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Emissionen

Umweltfeindin Business Class

Ein neue Studie untersucht die Umweltfreundlichkeit der Airlines auf Transatlantik-Strecken. Dabei kommt es zu überraschenden Ergebnissen.

Wer fliegt, tut der Umwelt nicht gerade einen Gefallen. Soviel ist klar. Doch es gibt je nach gewählter Airline deutliche Unterschiede, wie sehr man die Umwelt belastet. Das ist das Fazit einer neuen Studie des International Council on Clean Transportation. Die Experten, die auch an der Aufdeckung des VW-Skandals beteiligt waren, haben 20 Fluggesellschaften darauf getestet, wie hoch ihr Treibstoffverbrauch auf ihren Transatlantik-Flügen ist.

Die relevante Größe dabei: Anzahl der Passagierkilometer pro Liter verbrannter Treibstoff. Spitzenreiter in Sachen umweltfreundliches Fliegen ist demnach die sonst so oft für ihre Billigstrategie kritisierte Norwegian Air Shuttle. 40 Passagierkilometer fliegt sie pro Liter Kerosin. Air Berlin landet auf dem zweiten Platz mit 14 Prozent mehr. Sie schafft es auf 35 Passagierkilometer pro Liter.

Aeroflot auf Platz vier

Auch sonst finden sich in der ersten Tabellenhälfte (siehe Tabelle unten) Kandidaten, die man in den wenigsten klassischen Rankings auf Top-Plätzen findet. Aeroflot schafft es mit 33 Kilometern pro Liter auf den vierten Platz, den die russische Nationalairline sich mit KLM, Air Canada, Turkish und Air France teilt.

Schlusslicht in Sachen Effizienz ist British Airways mit 27 Kilometern, dicht gefolgt von Lufthansa und SAS mit 28 Kilometern und Swiss und Virgin Atlantic mit 29 Kilometern. Frappierend ist der Unterschied zwischen letzt- und erstplatzierter Airline: 51 Prozent mehr Treibstoff verbrennt British auf ihren Transatlantikrouten pro Passagier als Billig-Konkurrentin Norwegian.

Moderne Flotte hilft, Business Class schadet

Unter anderem begründen sich diese Unterschiede darin, dass zum Beispiel Norwegian eine extrem moderne Flotte besitzt. Sie setzt auf der Langstrecke auf den Dreamliner und wird als erste europäische Fluggesellschaft die Boeing 737 Max nutzen, die deutlich effizienter ist als die bisherigen Modelle der 737-Familie.

 

Ein weiterer Faktor ist die Konfiguration der Kabine bei den einzelnen Fluglinien. Je mehr Premium-Sitze in First- oder Business Class eine Airline im Flieger anbietet, desto umweltunfreundlicher wird sie. Das zeigt sich darin, dass die Premium-Sitze bei den untersuchten Fluggesellschaften nur 14 Prozent der gesamten Kapazität ausmachten. Doch gleichzeitig sorgten sie für rund einen Drittel der gesamten Emissionen.

Anderer Ausgang bei anderen Strecken?

Die Studienautoren zeigen zwei extreme Beispiele auf. British Airways und Swiss haben einen sehr hohen Anteil an Premium-Sitzen, der jeweils über 20 Prozent liegt. Diese Plätze machten insgesamt rund die Hälfte ihrer Gesamtemissionen auf Transatlantik-Flügen aus. Die Zwickmühle, in der die Fluggesellschaften dabei stecken: Die Premium-Sitzplätze sind diejenigen, welche die höchsten Margen bringen.

Von den schlechter platzierten Airlines kam denn auch prompt Kritik an der Studie. Man hätte nicht nur die Transatlantik-Routen untersuchen dürfen, sondern das komplette Angebot. Dann hätte das Ranking anders ausgesehen. Zudem ist die Studie eine Momentaufnahme. In den vergangenen Jahren investierten Fluggesellschaften viel in Dinge wie eine modernere Flotte, leichtere Sitze oder alternative Treibstoffe, um ihren Fußabdruck zu verringern.

 



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