Letzte Aktualisierung: um 14:18 Uhr
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Neue Erkenntisse zu Unglücksflug PK8303

Triebwerke des A320 berührten Piste von Karachi

Beim ersten Landeversuch berührte der Airbus A320 von Unglücksflug PK8303 offenbar die Piste. Dies könnte die Triebwerke beschädigt haben.

Schon kurz nach dem tragischen Unglück gab es die ersten Gerüchte: Der Airbus A320 von Pakistan International Airlines habe bei seinem ersten Landeversuch bereits die Piste berührt, so die Aussage. Nun wurde sie gleich mehrfach erhärtet.

Der Fernsehsender Dunya TV zeigte Videoaufnahmen der Start- und Landebahn des Jinnah International Airport nach dem Absturz von Unglücksflug PK8303. Zu sehen sind an drei Stellen ungewöhnliche Spuren. Gemäß pakistanischen Medien befinden sich die dicken schwarzen Rückstände bei 1300, 1650 und 2130 Metern nach Pistenanfang.

Reibung und Funkenbildung

Sie sollen von einer Bodenberührung der Triebwerke stammen. Der Abstand zwischen den Spuren links und rechts stützt diese Theorie. Ebenso zeigen Bilder des A320 mit dem Kennzeichen AP-BLD kurz vor dem Absturz in Karachi auffällige schwarze Rückstände an der Unterseite der Triebwerke.

Noch ist allerdings nichts davon offiziell bestätigt. Doch neben den diversen Indizien deutet auch ein erster Bericht der pakistanischen Luftfahrtbehörde darauf hin, dass der A320 mit dem Kennzeichen AP-BLD die erste Landung abbrach, dabei zu tief sank und ohne Fahrwerk die Piste berührte. Ihm zufolge schrammten die Triebwerke des Airbus beim ersten Landeversuch drei Mal über die Landebahn, was zu Reibung und Funkenbildung führte.

Piloten flogen Karachi zu hoch an

Wie es im nicht öffentlichen Bericht der Civil Aviation Authority weiter heißt, aus dem diverse Medien zitieren, habe der Pilot die Maschine erst danach wieder hochgezogen. Was die Ermittler besonders erstaunlich finden: Die Besatzung hatte bis dahin nichts von Problemen mit dem Fahrwerk gesagt. Auch zuvor passierte Merkwürdiges im Cockpit. So wies der Lotse im Kontrollturm von Karachi die Piloten von Flug PK8303 zwei Mal darauf hin, dass sie im Anflug zu hoch waren.

Doch die Piloten führten den Anflug fort und erklärten, sie fühlten sich wohl auf ihrem Pfad. Beim dritten Mal wies der Lotse die Piloten sogar an, abzudrehen. Doch die Maschine sank weiter. Dabei leuchtete im Cockpit offenbar die Master-Warning-Leuchte. Sie zeigt, dass etwas nicht stimmt. Zudem erklang der dazugehörige Ton – ein wiederholtes Ping. Doch darauf reagierten die Piloten nicht.

A320 konnte nicht mehr genug Höhe gewinnen

Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Das ist ein großes Rätsel. Gemäß dem Bericht brachen die Piloten den ersten Landeversuch am Ende doch ab und versuchten, nach einer Linkskurve auf 3000 Fuß oder rund 900 Meter zu steigen. Doch sie schafften es gemäß dem Bericht der Civil Aviation Authority nur auf 1800 Fuß.

Das deutet darauf hin, dass die Triebwerke nicht mehr genug Schub entwickelten. Schuld daran könnte der Aufprall auf der Piste gewesen sein, der Leitungen beschädigt haben könnte. Im Funkverkehr war dann auch später von den Piloten zu hören, dass sie die Triebwerke verloren hätten – die Motoren also nicht mehr funktionierten.

Zwei Sicherheitssysteme warnten

Das noch größere Rätsel ist neben dem erstaunlichen Verhalten der Piloten, weshalb es überhaupt passieren konnte, dass sie den Flughafen Karachi mit hochgezogenem Fahrwerk ansteuerten. Der Bordcomputer des Airbus A320 warnt die Piloten auf einer Höhe von 750 Fuß oder 230 Meter mit einer Anzeige: «L/G GEAR NOT DOWN», was für Landing Gear Not Down steht – oder eben: Fahrwerk nicht ausgefahren. Zudem gibt es grafische Hinweise für alle Fahrwerke.

Hinzu kommt die Warnung des Ground Proximity Warning System. Es verhindert eigentlich, dass das Flugzeug ohne Fahrwerk aufsetzt. Eine aufgezeichnete Stimme sagt dann wiederholt «Too low, gear» – zu tief, Fahrwerk. Das bedeutet, dass sich das Flugzeuge nicht in der Landekonfiguration befindet. Zudem gehen die Piloten vor der Landung eigentlich Checklisten durch, mit denen sie alle Funktionen überprüfen.

Blackboxen können Auskunft geben

Immerhin haben die Ermittler inzwischen beide Blackboxen gefunden. Sowohl der Flugdatenschreiber als auch der Cockpit-Stimmenrekorder sind geborgen worden. Sie sollen in Frankreich ausgewertet werden.

 



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