Cockpit des Superjumbos A380: Im Zweifel gibt es hier recht wenig für die Piloten zu tun - zu wenig.

Das Automatik-Dilemma

Moderne Technik soll das Fliegen sicherer machen. Bei den Piloten führt die Automatisierung aber zu einem gefährlichen Nebeneffekt.

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Luftfahrt

Die Technik in den Flugzeugen wird immer moderner und komplizierter. Das ist einerseits ein großer Vorteil für die Piloten, nimmt ihnen die Maschine doch viel mühsame Arbeit ab. Eine Studie der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA zeigt aber auch einen Nachteil auf - einen ziemlich beunruhigenden: «Piloten geben zu viel Verantwortung an die automatischen Systeme der Maschinen ab», ist eine Schlussfolgerung der Untersuchung.

46 Unfälle, 734 freiwillige Berichte von Piloten und Daten von mehr als 9000 Flügen, auf denen ein offizieller Beobachter der Behörde dabei war, hat die FAA für den Report untersucht. In 60 Prozent der Abstürze und 30 Prozent der größeren Zwischenfälle hatten die Piloten offenbar Probleme, das Flugzeug manuell aus der Notlage zu steuern. Immer mehr Piloten machten offenbar den Fehler, nicht zu erkennen, dass der Autopilot oder die Triebwerksautomatik sich abgeschaltet hatten.

Auch die korrekte Verhaltensweise bei einem Geschwindigkeitsverlust oder einem Strömungsabriss wurde in vielen der untersuchten Fälle nicht eingehalten. «Wir sehen mit den modernen Maschinen eine neue Art von Zwischenfällen», so Rory Kay, Pilot und Vize-Chef des FAA-Beratungskommittees für Pilotentraining gemäß der britischen Zeitung «The Telegraph». «Wir verlernen, wie man fliegt.» Das erkenne man auch daran, dass es eine große Anzahl an kleineren Zwischenfällen gebe, in denen Piloten wertvolle Zeit damit verschwenden, zu versuchen, den Autopiloten wieder anzuwerfen. Stattdessen sollten sie aber in dieser Zeit die Kontrolle über das Flugzeug selbst übernehmen.

Automatik-Pflicht ab 24'000 Fuß

Einerseits gehen viele Luftfahrtbehörden schon gegen den Technik-Wahn vor. So legte etwa die FAA im Mai dieses Jahres den Airlines nahe, ihre Piloten im Training realistischeren Situationen auszusetzen und ihnen standardmässig die manuelle Steuerung in verschiedenen Gefahrensituationen beizubringen. Gleichzeitig gibt es aber auch eine gegensätzliche Entwicklung: So sind Piloten etwa verpflichtet, ihren Autopiloten zu verwenden, wenn sie über 24'000 Fuß (etwa 7300 m) hoch fliegen.

Außerdem geht der Trend dahin, mehr Flugzeuge näher beieinander fliegen zu lassen. So arbeitet man beispielsweise sowohl in den USA als auch in Europa an einer neuen Form der Flugkontrolle, die nicht mehr über Radar, sondern über GPS gesteuert wird (aeroTELEGRAPH berichtete). Auch das soll dazu führen, dass die Flieger in kürzeren Abständen voneinander starten und landen können - Gleichzeitig sind die Piloten dann abe auch gezwungen sich noch ein ganzes Stück mehr auf die Technik zu verlassen.

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