Easyjet: Was passiert mit der europäischen Billigairline?

ÜbernahmekrimiEasyjet stimmt Übernahme durch Castlelake zu – nach wochenlangem Widerstand

Vier Mal hatte die Billigairline den US-Investor abblitzen lassen. Das Angebot von Castlelake sei zu niedrig, opportunistisch und unterschätze den Wert, argumentierte der Verwaltungsrat von Easyjet. Nun kommt die Wende.

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Wochenlang hatte Easyjet keinen Zweifel daran gelassen, was die Airline von den Übernahmeplänen von Castlelake hält. Der Verwaltungsrat sprach von einem Versuch, die Airline «zum Schnäppchenpreis» zu übernehmen. Der Investor unterschätze die Zukunftsaussichten der Fluggesellschaft erheblich. Auch die geplante Eigentümerstruktur bezeichnete Easyjet als wenig transparent und stellte deren Umsetzbarkeit infrage. Vier Angebote – zuletzt über 650 Pence je Aktie – wurden deshalb einstimmig zurückgewiesen.

Jetzt kommt die Kehrtwende. Castlelake hat sein Angebot auf 690 Pence je Aktie in bar erhöht und bewertet Easyjet damit mit rund 5,2 Milliarden Pfund (6,07 Milliarden Euro). Am Sonntag (5. Juli) teilten beide Seiten mit, dass der Verwaltungsrat der britischen Billigairline dem Angebot grundsätzlich zugestimmt hat. Nun sollen die Einzelheiten der Übernahme ausgearbeitet werden.

Wer wird Easyjet am Ende wirklich übernehmen?

Dass Castlelake Easyjet überhaupt übernehmen kann, ist allerdings noch keineswegs selbstverständlich. Weil europäische Fluggesellschaften mehrheitlich europäischen Eigentümern gehören müssen, um ihre Verkehrsrechte innerhalb der EU zu behalten, braucht der US-Investor Partner aus Europa.

Zunächst will Castlelake dabei mit den früheren Luftfahrtmanagern Peter Bellew und Mark Breen zusammenarbeiten. Bellew war selbst viele Jahre für Easyjet tätig, bevor er das Unternehmen 2022 überraschend verließ. Als möglicher weiterer Partner gilt Air France-KLM. Konzernchef Ben Smith hatte bereits vor einigen Wochen erklärt, grundsätzlich offen für Gespräche über eine Beteiligung zu sein.

Größter Eigentümerwechsel der letzten Jahre

Castlelake verfolgt ein Geschäftsmodell, das in der Luftfahrt nicht unbekannt ist. Der Finanzinvestor steigt bei Airlines in besonderen Situationen ein, stabilisiert sie und trennt sich später wieder von seiner Beteiligung. So lief es auch bei SAS. Trotz des zwischenzeitlich stark gefallenen Aktienkurses gilt Easyjet allerdings als äußerst attraktives Übernahmeobjekt. Sie verfügt über eine moderne Airbus-Flotte, zahlreiche Lieferpositionen für neue Flugzeuge sowie wertvolle Start- und Landerechte an Flughäfen wie London-Gatwick, Mailand-Linate oder Genf.

Welche Pläne der Investor tatsächlich verfolgt, hat er bislang nicht offengelegt. Fest steht nur: Aus dem zunächst entschieden abgewehrten Übernahmeversuch könnte nun einer der größten Eigentümerwechsel werden, den die europäische Luftfahrt in den vergangenen Jahren erlebt hat.

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