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Vor Swiss-Einflottung

So fliegt es sich in Bombardiers C-Series

Die Swiss setzt als erste Fluggesellschaft der Welt Bombardiers C-Series ein. Was bietet das neue Flugzeug Reisenden? Ein erster Erfahrungsbericht.

Da ist ein Restrisiko. Was, wenn es eine Panne gibt? Doch die Chance ist ungleich größer. Das neue Flugzeug auf einen Schlag den Chefs von 27 Fluggesellschaften aus der ganzen Welt im Einsatz zu demonstrieren, das ist für Bombardier eine einmalige Gelegenheit. Und so lud der kanadische Hersteller zusammen mit Erstbetreiberin Swiss am Freitag (3. Juni) die Lenker aller Star-Alliance-Mitglieder zu einem Flug mit der C-Series CS100 von Dublin nach Zürich ein.

Es war das erste Mal überhaupt, dass betriebsfremde Passagiere das neue Flugzeug erleben durften. Beim Flug ging es weniger um das, was Bombardier leistungsmäßig bei der C-Series verspricht: Zwanzig Prozent geringerer Kerosinverbrauch (gegenüber den von Swiss heute noch eingesetzten Avro RJ100 gar 35 Prozent), tiefere Wartungskosten, weniger Lärmemissionen, weniger Umweltbelastung. Es ging um das Erlebnis an Bord.

Es werde Licht

Swiss wirbt bei den Passagieren mit «einer freundlichen und hellen Atmosphäre sowie einem verbesserten Reisekomfort dank geräumigerer Kabine, tiefem Geräuschpegel und innovativen Sitzen». Bombardier lobt die großen Fenster, speziell große Gepäckfächer, breitere Sitze als in anderen Flugzeugen und eine große Toilette, die auch von breiteren oder in der Beweglichkeit eingeschränkten Menschen benutzt werden kann.

aeroTELEGRAPH hat die Bombardier C-Series CS100 auf dem Sonderflug getestet. Zwar war der Innenausbau noch nicht so, wie er bei Swiss dann sein wird. Die Reise wurde mit dem Testflugzeug FTV5 (Kennzeichen: C-GWXZ) durchgeführt. Dennoch lassen sich bereits erste Eindrücke festhalten, weil die Grundausstattung der Flieger einheitlich ist:

Kabinenhöhe: Im Gang ist die Decke 2.11 Meter hoch. Basketballstar Kobe Bryant könnte mit seinen 1.98 Meter also schon fast hüpfend durchs Flugzeug gehen. Diese Höhe gibt einem ein angenehm befreites Gefühl.

Kabinenbreite: Zugleich ist die Kabine der C-Series mit 3.28 Meter ziemlich breit. Ein A320 ist zwar mit 3.70 Meter noch breiter. Swiss stellt aber dort einen Sitz pro Reihe mehr rein, setzt also auf eine 3-3-Konfiguration und nicht wie in der C-Series auf 3-2. Darum sind die Sessel deutlich enger. In der Bombardier C-Series messen sie 47 Zentimeter beziehungsweise beim Mittelsitz gar 48 Zentimeter. Im A320 sind es nur 43 Zentimeter.

Sitze: Noch konnte der Sitz Eco Zim Unique vom deutschen Hersteller Zim Flugzeugsitze nicht getestet werden, den Swiss für die C-Series wählte. Aber der Sitzabstand im Testflieger beträgt 30 Zoll – gleich viel wie auch bei Swiss. Das war im Vorfeld Anlass für Kritik. Dank dünner Sitze ist die Beinfreiheit aber tatsächlich in Ordnung. Gegenüber den umgebauten A320  von Swiss oder auch den A320 Neo von Lufthansa sind die 30 Zoll zudem schon fast großzügig. Dort gibts nur noch 29 Zoll.

Ambiente: Wintergarten- statt Kirchenfeeling: Das Innere der Kabine ist wie versprochen sehr hell. Das liegt an den übergroßen Fenstern und der cleveren Beleuchtung.

Fenster: Die Fenster sind elliptisch und bieten deutlich mehr Sicht nach außen. Fensterplätze werden dadurch noch attraktiver. Die Blenden sind klassisch und werden von Hand bedient. Sie wirken nicht besonders hochwertig.

Gepäckfächer: In die Behälter über den Köpfen geht wirklich viel. Zudem sind sie bequem zu füllen, da ihre Öffnung tiefer liegt als bei herkömmlichen Gepäckfächern. Das hilft, die Zeit des Einsteigens zu verkürzen. Einen Nachteil hat das jedoch für die Passagiere mit Fensterplatz. Beim Aussteigen hängen die offenen Wannen nach unten und machen den Ausstieg aus der Sitzreihe mühsam.

Armaturen: Sie sind klassisch. Lüftung, individuelle Lampe – hier sieht man nichts Neues.

Toilette: Zumindest das WC ganz hinten ist wirklich geräumig. Auch dickere Menschen können sich darin gut drehen. Zudem gibt es da einen großen Wickeltisch.

Schub: Vroooom! Die C-Series hat ganz schön Kraft und hebt sehr schnell und steil ab. Das Testflugzeug war zwar nicht voll beladen. Dennoch ist das ein Merkmal, das die C-Series allgemein auszeichnet. Deshalb kann sie etwa auch in London City eingesetzt werden, wo steile An- und Abflüge vorgeschrieben sind.

Geräuschpegel: Beim Rollen zur Piste und auch beim Start ist die C-Series in der Kabine merklich leiser. Auf Reiseflughöhe ist der Unterschied zu älteren Modellen – zumindest aus subjektiver Wahrnehmung – nicht so groß wie aufgrund der Werbebroschüren erhofft.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie erste Bilder aus der Kabine der C-Series sowie aus dem Cockpit.



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