen könnten», erklärte Pertti Kainu, Chef des Herstellers Exel Composites einmal dem Portal Airport Technology.

Mehr zum Thema

Boeing 737 von Jeju Air landet ohne Fahrwerk, kracht in Mauer und fängt Feuer

Boeing 737 von Jeju Air landet ohne Fahrwerk, kracht in Mauer und fängt Feuer

Der Flughafen Muan hat ein Vogelschlag-Problem

Der Flughafen Muan hat ein Vogelschlag-Problem

Warum haben zwei Crewmitglieder den Crash von Jeju Air überlebt?

Warum haben zwei Crewmitglieder den Crash von Jeju Air überlebt?

ticker-air-premia

Air Premia und Jeju Air schließen Interline-Partnerschaft

Video

Airbus A350 F Erstflug in Toulouse: Der Frachter war vier Stunden in der Luft.
Vier Stunden, 220 Gigabyte Daten und ein Start ohne elektronische Schutzfunktionen: Der Airbus A350 F ist zum ersten Mal geflogen. Was die Crew testete und was den Frachter besonders macht.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
airbus a350 f erstflug 01
Am Dienstag ist der Airbus-A350-Frachter zum ersten Mal abgehoben. Ende 2027 will der Flugzeugbauer den ersten A350 F aus der Serienproduktion ausliefern. Zwei Kunden kommen für die Premiere infrage.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Timo Nowack
Timo Nowack
Ex-Swissair-Sprecher Urs Peter Naef: «»
Als die Nachricht vom Absturz vor Halifax eintraf, war das Krisenhandbuch der Swissair-Kommunikationsabteilung noch nicht fertig. Medienverantwortlicher Urs Peter Naef musste improvisieren - und zugleich die Angehörigen vor aufdringlichen Medien schützen. Seine wichtigste Lehre aus der Katastrophe: «Steh zu dem, was passiert ist, und zeig Flagge.»
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier