Lockheed Martin F-35: Wie viele Rohstoffe aus China stecken hier drin?

Seltene ErdenMetalle für mehr Mach(t) – wie Rohstoffe über die Zukunft der militärischen Luftfahrt entscheiden

Militärjets sind für ihren immens hohen Kerosinverbrauch bekannt. Doch bevor Kampfjets abheben, benötigt jede Luftwaffe Rohstoffe aller Art, um leistungsfähige Flugzeuge zu konstruieren und einzusetzen. Wo gibt es was? aeroTELEGRAPH hat den Markt sondiert.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Head of Mechanical Final Assembly PC-12 (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker Experimental Shop (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
.

Event Manager (m/f, 100%)

Vollzeit
IRF Reputation AG
Basel
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Luftfahrt

Ein Kampfjet besteht aus Tausenden Einzelteilen – und entsprechend vielen Rohstoffen. Laut Berechnungen von Oilprice.com stecken allein in einer F-35 rund 435 Kilogramm seltene Erden. In Zeiten geopolitischer Spannungen wird damit vor allem die Sicherung von Lieferketten zur strategischen Frage.

Am Anfang stehen klassische Strukturmetalle. Aluminium dominiert bei Rumpf und Tragflächen, weil es leicht und korrosionsbeständig ist. Titan kommt dort zum Einsatz, wo extreme Belastungen auftreten – etwa nahe der Triebwerke. Hochfester Stahl sorgt für Stabilität bei Fahrwerk und tragenden Strukturen.

Seltene Erden sind existentiell wichtig für die Produktion von Kampfjets

Doch die eigentliche Herausforderung liegt in weniger bekannten Materialien. Ein Beispiel ist Neodym, ein seltenes Erdmetall. Es wird für Hochleistungsmagnete benötigt, die in zahlreichen Systemen stecken: Aktuatoren, Radaranlagen, Elektromotoren oder Fly-by-Wire-Steuerungen. Ohne diese Komponenten funktioniert moderne Luftfahrttechnik nicht.

Gerade hier zeigt sich ein strukturelles Problem. Länder wie Schweden verfügen zwar über Rohstoffe wie Eisen, Kupfer oder Nickel, bauen seltene Erden jedoch kaum ab. Für Programme wie den Gripen müssen sie diese importieren – etwa aus den USA, Australien oder vor allem China.

China dominiert den Markt

China ist der Platzhirsch. Das Land ist nicht nur führend beim Abbau von Neodym, sondern auch bei verwandten Elementen wie Dysprosium und Praseodym. Entscheidend ist dabei vor allem die Weiterverarbeitung – und auch hier liegt China vorn. Rund 60 bis 70 Prozent der weltweiten Produktion stammen aus der Volksrepublik.

Die geopolitische Dimension ist offensichtlich. Während des Handelskonflikts mit den USA drohte Peking bereits, Exporte einzuschränken. Gleichzeitig versuchte Washington mit Strafzöllen gegenzusteuern. Der Zugang zu Rohstoffen wird damit zunehmend zum politischen Instrument.

Rohstoffe entscheiden über Kriegsführung

Wie entscheidend das ist, zeigt der Ukrainekrieg. Drohnen sind dort zu einem zentralen Faktor geworden. Die Ukraine produzierte 2024 rund 1,2 Millionen Stück und setzt täglich Tausende ein. Ein Großteil der dafür benötigten Magnete stammt aus China. Ohne sie wären viele dieser Systeme nicht funktionsfähig.

Seltene Erden stecken längst nicht nur in Flugzeugen. Sie sind unverzichtbar für Raketenabwehrsysteme, präzisionsgelenkte Munition, Elektromotoren oder medizinische Geräte. Moderne Militärtechnik ist ohne diese Materialien kaum denkbar.

USA und Europa suchen Alternativen

In den USA wächst daher der Druck, unabhängiger zu werden. Unternehmen wie Re Alloys arbeiten daran, eigene Lieferketten für seltene Erden aufzubauen. Parallel verschärft die Politik die Regeln: Ab 2027 sollen Materialien aus China in amerikanischen Waffensystemen de facto ausgeschlossen werden.

Auch in Europa sorgt die Abhängigkeit für Diskussionen. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete sie als «strategisches Risiko». Gleichzeitig bleibt China ein zentraler Handelspartner – ein Zielkonflikt, der sich nicht leicht auflösen lässt.

Neue Rohstoffquellen im Fokus

Die Suche nach Alternativen läuft weltweit. China selbst meldete zuletzt neue große Vorkommen, etwa in der Provinz Sichuan. Auch Russland verfügt über bedeutende, bislang wenig erschlossene Lagerstätten – etwa auf der Kola-Halbinsel oder in Sibirien. Weitere Regionen rücken in den Fokus: Südamerika, aber auch Grönland. Dort werden Rohstoffe zunehmend zum geopolitischen Thema.

Auch klassische Industriemetalle bleiben relevant. Aluminiumwerke wie das von Alba in Bahrain gerieten zuletzt sogar ins Visier militärischer Angriffe. Gleichzeitig investieren Konzerne wie Alcoa gemeinsam mit Maʿāden in neue Förderprojekte in Saudi-Arabien.

Rohstoffe entscheiden seit Jahrtausenden

Dass der Zugang zu Metallen über Macht entscheidet, ist kein neues Phänomen. Im Peloponnesischen Krieg etwa konnte Sparta dank Silberlieferungen aus Persien eine Flotte aufbauen – und schließlich Athen besiegen.

Die zentrale Erkenntnis bleibt bis heute gültig: Wer Zugriff auf die entscheidenden Materialien hat, bestimmt die Spielregeln – auch in der Luftfahrt.

Video

air new zealand syknest
Air New Zealand verschiebt den Start ihrer Schlafkojen für die Economy Class abermals. Eigentlich sollte Syknest 2026 endlich in der Boeing 787 abheben. Doch noch fehlt die Zertifizierung - da erneut eine Behörde bei der Zulassung nicht hinterherkommt.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Gulfstream G400 von Baires Fly: Das Flugzeug mit der Kennung LV-JQW brachte Flavio Bolsonaro in die USA.
Eine rund 22 Jahre alte Gulfstream G400 von Baires Fly brachte Flávio Bolsonaro und seine Familie über Ecuador nach Miami. Die argentinische Charterfirma flog einst auch Javier Milei - und auch ihr Eigentümer hat Ärger mit der Justiz.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
lufthansa fra gate of the future 07
Lufthansa und der Flughafen Frankfurt testen im Terminal 1, wie ein Gate effizienter funktionieren kann und zugleich komfortabler für die Gäste wird. Dabei geht es sowohl um Lounge-Elemente, als auch darum, Bewegungen zu analysieren und einem Software-Wirrwarr Herr zu werden.
Timo Nowack
Timo Nowack