Aeroflot, 1975.

Gegen ÜbelkeitWarum die Kotztüte jeden Sparkurs überlebt

Fluglinien sparen heute an allem: dem Essen, dem Sitzabstand, den Getränken. Nur eins ist geblieben – die Kotztüte. Dabei wird sie kaum noch gebraucht.

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Luftfahrt

In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hob die Passagierbeförderung in der Luft ab. Zuvor war die Luftfahrt Soldaten und professionellen Fliegern vorbehalten gewesen. Neu aber stiegen Privatpersonen in die Flugzeuge. Das war eine Herausforderung, waren sie doch nicht trainiert. Die Bedingungen an Bord waren recht primitiv. Sitzgurte gab es selten, die Luft an Bord war schlecht. Häufig drangen Abgase in die Kabine, eine wirkliche Belüftung gab es nicht.

Die Flugzeuge flogen anfangs nur auf 5‘000 Fuß – statt wie heute auf etwa 35‘000 Fuß. Dadurch wurden die Passagiere kräftig durchgeschüttelt. Kein Wunder also, dass es vielen auf den Magen schlug. Fluggesellschaften empfahlen deshalb, vor dem Flug nichts zu essen und auf Alkohol zu verzichten. Erst durch die Einführung der Druckkabine in den Vierzigerjahren änderte sich das. Ganz aber konnte man Übelkeit nicht verhindern, wie Vox schreibt.

Mit Kotztüten Geld machen

Das brachte Gilmore Schjeldahl 1949 auf eine Idee. Er entwarf für die amerikanische Airline Northwest Orient die erste Kotztüte. Das war kein Allheilmittel gegen die Übelkeit in der Luft, aber sie gab Reisenden das Gefühl, in der Not nicht unvorbereitet zu sein. Bis heute ist sie in jeder Sitztasche zu finden – trotz diverser Sparprogramme der Airlines.

Warum das so ist? Vermutlich weil sie kaum genutzt werden, aber den Passagieren noch immer das gute Gefühl geben, im Notfall nicht auf den Schoß des Sitznachbarn brechen zu müssen. Und einige Fluggesellschaften verdienen mit den Kotztüten sogar Geld. Sie lassen die Tüten mit Werbung bedrucken.

Weltrekordhalter sammelte 6290 Tüten

Manche Menschen sind echte Fans der Kotztüte. Der Niederländer Niek Vermeulen steht mit seiner Sammlung im Guinness Buch der Rekorde mit 6‘290 verschiedenen Tüten (Stand 2012). Und er ist wohl nicht der Einzige: Virgin Atlantic brachte 2004 eine Sonderedition heraus, die eigentlich sechs Monate an Bord bleiben sollte. Nach drei Monaten war Schluss – viele Passagiere hatten die bunten Tüten eingesteckt.

Auch Steve Silberberg ist Fan der Tüten. «Anhand der Kotztüten kann man sehr viel über eine Fluglinie sagen», sagt der Amerikaner, der das Air Sickness Bag Virtual Museum betreibt. «Für mich sind sie Kunst.»

Sehen Sie sich in der oben stehenden Bildergalerie einige Beispiele von Kotztüten aus der Geschichte an.

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