Übermüdete Crews: Bei gewissen Fluggesellschaften zunehmende ein Problem.

Studie der Uni GentZwischen Verkaufsdruck und Müdigkeit: Alarmierende Befunde zu Cockpit und Kabine

Immer mehr Pilotinnen und Piloten sowie Kabinencrews arbeiten mit befristeten Verträgen, Scheinselbstständigkeit oder Leiharbeit. Laut einer Untersuchung der Universität Gent führt der Druck zu Übermüdung, Angst vor Krankheit und sogar Risiken für die Flugsicherheit.

Top-Jobs

Sparfell Logo

Captain/First Officer Embraer 550 / Legacy 500 (m/f)

SPARFELL Luftfahrt GmbH
Vollzeit
Vienna
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Pilatus Logo

Mechaniker Flugzeugkomponenten (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Systems Engineer - Electrical Focus

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Fluglinien geraten immer wieder in die Kritik, wenn es um die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeitenden geht. Meist werden jedoch nur punktuelle Probleme öffentlich bekannt. Im Sommer 2022 machte Wizz Air Schlagzeilen, weil Crews teilweise stark übermüdet waren. Im Sommer 2018 wurde eine Ryanair-Crew suspendiert, weil sie sich nach neun Stunden Arbeit nicht mehr fit genug für den Rückflug fühlte.

Eine neue Studie der Universität Gent bestätigt, dass die Arbeitsbedingungen bei gewissen Unternehmen durchaus problematisch sind. Immer mehr Piloten und Pilotinnen sowie Kabinenmitarbeitende sind von atypischen und prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen. Dazu zählen Leiharbeit, befristete Verträge, unfreiwillige Teilzeitmodelle sowie Scheinselbstständigkeit.

Geschäftsmodell und Alter als entscheidende Faktoren

Laut der Studie, an der rund 6900 Cockpit- und Kabinenmitarbeitende teilnahmen, sind überproportional viele Beschäftigte aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Tschechien oder Ungarn atypisch beschäftigt. Dort liegt der Anteil atypischer Beschäftigung bei etwa der Hälfte aller Beschäftigten. Ein weiteres Kriterium ist das Alter: Bei den unter 21-Jährigen waren 59 Prozent unbefristet angestellt.

Die schlechten Arbeitsbedingungen bei gewissen Fluggesellschaften (aber längst nicht allen) haben laut den Autorinnen und Autoren Folgen für die Flugsicherheit in Europa. Rund die Hälfte aller Studienteilnehmenden sagen, dass sie sich zu eingeschüchtert fühlen, um Entscheidungen des Managements infrage zu stellen. 30 Prozent der Pilotinnen und Piloten gaben heute an, sie hätten Angst um ihre Karriere, wenn sie widersprechen.

Beschäftigte scheuen sich vor Krankheit

Gleichzeitig fühlen sich die Beschäftigten unter Druck gesetzt, überlange Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen und Anzeichen von Müdigkeit aus Angst vor Konsequenzen zu verbergen. Der Druck wächst, denn durch die Erholung des Flugverkehrs nach der Pandemie bei gleichzeitigem Personalmangel ist die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten deutlich gestiegen. Sie haben längere Schichten und müssen auf Ruhepausen verzichten.

Fast jeder dritte Pilot und fast die Hälfte der Flugbegleiter gaben zu, manchmal zu zögern, sich krankzumelden, selbst wenn es aus Sicherheitsgründen notwendig wäre. Anonym sagen die Betroffenen: «Ich fühle mich wie ein Krimineller, nur weil ich krank bin». Ein anderer Flugbegleiter berichtete, dass der Leiter einer europäischen Basis geschrien habe: «Ihr seid hier, um zu verkaufen, verdammt noch mal».

Bordverkauf bringt Kabinencrews in Bedrängnis

Die Studie zeigt auch, dass der starke Fokus auf Bordverkauf wie Parfüm oder Alkohol die eigentliche Aufgabe des Kabinenpersonals gefährdet: die Sicherheit der Passagiere zu gewähren. Für die Crew bedeutet das Stress, weil sie zwischen Verkaufsdruck und Sicherheitsverantwortung hin- und hergerissen sind. Gleichzeitig gibt es oft unklare Regeln, was ihre Pflichten genau sind.

Laut der Studie sind die Arbeitsbedingungen «kein rein soziales Problem mehr, sondern haben direkte Auswirkungen auf Sicherheit, Wohlbefinden und Ermüdung – drei eng miteinander verknüpfte Faktoren. Ohne faire und stabile Arbeitsbedingungen sei ein sicherer und widerstandsfähiger europäischer Luftfahrtsektor nicht möglich.»

Bessere Regelungen von der EU gefordert

Die Autorinnen und Autoren fordern von der EU konkrete Schritte, um die Situation von Besatzungsmitgliedern zu verbessern. Dazu gehören: besserer Kündigungsschutz, klare Regeln für Heimatstandorte, mehr Aufmerksamkeit für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und stärkere Mitspracherechte für alle.

Die Studie der Universität Gent (UGent 2.0 – Evolving social challenges for aircrew and the need for regulatory response) können Sie hier herunterladen.

Wir sind nahe an den Quellen, kritisch in der Sache, fair im Ton. So arbeitet unsere erfahrene Fachredaktion seit Jahren. Mit einem Beitrag, günstiger als ein Cappuccino, helfen Sie, dass das so bleibt – und Sie lesen aeroTELEGRAPH noch dazu werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

Piloten in einem Cockpit: In den USA steht ein Fake-Pilot vor Gericht.

Betrüger erschlich sich als Fake-Pilot Gratis-Tickets und gelangte ins Cockpit

ticker pilot pilotin

Internationaler Verband der Pilotinnen tagt in Reykjavík

Anflug auf Bern: Links der Belpberg, rechts die Landebahn.

Was Pilotinnen und Piloten beim Anflug auf Bern alles beachten müssen

ticker-cae

CAE-Prognose: Kommerzielle Luftfahrt braucht in den nächsten 20 Jahren 267.000 neue Pilotinnen und Piloten

Video

starlux airlines silberner airbus a350 1000
Die Fluglinie aus Taiwan bekommt einen Airbus A350-1000 in silberner und einen in goldener Sonderlackierung. Den ersten der beiden Jets brachte der Starlux-Chef selbst nach Taipei.
Timo Nowack
Timo Nowack
cessna usa 250
Manchmal zeichnet ein Flugzeug mit seinem Flugverlauf ein Herz oder einen einfachen Schriftzug an den Himmel. Zum 250. Am Unabhängigkeitstag der USA hat eine Cessna R182 nun auch so etwas getan - aber auf einem anderen Level.
Timo Nowack
Timo Nowack
Flugzeuge am Wilson Airport: 41 Flugzeuge um den Flughafen sind zu hoch und sollen abgerissen werden.
Flughafen Nairobi-Wilson
Rund um Kenias wichtigsten Inlandsflughafen sind in den vergangenen Jahren Dutzende Gebäude entstanden, die den Luftraum verletzen. Der Senat fordert nun den Abriss, die Regierung will lieber die Flugrouten zum Flughafen Nairobi-Wilson ändern.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies