Die türkische Luftwaffe hat die ersten zwei von 55 bestellten Tai Hürkuș-II in ihren Dienst übernommen, gut zwei Jahre nach dem Erstflug. Es ist das erste inländisch entwickelte Flugzeug, für das das Nato-Mitglied ein militärisches Musterzertifikat ausgestellt hat.
Am 28. September 2026 wurden die ersten zwei von insgesamt 55 geplanten Exemplaren auf dem Werksgelände von Tai in Ankara offiziell in Dienst gestellt. Noch im laufenden Jahr sollen zwölf der Flugzeuge an die türkische Luftwaffe ausgeliefert werden. Ab 2027 ist die monatliche Übergabe von jeweils zwei weiteren der Trainingsflieger vorgesehen.
Türkisches Flugzeug mit Antrieb aus Kanada
Die Tai Hürkuş-II ist ein einmotoriges, zweisitziges Turboprop-Schulungsflugzeug, das für die militärische Grund- und Fortgeschrittenenausbildung vorgesehen ist. Ganz ohne Material aus dem Ausland kommt das Eigengewächs aus Eurasien dann aber doch nicht aus: Der Antrieb Pratt & Whitney Canada PT6A-68T stammt aus dem Nato-Partnerland Kanada.
Die Militäranalysten des Unternehmens Janes unterstreichen in ihren Berichten die moderne Avionik und die hohe Manövrierfähigkeit des Hürkuş-II-Trainingsflieger. Er erreicht demnach eine Höchstgeschwindigkeit von 320 Knoten (circa 593 Stundenkilometer) und eine Dienstgipfelhöhe von 30.000 Fuß (etwa 9144 Meter). Die Länge der Tai Hürkuș-II von etwas über elf Metern ist vergleichbar mit einem Standardstadtbus.
Benannt nach türkischem Luftfahrtpionier
Die Hürkuş-II bildet die vorgelagerte Ausbildungsstufe für den Übergang auf den Jettrainer Hürjet und langfristig auf Kampfflugzeuge wie General Dynamics F-16 Fighting Falcon und den bereits erstmals geflogenen, noch in Entwicklung befindlichen Tarnkappenjäger Tai TF KAAN. Die Luftwaffe des Nato-Landes will die Jets an ihrer Flugschule in Izmir einsetzen. Sie sollen dort die KT-1 der südkoreanischen Korea Aerospace Industries ersetzen.
Das Flugzeug ist nach Vecihi Hürkuş (1896 -1969) benannt, einem türkischen Luftfahrtpionier und Flugzeugkonstrukteur. Sein Vecihi K-VI absolvierte am 28. Januar 1925 den ersten Flug eines in der Türkei produzierten Flugzeugs. Die Polysemie, also die Hommage an den Familiennamen, und die Übersetzung «freier Vogel» (Hürkuş) wurden von TAI bewusst gewählt.
Politikum am Boden und in der Luft
Kurz vor dem türkischen Nationalfeiertag am 29. Oktober passt die Nachricht zum zunehmenden patriotischen Kurs, den die Regierung unter Langzeitpräsident Recep Tayyip Erdoğan (seit 2014 im Amt) fährt. Während die türkischen Streitkräfte vor 20 Jahren noch zu rund 80 Prozent von ausländischen Rüstungsimporten abhängig waren, stammen heute 80 Prozent der Waffen aus eigener Produktion, schreibt die Zeitung Luxemburger Wort unter Berufung auf Daten des staatlichen türkischen Präsidiums der Verteidigungsindustrie.
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