Bell X-76:

Bell X-76Eine Mischung aus Kampfjet und Kampfhubschrauber

Bell Textron hat eine wichtige Entwicklungsphase für ein neues Militärflugzeug abgeschlossen. Die X-76 soll dereinst wie ein Helikopter starten und landen können, zugleich aber Geschwindigkeiten erreichen, die bislang eher Jets vorbehalten sind.

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Die schlanke Silhouette des Bell UH-1 Iroquois – besser bekannt als Huey – und sein charakteristisches Rotorgeräusch gehören für viele untrennbar zu Vietnamkriegs-Filmen. Nun will der amerikanische Herstellererneut ein Kapitel Luftfahrtgeschichte schreiben. Bell Textron teilte mit, das Critical Design Review für das Programm Speed and Runway Independent Technologies - oder kurz Sprint - der Defense Advanced Research Projects Agency oder kurz Darpa erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Bell ist seit Jahrzehnten an sogenannten X-Planes beteiligt. Das X steht für experimental – also für Flugzeuge, mit denen neue Technologien erprobt werden. Die Darpa wiederum ist direkt dem Verteidigungsministerium der USA unterstellt. Im Zentrum des Projekts steht ein Flugzeug, das unabhängig von Startbahnen operieren kann. Es soll in «rauer Umgebung» und auf Flächen starten und landen können, die kaum größer als ein Parkplatz sind. Gleichzeitig soll es in größeren Höhen mit mehr als halber Machgeschwindigkeit fliegen, die Rede ist von 460 bis 513 km/h.

Viele Kürzel, ein Ziel

Das Konzept gehört zur Kategorie Hsvtol (High-Speed Vertical Take-Off and Landing): ein Fluggerät, das wie ein Hubschrauber starten kann, aber nahezu Jetgeschwindigkeit erreichen soll. Der Vorschlag von Bell hat schon einen offiziellen Namen bekommen: X-67. Man fühle sich geehrt, die Bezeichnung zu erhalten «und damit den Geist amerikanischer Innovation fortzuführen, der auf die Gründung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 zurückgeht», sagte Engeineering-Chef Jason Hurst.

Bereits im vergangenen Sommer war Bell für Phase zwei des Programms ausgewählt worden – ein weiteres Kapitel in der inzwischen rund neunzigjährigen Geschichte der X-Plane-Entwicklung. Man freue sich darauf, zusammen mit der Darpa Vertikalstartflugzeuge der nächsten Generation zu entwickeln, so Hurst. Mit dem erfolgreichen Design-Review kann Bell nun mit dem Bau des Demonstrationsflugzeugs beginnen.

Auf diverse militärische Plattformen übertragen

Das Sprint-Programm wird gemeinsam von Darpa und dem U.S. Special Operations Command finanziert. Ziel ist die Entwicklung von Technologien für startbahnunabhängige Flugzeuge der nächsten Generation, die später auf verschiedene militärische Plattformen übertragen werden können.

In den Phasen 1A und 1B hatte Bell bereits das Konzept und die vorläufige Konstruktion abgeschlossen. Phase zwei umfasst nun die detaillierte Entwicklung, den Bau des Demonstrators und Bodentests. In Phase drei sollen schließlich Flugerprobungen folgen.

Startbahnunabhängigkeit und hohen Geschwindigkeiten

Bell verweist dabei auf frühere Pionierprojekte bei Hochgeschwindigkeits- und Vertikalstartflugzeugen – vom X-1 bis zu den Versuchsmustern XV-3 und XV-15. Das Sprint-Programm soll diese Erfahrungen in einem Fluggerät bündeln, das Startbahnunabhängigkeit mit hohen Geschwindigkeiten verbindet.

Über die Kosten schweigen die Verantwortlichen bislang weitgehend. Da sich das Projekt noch in der Entwicklungsphase befindet, wurden keine offiziellen Gesamtkosten genannt. Für das Darpa-Programm Sprint sind im US-Verteidigungshaushalt 2026 jedoch rund 55,2 Millionen Dollar vorgesehen.

Hubschrauber sind bei Angriffen gefährdet

Dass Hubschrauber im Gefecht besonders verwundbar sein können, zeigte bereits der Vietnamkrieg. Die US-Streitkräfte verloren damals rund 2200 Bell UH-1. Insgesamt bezifferte das Pentagon die Hubschrauberverluste auf etwa 5600 Exemplare. Langsam fliegende oder schwebende Fluggeräte sind grundsätzlich anfälliger für Beschuss – in Indochina traf der Vietcong die Hueys oft sogar mit einfachen Kalaschnikows.

Wie widerstandsfähig das neue X-Plane gegenüber feindlichem Beschuss sein wird, dürfte sich erst zeigen, wenn es eines Tages seine Feuertaufe im Einsatz erlebt.

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