Airbus A320 von Easyjet: Das Flugzeug hatte nicht genug Piste.

London-LutonAirbus A320 von Easyjet nutzte zu kurze Startstrecke und überflog das Ende der Bahn in nur 20 Metern Höhe

Routine kann im Cockpit ein Vorteil sein. Manchmal wird sie aber auch zur Falle. Genau das passierte einer Easyjet-Besatzung in London-Luton. Ein psychologischer Effekt führte dazu, dass sie von einem anderen Punkt abhob als vorgesehen.

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Als Flug U2-2335 in Richtung Málaga abhob, bemerkte niemand etwas Ungewöhnliches. Weder die Passagiere noch die Besatzung. Tatsächlich war der Airbus A320 von Easyjet jedoch von der falschen Position aus gestartet – und hatte dadurch deutlich weniger Startbahn zur Verfügung als berechnet. Die britische Unfalluntersuchungsbehörde AAIB stuft den Vorfall deshalb als schweren Zwischenfall ein.

Vorn sah alles normal aus. Der Airbus A320 von Easyjet mit der Registrierung G-EZUK rollte zur Startbahn des Flughafens London-Luton, erhielt die Freigabe und hob Richtung Málaga ab. Erst Stunden später stellte sich heraus: Die Besatzung war von der falschen Position gestartet. Und das Flugzeug hatte dabei deutlich weniger Startbahn zur Verfügung gehabt als eigentlich erforderlich. Das geht aus dem Abschlussbericht der britischen Unfalluntersuchungsbehörde AAIB hervor.

Airbus A320 von Easyjet war zu schwer für Routine-Startpunkt

Der Vorfall ereignete sich am 13. Juni 2025 auf Flug EZY2335. An Bord befanden sich 180 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Während der Flugvorbereitung hatte die Crew zunächst einen Start von der Rollweg-Einmündung Alpha auf die Piste 25 geplant. Wegen des relativ hohen Gewichts des Flugzeugs und der Wetterbedingungen reichte die dort verfügbare Startstrecke jedoch nicht aus. Deshalb berechneten die Piloten die Startleistung neu – nun für die volle Bahnlänge. Nur so war der Start zulässig.

Genau das geriet anschließend offenbar in Vergessenheit. Als die Flugsicherung fragte, ob die Besatzung von Alpha starten könne, antwortete der Kapitän mit Ja. Tatsächlich startete der Airbus A320 dann von genau dieser Position - obwohl die Leistungsberechnung für einen Start vom Bahnbeginn erfolgt war. Die Ermittler sehen dahinter ein klassisches Beispiel für einen sogenannten Bestätigungsfehler.

Piloten von Easyjet waren in der Gewohnheit gefangen

Dahinter steckt ein psychologischer Effekt, der in der Luftfahrt ebenso vorkommt wie in Politik oder Wirtschaft: Menschen neigen dazu, Informationen so zu deuten, dass sie zu ihrer bisherigen Erwartung passen. Genau das könnte hier passiert sein. Die Crew war gewohnt, von Alpha zu starten. Die Flugsicherung fragte nach Alpha. Die vorausfliegenden Jets starteten von Alpha. Alles passte ins vertraute Bild, außer der entscheidende Umstand, dass die Leistungsberechnung inzwischen nur noch für die volle Bahnlänge gültig war.

Besonders bemerkenswert: Weder während des Rollens noch beim Startlauf bemerkte die Besatzung von Easyjet den Fehler. Der Airbus hob erst rund 310 Meter vor dem Bahnende ab und überquerte das andere Ende der Startbahn in nur 65 Fuß beziehungsweise knapp 20 Metern Höhe. Das registrierte später das Flight-Data-Monitoring-System, das automatisch Alarm schlug. Erst dadurch erfuhr der Kapitän Stunden später von dem Fehler.

Airbus A320 hätte noch stoppen können

Glücklicherweise zeigte eine Analyse von Airbus, dass selbst im Fall eines Triebwerksausfalls beim Erreichen der Entscheidungsgeschwindigkeit die gesetzlichen Sicherheitsmargen eingehalten worden wären. Auch ein Startabbruch des A320 von Easyjet wäre noch innerhalb der verfügbaren Bahnlänge möglich gewesen.

Dennoch stuften die Ermittler den Vorfall als schwerwiegendes Ereignis ein. Easyjet hat inzwischen die Verfahren angepasst. Künftig muss die tatsächlich verwendete Startposition dokumentiert und mehrfach mit den berechneten Leistungsdaten abgeglichen werden. Das AAIB sieht darin eine wichtige Lehre: Selbst erfahrene Crews sind nicht vor Routinefehlern und kognitiven Fallen gefeit.

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