Der Moment des Unfalls: Die McDonnel Douglas MD-11 geht in einem Feuerball auf.

Flug 5X2976Ein Triebwerk der verunglückten McDonnell Douglas MD-11 von UPS fiel beim Start ab

Elf Menschen starben beim Unglück in Louisville. Doch was führte genau zum fatalen Crash der McDonnell Douglas MD-11 von UPS? Was bisher bekannt ist.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Nur Sekunden nach dem Start ein riesiger Feuerball und Explosionen. Es war ein Schock, was Beobachterinnen und Beobachter in Louisville am Dienstagabend (4. November) sahen. Eine McDonnell Douglas MD-11 F von UPS Airlines verunglückte beim Start und stürzte in ein Gewerbegebiet. Dort befand sich auch eine Ölrecyclinganlage.

Die Ermittlungen zum schlimmen Unglück befinden sich erst im Anfangsstadium. Doch einiges ist schon bekannt. Die Fakten in der Übersicht:

Der Flug: Flug 5X2976 führt von Louisville in Kentucky, wo UPS Airlines auch ihren Sitz hat, nach Honolulu in Hawaii. UPS Air Cargo führt ihn drei Mal in der Woche mit einer McDonnell Douglas MD-11 durch. In der Regel dauert er zwischen achteinhalb und neun Stunden.

Das Flugzeug: Die verunglückte McDonnell Douglas MD-11 F von UPS Airlines trug die Registrierung N259UP und war das zwölfte Exemplar, das im Werk Long Beach gebaut wurde. Das Flugzeug wurde am 19. Juli 1991 an Thai Airways International ausgeliefert. Nach seiner Zeit als Passagierjet wurde es 2006 zu einem Frachter mit großer seitlicher Ladeluke umgerüstet und ging im April 2007 in den Dienst von UPS über.

Stationiert war der MD-11 zuletzt am Louisville International Airport. Der 34 Jahre alte Dreistrahler war mit drei Triebwerken vom Typ GE CF6 ausgestattet, verfügte über ein maximales Startgewicht von 273 Tonnen und hatte bis zuletzt rund 68.000 Flugstunden und mehr als 23.000 Starts und Landungen absolviert. Der aktuelle Marktwert der Maschine lag laut Colalteral Verifications bei etwa 12,6 Millionen Dollar.

Die Opfer: Alle drei Besatzungsmitglieder von Flug 5X2976 sind ums Leben gekommen. Am Boden gibt es bislang acht Todesopfer, die Zahl könnte aber noch steigen. Mindestens 15 Menschen sind verletzt worden. Einige Menschen werden noch vermisst.

Was geschah vor dem Flug? Die MD-11 hatte sich zuletzt vom 3. September bis zum 19. Oktober in der Wartung in San Antonio befunden. Laut dem auf Zwischenfälle spezialisierten Portal Aviation Herald berichteten Augenzeugen, dass der Frachter am Tag des Fluges rund zwei Stunden lang am linken Triebwerk gewartet worden war. Dieses scheint aktuell ein Hauptproblem gewesen zu sein.

Der Flugverlauf: Nur wenige Sekunden dauerte der Unglücksflug. Schon bei der Beschleunigung und dem Anheben der Nase löste sich laut Aviation Herald das linke Triebwerk, im Jargon Triebwerk Nummer 1 genannt. Es gab ein Feuer und das Flugzeug stürzte nur kurz hinter dem Pistenende in ein Gewerbegebiet. Es war voll betankt. Am Boden kam es zu einem Großbrand, weil sich dort auch eine Ölrecyclinganlage befindet. Er ist mittlerweile unter Kontrolle.

Nach dem Crash: Der Louisville Muhammad Ali International Airport stellte nach dem Unglück den Betrieb vorübergehend ein. Am Mittwoch (5. November) begann er langsam, wieder Flüge abzufertigen und Starts und Landungen zuzulassen. UPS gab bekannt, den Betrieb im Logistikzentrum Worldport in Louisville vorübergehend einzustellen. Das ist einschneidend, denn es handelt sich dabei um eines der größten Luftfrachtzentren der Welt. Die Untersuchungsbehörde NTSB entsandte ein Ermittlungsteam an den Unfallort. UPS erklärte, eng mit ihr und der Luftfahrtbehörde FAA zusammenzuarbeiten.

Die McDonnell Douglas MD-11: Weltweit sind derzeit noch 58 McDonnell Douglas MD-11 im aktiven Einsatz, weitere 51 stehen eingelagert. Das durchschnittliche Flottenalter liegt bei rund 31 Jahren. Größte Betreiber sind gemäß Zahlen des Datenanbieters Cirium Fedex Express mit 17 aktiven und 29 geparkten Exemplaren sowie UPS mit 14 in Betrieb und zwei in Reserve. Western Global Airlines betreibt noch vier Exemplare, zwölf weitere sind abgestellt. Je nach Betreiber variiert das Alter der MD-11 zwischen 25 und 36 Jahren.

Die Interpretationen: Das am Rande der Piste gefundene Triebwerk könnte entscheidend sein, um die Ursache des UPS-Absturzes in Louisville zu klären. «Das ist ein großer Hinweis und gibt der Unfallermittlungsbehörde NTSB eine gute Vorstellung davon, was das Ganze ausgelöst haben könnte», sagte Mary Schiavo, frühere Generalinspektorin des US-Verkehrsministeriums, gegenüber dem Nachrichtensender CNN.

Er erklärte, dass der Umstand, dass sich das Triebwerk noch vor dem eigentlichen Aufprall und dem Feuerball vom Flugzeug löste, auf einen sogenannten uncontained engine failure hindeute – also einen Triebwerksschaden, bei dem Teile unkontrolliert nach außen geschleudert werden. «Durch die enorme Fliehkraft können sich Triebwerksteile durch den Rumpf schneiden und etwa Treibstoffleitungen beschädigen», so die Expertin. Normalerweise sind die Triebwerke allerdings über stabile Pylone fest mit dem Flugzeug verbunden. Etwas müsse diesen Mechanismus versagen lassen haben, so Schiavo.

Die Airline: UPS Airlines ist die Frachtfluggesellschaft des US-Logistikriesen United Parcel Service. Sie wurde 1988 gegründet und hat ihren Sitz am Louisville Muhammad Ali International Airport im Bundesstaat Kentucky, wo sich auch das Unglück ereignete. Von dort aus betreibt sie das zentrale Drehkreuz «Worldport», eines der größten Luftfrachtzentren der Welt. Die Airline verbindet mit ihren Maschinen täglich Hunderte Städte auf allen Kontinenten und gilt als Rückgrat des globalen UPS-Paketnetzwerks.

Die Flotte von UPS Airlines umfasst vor allem Großraumflugzeuge wie Boeing 747, 767 und 757 sowie McDonnell Douglas MD-11. Die Frachter transportieren jährlich Millionen Pakete und Frachtgüter für Unternehmen und Privatkunden. Das Netzwerk ist so ausgelegt, dass Sendungen, die abends aufgegeben werden, in vielen Regionen der Welt bereits am nächsten Morgen zugestellt werden können.

Wir beschäftigen uns auch dann mit Themen, wenn es wirklich unangenehm ist. Weil umfassende Informationen wichtig sind. Und: Unabhängiger Luftfahrtjournalismus braucht Auftrieb. Bei aeroTELEGRAPH arbeitet ein Team erfahrener Luftfahrtjournalistinnen und -journalisten, das die Branche seit Jahren begleitet. Für den Preis von weniger als einem Cappuccino im Monat lesen Sie werbefrei – und helfen, dass wir weiter kritisch und fundiert berichten können. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-ups-airlines

UPS baut neue Luftfrachtzentren auf den Philippinen und in Hongkong

ticker-ups-airlines

JMB Aviation will vier ausgemusterte McDonnell Douglas MD-11 F von UPS übernehmen

Die McDonnell Douglas MD-11 von UPS: verunglückte beim Start.

Cockpit-Aufnahmen der verunglückten McDonnell Douglas MD-11 mit KI rekonstruiert - Behörde reagiert alarmiert

Aufnahme des Unglücks: Das brennende Triebwerk fliegt durch die Luft.

Probleme bei McDonnell Douglas MD-11 schon früher bekannt und traten häufiger auf

Video

Ex-Swissair-Sprecher Urs Peter Naef: «»
Als die Nachricht vom Absturz vor Halifax eintraf, war das Krisenhandbuch der Swissair-Kommunikationsabteilung noch nicht fertig. Medienverantwortlicher Urs Peter Naef musste improvisieren – und zugleich die Angehörigen vor aufdringlichen Medien schützen. Seine wichtigste Lehre aus der Katastrophe: «Steh zu dem, was passiert ist, und zeig Flagge.»
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
Kälin
Mit der Rückkehr der Angehörigen aus Kanada war die Arbeit für die Swissair längst nicht beendet. Persönliche Gegenstände mussten zurückgegeben, Gedenkveranstaltungen organisiert und Familien weiter begleitet werden. Der Ehemalige Finanzchef Walter Kälin blickt auf die Herausforderungen zurück – und erklärt, wie die Erfahrungen von damals die heutige Krisenbetreuung prägen
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
Ex-Swissair-Personalchef Matthias Mölleney zum Unglück von Flug SR1111: «...»
Als Flug SR111 von Swissair vor Halifax abstürzte, war Matthias Mölleney erst seit 95 Tagen Personalchef der Airline. Plötzlich musste er die Angehörigen und Mitarbeitenden betreuen und zugleich den Flugbetrieb aufrechterhalten. Fast drei Jahrzehnte später erinnert er sich an die schwersten Tage seiner Karriere – und an die Lehren für das spätere Grounding.
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier