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Von der Außenwelt abgeschnitten

Die russische Regierung erteilt zwei alten Fliegern ein Flugverbot. Das könnte auch das Aus für den regionalen Luftverkehr des Landes sein.

Viele Gemeinden in Sibirien sind fast nur mit dem Flugzeug zu erreichen

Gleich zwei Flugzeugtypen will die russische Regierung ein Flugverbot erteilen. Der Grund: Die in die Jahre gekommenen Maschinen vom Typ Tu134 und An24 sind nicht mehr sicher genug (aeroTELEGRAPH berichtete). In den vergangenen Wochen gab es beiden Kurzstreckenfliegern schwere Unfälle mit Todesopfern. Am Mittwoch (13. Juli) gab die Regierung in Moskau jetzt bekannt, dass die Maschinen nur dann weiter fliegen dürfen, wenn sie mit teurem Sicherheits-Equipment neu ausgestattet werden. Das wäre allerdings in den meisten Fällen etwa so teuer wie das Flugzeug selbst.

„Es ist schlicht nicht logisch, die Maschinen zu überholen“, so Vladimir Tyurin vom russischen Pilotenverband: 200’000 Dollar würde die Generalüberholung einer Tu134 kosten – etwa so viel wie der Kaufpreis der Maschine. Bei einer An24 würde das neue Equipment etwa 300’000 Dollar kosten. Das Propellerflugzeug kostet am Markt derzeit etwa 500’000 Dollar.

Isoliert vom Rest der Welt

Insgesamt 200 Maschinen sind von der Anordnung betroffen – und damit auch ungefähr 300 kleine Flughäfen in abgelegenen russischen Regionen, die dadurch jegliche Anbindung an die Außenwelt verlieren, da die Gebiete weder durch Straßen noch durch Zugverkehr erschlossen sind. Luftfahrtexperten kritisieren daher die Entscheidung der Regierung. Hunderte Gemeinden in Sibirien und in Russlands Fernem Osten würden dadurch effektiv vom Rest der Welt isoliert.

„Ich fürchte, die Passagiere werden sehr unter dem Flugverbot leiden“, so Tyurin. Die regionale Luftfahrt in Russland werde dadurch praktisch stillgelegt. Und das ohne Grund: Statt durch einen „Schnellschuss“ alle Flugzeuge am Boden zu lassen, solle man sich eher für eine bessere Infrastruktur einsetzen und durch entsprechende Regulierung dafür sorgen, dass Flugzeuge angemessen gewartet werden. Dann seien sie genauso sicher wie andere Kurzstreckenflieger auch.



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