Der erste Wintereinbruch hat bereits in letzter Zeit weite Teile Deutschlands mit Schnee bedeckt. Durch Glätte kam es bundesweit zu zahlreichen Autounfällen. In Hamburg fuhr die S-Bahn zeitweise im eingeschränkten Takt. Der Flugverkehr in Deutschland verlief weitgehend ohne größere Einschränkungen. Lediglich am Flughafen Köln/Bonn musste der Betrieb wegen Blitzeises für 45 Minuten eingestellt werden.
Ganz anders die Lage in Russland: Innerhalb weniger Wochen häuften sich schwerwiegende Vorfälle im Luftverkehr. Die Liste reicht von unkontrollierten Rollmanövern über Kollisionen mit Bodenfahrzeugen bis hin zu zwei Jets, die fast mit Vereisungen gestartet wären. Experten warnen vor einer gefährlichen Kombination aus maroder Infrastruktur, Wartungsmängeln und extremen Wetterbedingungen, berichtet der russische Telegram-Kanal Aviatorshina.
A321 konnte nur mit Umkehrschub zum Stehen gebracht werden
Ein Airbus A321 von Aeroflot hatte am Samstag (22. November) am Flughafen Tscheljabinsk Probleme beim Rollen. Der Airbus mit der Kennung RA-7316 wurde beim Anrollen zur Startbahn aufgrund der glatten Oberfläche unsteuerbar und die Bremsen versagten. Die Piloten konnten das Flugzeug nur mit voller Schubumkehr stoppen. Der Flug startete schließlich mit sieben Stunden Verspätung. Der Flughafen teilte mit, dass die Piste regelmäßig enteist werde.
Zwei Tage zuvor, am 20. November 2025 ist in Surgut eine CRJ-200 der Fluggesellschaft Yuvt Aero nach der Landung von der Rollbahn abgekommen. Das vordere Fahrwerk des Flugzeugs blieb etwa einen Meter seitlich der Piste stehen. Es herrschten starke Minustemperaturen. Surgut ist eine Großstadt im westsibirischen Tiefland.
Utair mit Rauchentwicklung nach Enteisung
Am 17. November 2025 verlor eine An-38 der Fluggesellschaft Alrosa am Flughafen Poljarny die Kontrolle. Ursache war ein defekter Umkehrschub des rechten Triebwerks, wodurch das Flugzeug von der zwar von der Piste abkam, abwer noch vor der Grünfläche sicher zum Stehen gebracht werden konnte.
Eine Boeing 737-800 von Utair musste nach der Enteisung am 22. November in Tjumen evakuiert werden. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen RA-73498 war auf dem Weg nach Moskau. Nach der Enteisung drang Rauch aus dem Hilfstriebwerk in die Kabine. Die Passagiere mussten das Flugzeug verlassen. Der Flug nach Moskau startete erst mit sieben Stunden Verspätung.
Airbus A330 von Aeroflot fällt nach Enteisung aus
Auch 247 Passagiere mussten am 20. November einen Airbus A330-200 der Aeroflot in Ufa wieder verlassen. Während der Enteisungsarbeiten vor dem Abflug nach Sanya beschädigte ein Enteisungsfahrzeug den rechten Tragflügel. Das Ergebnis war eine Delle mit Kratzern. Aeroflot musste das Flugzeug mit dem Kennzeichen RA-73782 vorübergehend aus dem Betrieb nehmen. Die Flugline schickte ein Ersatzflugzeug
In der nordsibirischen Stadt wären zwei Flugzeuge fast mit Vereisungen gestartet. In beiden Fällen handelte es ich um Sukhoi Superjets 100 am 6. November musste das Flugzeug mit der Kennung RA-89090 den Start nach Ufa wegen erhöhter Motorvibrationen abbrechen. Nach der Rückkehr zum Standplatz wurde Vereisung an den Triebwerksschaufeln festgestellt.
Experten sprechen von strukturellen Problemen
Am 19. November musste das Flugzeug RA-89072 den Start nach Moskau unterbrechen, weil die Geschwindigkeitsanzeigen unterschiedliche Werte anzeigten. Grund war eine Vereisung am Bug. Die Vorfälle der letzten Wochen zeigen ein strukturelles Problem: Viele russische Flughäfen sind auf extreme Winterbedingungen nicht ausreichend vorbereitet. «Es fehlt an moderner Technik, geschultem Personal und klaren Verantwortlichkeiten», kritisiert ein Branchenkenner gegenüber dem Telegram-Kanal.
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