Boeing 737 im Schnee: Russlands Luftfahrt kämpft mit dem Wintereinbruch.

Zahlreiche VorfälleRussische Luftfahrt kämpft mit dem Wetter

Die angeschlagene russische Luftfahrt kämpft jetzt auch mit dem Wintereinbruch. In den vergangenen Wochen kam es zu mehreren kritischen Situationen. Experten sprechen von systematischen Problemen.

Top-Jobs

Goldeck Logo

Kapitän Pilatus PC-12NGX (f/m/d)

Goldeck-Flug Gesellschaft m.b.H.
Vollzeit
Top jobs
Wien / Wiener Neustadt
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Sparfell Logo

Captain/First Officer Embraer 550 / Legacy 500 (m/f)

SPARFELL Luftfahrt GmbH
Vollzeit
Vienna
Top jobs
Österreich
Feste Anstellung
Business Aviation
Pilatus Logo

Mechaniker Flugzeugkomponenten (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Der erste Wintereinbruch hat bereits in letzter Zeit weite Teile Deutschlands mit Schnee bedeckt. Durch Glätte kam es bundesweit zu zahlreichen Autounfällen. In Hamburg fuhr die S-Bahn zeitweise im eingeschränkten Takt. Der Flugverkehr in Deutschland verlief weitgehend ohne größere Einschränkungen. Lediglich am Flughafen Köln/Bonn musste der Betrieb wegen Blitzeises für 45 Minuten eingestellt werden.

Ganz anders die Lage in Russland: Innerhalb weniger Wochen häuften sich schwerwiegende Vorfälle im Luftverkehr. Die Liste reicht von unkontrollierten Rollmanövern über Kollisionen mit Bodenfahrzeugen bis hin zu zwei Jets, die fast mit Vereisungen gestartet wären. Experten warnen vor einer gefährlichen Kombination aus maroder Infrastruktur, Wartungsmängeln und extremen Wetterbedingungen, berichtet der russische Telegram-Kanal Aviatorshina.

A321 konnte nur mit Umkehrschub zum Stehen gebracht werden

Ein Airbus A321 von Aeroflot hatte am Samstag (22. November) am Flughafen Tscheljabinsk Probleme beim Rollen. Der Airbus mit der Kennung RA-7316 wurde beim Anrollen zur Startbahn aufgrund der glatten Oberfläche unsteuerbar und die Bremsen versagten. Die Piloten konnten das Flugzeug nur mit voller Schubumkehr stoppen. Der Flug startete schließlich mit sieben Stunden Verspätung. Der Flughafen teilte mit, dass die Piste regelmäßig enteist werde.

Zwei Tage zuvor, am 20. November 2025 ist in Surgut eine CRJ-200 der Fluggesellschaft Yuvt Aero nach der Landung von der Rollbahn abgekommen. Das vordere Fahrwerk des Flugzeugs blieb etwa einen Meter seitlich der Piste stehen. Es herrschten starke Minustemperaturen. Surgut ist eine Großstadt im westsibirischen Tiefland.

Utair mit Rauchentwicklung nach Enteisung

Am 17. November 2025 verlor eine An-38 der Fluggesellschaft Alrosa am Flughafen Poljarny die Kontrolle. Ursache war ein defekter Umkehrschub des rechten Triebwerks, wodurch das Flugzeug von der zwar von der Piste abkam, abwer noch vor der Grünfläche sicher zum Stehen gebracht werden konnte.

Eine Boeing 737-800 von Utair musste nach der Enteisung am 22. November in Tjumen evakuiert werden. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen RA-73498 war auf dem Weg nach Moskau. Nach der Enteisung drang Rauch aus dem Hilfstriebwerk in die Kabine. Die Passagiere mussten das Flugzeug verlassen. Der Flug nach Moskau startete erst mit sieben Stunden Verspätung.

Airbus A330 von Aeroflot fällt nach Enteisung aus

Auch 247 Passagiere mussten am 20. November einen Airbus A330-200 der Aeroflot in Ufa wieder verlassen. Während der Enteisungsarbeiten vor dem Abflug nach Sanya beschädigte ein Enteisungsfahrzeug den rechten Tragflügel. Das Ergebnis war eine Delle mit Kratzern. Aeroflot musste das Flugzeug mit dem Kennzeichen RA-73782 vorübergehend aus dem Betrieb nehmen. Die Flugline schickte ein Ersatzflugzeug

In der nordsibirischen Stadt wären zwei Flugzeuge fast mit Vereisungen gestartet. In beiden Fällen handelte es ich um Sukhoi Superjets 100 am 6. November musste das Flugzeug mit der Kennung RA-89090 den Start nach Ufa wegen erhöhter Motorvibrationen abbrechen. Nach der Rückkehr zum Standplatz wurde Vereisung an den Triebwerksschaufeln festgestellt.

Experten sprechen von strukturellen Problemen

Am 19. November musste das Flugzeug RA-89072 den Start nach Moskau unterbrechen, weil die Geschwindigkeitsanzeigen unterschiedliche Werte anzeigten. Grund war eine Vereisung am Bug. Die Vorfälle der letzten Wochen zeigen ein strukturelles Problem: Viele russische Flughäfen sind auf extreme Winterbedingungen nicht ausreichend vorbereitet. «Es fehlt an moderner Technik, geschultem Personal und klaren Verantwortlichkeiten», kritisiert ein Branchenkenner gegenüber dem Telegram-Kanal.

Unabhängiger Luftfahrtjournalismus braucht Auftrieb. Bei aeroTELEGRAPH arbeitet ein Team erfahrener Luftfahrtjournalistinnen und -journalisten, das die Branche seit Jahren begleitet. Für den Preis von weniger als einem Cappuccino im Monat lesen Sie werbefrei – und helfen, dass wir weiter kritisch und fundiert berichten können.Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

Antonov An-2 einer Feuerwehreinheit zur Waldbrandbekämpfung: Angetrieben von einem Neunzylinder-Sternmotor.

Wie Russland darum ringt, die Antonov An-2 noch lange in der Luft zu halten

Zwei Flugzeuge von Aeroflot: Russische Fluglinien lassen sanktionsbedingt viele Flugzeuzeuge am Boden.

Ein Fünftel der Flotte russischer Airlines bleibt im Sommer wegen Sanktionen am Boden

ticker-russland

Russland plant riesiges Sperrgebiet für Privatflüge

Langstreckenjet von Aeroflot: Weniger Ziel rund um den Globus.

In diese Länder können Russinnen und Russen noch fliegen

Video

Der Airbus A350-1000 ULR mit der Kennung F-WULR ist um 10:43 Ortszeit zum ersten Mal auf australischem Boden gelandet.
Ohne Passagiere, aber mit über tausend Sensoren an Bord, ist der erste Airbus A350-1000 ULR für Qantas Project Sunrise in Melbourne gelandet. Der Testjet legte die Strecke von Toulouse in nicht ganz 20 Stunden zurück, noch in unlackierter Green Livery.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
Die VA-1X von Vertical Aerospace: Zeigte in Farnborough, was sie kann.
Elektrische Senkrechtstarter gelten als eines der Zukunftsthemen der Luftfahrt. Auf der Farnborough Airshow demonstrierte Vertical Aerospace eindrucksvoll die Fähigkeiten seines Prototyps. Bis Passagiere regelmäßig mit Evtols fliegen, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
Airbus A340-300 von Mahan Air bei der Landung im Jemen: Der Airport ist seit zehn Jahren gesperrt.
Ein Airbus A340 von Mahan Air weicht auf einen seit über zehn Jahren gesperrten Flughafen aus, nachdem Regierungstruppen die Landebahn in Sanaa beschossen haben. Die Regierung hat den gesamten Luftverkehr ausgesetzt.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies