Jetzt die Kehrtwende. Castlelake hat sein Angebot auf 690 Pence je Aktie in bar erhöht und bewertet Easyjet damit mit rund 5,2 Milliarden Pfund (6,07 Milliarden Euro). Am Sonntag teilten beide Seiten mit, dass der Verwaltungsrat der britischen Billigairline dem Angebot grundsätzlich zugestimmt hat. Nun sollen die Einzelheiten der Übernahme ausgearbeitet werden.
Wer wird Easyjet am Ende wirklich übernehmen?
Dass Castlelake Easyjet überhaupt übernehmen kann, ist allerdings noch keineswegs selbstverständlich. Weil europäische Fluggesellschaften mehrheitlich europäischen Eigentümern gehören müssen, um ihre Verkehrsrechte innerhalb der EU zu behalten, braucht der US-Investor Partner aus Europa. Zunächst will Castlelake dabei mit den früheren Luftfahrtmanagern Peter Bellew und Mark Breen zusammenarbeiten. Bellew war selbst viele Jahre für Easyjet tätig, bevor er das Unternehmen 2022 überraschend verließ. Als möglicher weiterer Partner gilt Air France-KLM. Konzernchef Ben Smith hatte bereits vor einigen Wochen erklärt, grundsätzlich offen für Gespräche über eine Beteiligung zu sein.
Castlelake verfolgt dabei ein Geschäftsmodell, das in der Luftfahrt nicht unbekannt ist. Der Finanzinvestor steigt häufig bei Airlines in besonderen Situationen ein, stabilisiert sie und trennt sich später wieder von seiner Beteiligung. So lief es auch bei SAS. Trotz des zwischenzeitlich stark gefallenen Aktienkurses gilt Easyjet allerdings als äußerst attraktives Übernahmeobjekt. Sie verfügt über eine moderne Airbus-Flotte, zahlreiche Lieferpositionen für neue Flugzeuge sowie wertvolle Start- und Landerechte an Flughäfen wie London-Gatwick, Mailand-Linate oder Genf.
Easyjet-Übernahme könnte der größte Eigentümerwechsel der letzen Jahre werden
Welche Pläne der Investor tatsächlich verfolgt, hat er bislang nicht offengelegt. Fest steht nur: Aus dem zunächst entschieden abgewehrten Übernahmeversuch könnte nun einer der größten Eigentümerwechsel werden, den die europäische Luftfahrt in den vergangenen Jahren erlebt hat.
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