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Passkontrollen

Verspätungschaos in der EU hält an

Die Grenzkontrollen in der EU werden strenger. Das führt zu langen Wartezeiten. Verbände prangern das nun an.

Eigentlich soll die EU-Verordnung 458/2017 vom 15. März helfen, Europa sicherer zu machen. Bei den Passkontrollen an den Grenzen müssen neu die Ausweise mit der Datenbank für gestohlene Dokumente abgeglichen werden. Oft wurde bisher nur nach Augenschein kontrolliert. Die Maßnahme soll das Terrorrisiko verringern – führt allerdings dazu, dass die Grenzbeamten pro Kontrolle im Schnitt 20 Sekunden länger brauchen.

Das klingt nach wenig. Doch in Stoßzeiten kann sich diese zusätzliche Zeit auf Stunden summieren. Bei einem typischen Flug könne ein Passagier mit einer Stunde zusätzlicher Wartezeit rechnen, so der Weltluftfahrtverband Iata, der europäische Verband A4E und Airlines Council International Europe in einem offenen Brief an den europäischen Ministerrat.

Verspätungen verdoppelt

Im zweiten Quartal habe sich die Zahl der Flüge, die wegen Problemen bei den Grenzkontrollen verspätet seien, verdoppelt, heißt es weiter. 319 Millionen Passagiere pro Jahr seien von den zusätzlichen Kontrollen betroffen. Das ist rund die Hälfte der Reisenden in der EU. Rund fünf Prozent verpassten wegen der Verzögerungen ihren Flug. Flüge innerhalb des Schengen-Raums sind davon nicht betroffen.

Die Verbände rufen die Regierungen der EU-Staaten nun dazu auf, an Brennpunkten das Personal so aufzustocken, dass Wartezeiten wieder verringert werden. Außerdem sollten Länder wie Spanien oder Frankreich, die im Vorfeld Passagierdaten einholen, diese auch nutzen, um die Kontrollen von EU-Bürgern bei der Einreise zu beschleunigen.

Wartezeiten bis zu vier Stunden

Bereits Anfang August hatte A4E auf das Problem aufmerksam gemacht. «An Flughäfen in Italien, Spanien, Belgien, Frankreich und Portugal drohen an der Grenzkontrolle Wartezeiten von bis zu vier Stunden», hieß es vom Verband. Von Flughäfen wie der auf Mallorca, Paris Orly, Mailand, Lissabon, Brüssel oder Lyon gebe es immer mehr «beschämende Bilder» von den langen Schlangen. Das Problem verschlimmert sich offenbar noch weiter.

Auch British Airways hatte sich bereits über die Probleme beschwert. Die Fluggesellschaft rief ihren Heimatflughafen Heathrow in der vergangenen Woche dazu auf, die Wartezeiten bei der Einreise zu verkürzen. Nur ein Drittel der verfügbaren elektronischen Einreisegates sei geöffnet. Die Fluggesellschaft hatte dabei allerdings keinen Bezug auf die EU-Verordnung genommen. Reisende aus Großbritannien waren von dieser allerdings wegen der Nicht-Zugehörigkeit zum Schengen-Raum überproportional betroffen.



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