Aufnahme nach dem Feuer im Virgin-Atlantic-Jet: Eine Powerbank war der Auslöser.

Gefahr durch E-Zigaretten und CoWenn der Sitzplatz Feuer fängt

Immer mehr Passagiere haben Geräte mit Lithium-Batterien im Handgepäck. Airlines warnen bereits per Kabinendurchsagen vor der Feuergefahr.

Top-Jobs

Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung
Etihad Job

First Officer A320

Abu Dhabi
Feste Anstellung
Etihad Airways
United Arab Emirates
Vollzeit
Top jobs
ticker-dfs-deutsche-flugsicherung

Fluglotse (w/m/d)

Deutsche Flugsicherung DFS
Studium
Langen b. Frankfurt
Top jobs
Deutschland
.

Event Manager (m/f, 100%)

Vollzeit
IRF Reputation AG
Basel
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Luftfahrt

Am Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika (4. Juli) startete Virgin-Atlantic-Flug VS 138 vom Flughafen New York JFK Richtung London Heathrow. Doch noch bevor der Airbus A330-300 seine Reiseflughöhe erreichte, brach ein Feuer an einem Sitze in der Kabine aus. Obwohl es der Crew gelang, die Flammen zu löschen, entschieden sich die Piloten für eine außerplanmäßige Landung in Boston, wo die Feuerwehr schon wartete. Die Polizei teilte danach mit, dass laut einer vorläufigen Untersuchung ein externer Akku zum Aufladen eines Smartphones den Sitz in Brand gesetzt hätte.

Einen ähnlichen Vorfall gab es am 16. Mai bei Düsseldorf. Während des Reisefluges eines Airbus A319 einer nicht genannten Fluggesellschaft kam es im hinteren Teil der Kabine zu einem Brand einer Powerbank, die sich in der Jacke eines Passagiers befand, wie die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in einem Bericht Ende Juli festhält. «Nach Angaben der Besatzung traten einzelne Stichflammen auf», heißt es in dem Bericht. Die Kabinenbesatzung löschte den Brand und die Piloten erklärten keine Luftnotlage.

Anzahl der Vorfälle über Jahre gestiegen

Die Zahl solcher Zwischenfälle ist mit der Verbreitung leistungsfähiger Lithium-Batterien in mobilen Geräten und als externe Reserveakkus in die Höhe gegangen, wie Zahlen der FAA zeigen. Die US-Luftfahrtbehörde dokumentiert Vorfälle, bei denen Lithium-Batterien oder von Lithium-Batterien betriebene Geräte Feuer fingen, Rauch ausstießen, extrem heiß wurden oder explodierten, und zwar an Bord von Passagier- oder Frachtfliegern oder an Flughäfen. Schwankte die Zahl solcher Zwischenfälle in den Jahren 2011 bis 2014 noch zwischen sieben und neun pro Jahr, waren es 2015 schon 16 und 2016 bereits 31.

Für das Jahr 2017 verzeichnete die FAA 46 Lithium-Batterien-Zwischenfälle, seitdem scheint der steile Anstieg aber gestoppt. 2018 standen mit 49 nur leicht mehr zu Buche als im Vorjahr. 2019 dokumentierte die Behörde bis zum 22. Mai noch 19 solcher Vorfälle. In den beiden Vorjahren waren es zu diesem Zeitpunkt des Jahres 18 gewesen (2017) beziehungsweise 23 (2018). Doch wie kommt es zu den Bränden, Explosionen und Co?

Mehr als 1000 Grad heiß

In Passagierfliegern sind Geräte mit Lithium-Batterien wie etwa elektronische Zigaretten oder Tablets nur im Handgepäck erlaubt. In der Kabine ist die größte Gefahr dann, dass kleinere Geräte wie Smartphones, E-Zigaretten oder Powerbanks zwischen die Sitze rutschen. Verstellt der Passagier dann den Sitz, kann der Akku beschädigt werden. Gerade bei elektrisch verstellbaren Sitzen in der Business Class hat der Reisende kaum eine Chance, den Widerstand durch die Batterie wahrzunehmen. Einmal eingeklemmt und beschädigt, können chemische Reaktionen in der Batterie dafür sorgen, dass sich diese schnell auf mehr als 1000 Grad erhitzen und ein Feuer auslösen.

Purser weisen auf Gefahr hin

Die meisten Fluglinien weisen ihre Passagiere heute auf solche Gefahren nicht mehr nur in den Handgepäckbestimmungen hin. «Darüber hinaus machen unsere Purser an Bord zu diesem Thema deutsche und englische Ansagen beziehungsweise es ist ein Teil des Sicherheitsvideos», erklärt ein Lufthansa-Sprecher. «Hier werden die Gäste darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich unbedingt bei der Kabinenbesatzung melden sollen, sofern ein elektronisches Gerät während des Aufenthalts an Bord beschädigt sein sollte, heiß wird oder zu rauchen beginnt.» Auch wenn ein Gerät in einen unzugänglichen Bereich des Sitzes falle, seien die Reisenden angehalten, dies zu melden.

Für die Crews gilt: «Es gibt ein spezielles Emergency Training der Kabinenbesatzung zu diesem Thema», so der Lufthansa-Sprecher auf die Frage nach der Vorbereitung. Dies finde für jeden Kabinenmitarbeiter einmal pro Jahr im Rahmen eines zwei Tage dauernden Notfalltrainings statt, zu dem auch Feuerlöschübungen gehörten.

Laptop aus dem Flieger geworfen

Zu den Hilfsmitteln im Umgang mit beschädigten Batterien gehören neben Feuerlöschern auch spezielle hitzebeständige Sicherheitstaschen, sogenannte Containment Bags, mit dazugehörigem Handschuh. Darein können Flugbegleiterinnen Akkus verfrachten, die noch nicht brennen oder die schon gelöscht sind.

Manchmal gehen Kabinencrews aber auch robuster vor, wenn Brandgefahr droht. So geschehen Anfang Mai auf Flug 5062 der amerikanischen Regionalfluggesellschaft PSA Airlines von Sarasota nach Charlotte. «Der Laptop eines Passagiers begann an Bord Anzeichen von gefährlicher Hitzeentwicklung auszusenden, bevor der Pushback begann», notiert die FAA. «Der Laptop wurde von einem Flugbegleiter aus dem Flugzeug geworfen, wo das Rampenpersonal einen Feuerlöscher nutzte, damit der Laptop nicht Feuer fing.»

Mehr zum Thema

Koffer von Bluesmart: Der Hersteller will eine Ausnahme für seine Produkte.

US-Airlines verbannen High-Tech-Koffer

Feuer an Bord: Die vom russischen Staat finanzierte Agentur Ruptly zeigt die Bilder.

Reserveakku löst Feuer in A320 aus

Economy und Business Class: In beiden gibt es manchmal viel Unrat.

Wenn Fluggäste ihren Sitz wie eine Müllhalde hinterlassen

Business-Class-Sitz Recaro R7: Mit echtem Stein von F List.

Österreichische Firma will Airlines von Stein und Holz in Premium-Kabinen überzeugen

Video

Flughafen Gander am 11. September 2001: 38 Großraumflugzeuge strandeten an dem kanadischen Airport.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sperrten die USA ihren Luftraum. Fast 240 Flugzeuge auf dem Weg ins Land konnten nicht mehr umkehren. Kanada nahm sie auf – und musste innerhalb weniger Stunden Zehntausende gestrandete Reisende unterbringen und versorgen.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
regent viceroy first flight
Der amerikanische Hersteller Regent will seine Seegleiter in Küstenregionen in aller Welt liefern. Jetzt hat das Bodeneffektfahrzeug Viceroy erstmals einen bemannten Flug absolviert. Und die Zulassung verläuft anders als bei einem Flugzeug.
Timo Nowack
Timo Nowack
eurowings training center dus
Eurowings und Lufthansa Aviation Training haben ein Ausbildungszentrum eröffnet: In Düsseldorf üben Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter künftig, wie sie eine verrauchte Kabine evakuieren, einen bewusstlosen Piloten retten und eine Axt benutzen. aeroTELEGRAPH erhielt einen ersten Einblick ins neue Crew Training Center und sprach mit den Trainerinnen und Trainern.
Timo Nowack
Timo Nowack