Die wartenden Jets auf der Rollbahn sind gelb markiert, der ankommenden Air-Canada-Flieger rot.

Beinahe-KatastropheMüde Air-Canada-Piloten machten Fehler

Ein Air-Canada-Jet steuerte 2017 in San Francisco zur Landung die Rollbahn an. Dort standen vollgetankte Flieger. Die Ermittler äußern sich nun zum Verhalten der Piloten.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Lizenzierter Luftfahrzeugmechaniker (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Luftfahrzeugmechaniker Flugbetrieb (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Teamleiter Montage & Support (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Leiter Zerspanung Kleinteile / Stv. Abteilungsleiter (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller

Es war sehr, sehr knapp: Am späten Abend des 7. Juli 2017 steuerte ein Airbus A320 von Air Canada beim Landeanflug in San Francisco die Roll- statt die Landebahn an. Im letzten Moment starteten die Piloten durch und entgingen so einer Katastrophe. Denn auf Rollweg C standen mehrere voll betankte Flieger mit Passagieren. Am tiefsten Punkt befand sich die Maschine von Flug AC759 nur noch rund 18 Meter über dem Boden, wie ein erster Zwischenbericht der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB im vergangenen August zeigte.

Nun hat die Behörde am Dienstag (26. September) erneut über den Stand der Untersuchung informiert, die in die finale Phase geht. Dabei zeigt die NTSB die Fehler auf, die dazu führten, dass die Piloten Rollbahn C und Landebahn 28R verwechselten. Der Knackpunkt: Die parallel verlaufende Piste 28L war knapp eine Stunde zuvor wie geplant geschlossen worden. Diese wichtige Information hatten die Piloten in den Vorabinformationen zum Flug, den sogenannten Notice to Airmen NOTAM, erhalten, aber nicht aufmerksam gelesen.

«Müll, dem niemand Beachtung schenkt»

So sagte der Kopilot aus, er könne sich nicht erinnern, solch eine Information gesehen zu haben. Der Kapitän gab an, er habe den entsprechenden Passus gelesen. Im entscheidenden Moment aus dem Gedächtnis abrufen und umsetzen konnte er diese Information dann aber offenbar nicht. So hielt die Cockpitcrew 28R für 28L und Rollbahn C für 28 R.

NTSB

Wie das Fachportal Flight Global berichtet, kritisierte NTSB-Chef Robert Sumwalt in diesem Zusammenhang auch mit sehr deutlichen Worten das NOTAM-System. Piloten müssten oft Dutzende Seite von manchmal unwichtigen Informationen durchgehen. «Es ist in einer Sprache geschrieben, die nur ein Computerprogrammierer verstehen kann - nur ein Haufen Müll, dem niemand Beachtung schenkt», so Sumwalt.

Müdigkeit und Fehler

Ebenfalls ein Grund für die Beinahe-Katastrophe war laut der Behörde, dass der Kopilot es versäumte, die Frequenz des Instrumentenlandesystems manuell einzustellen, während der Kapitän dies nicht überprüfte und den Fehler so nicht bemerkte. Während der Kapitän dann laut eigener Aussage die Pistenbeleuchtung von 28R für die Befeuerung von 28L hielt, war der Erste Offizier mit den Instrumenten zur Anflughöhe beschäftigt.

Beim Anflug auf San Francisco fühlten sich die Crewmitglieder müde, nachdem sie zuvor einen Gewitterbereich durchflogen hatten. Als der Vorfall um kurz vor Mitternacht Ortszeit geschah, war es für sie aus körperlicher Sicht fast 3 Uhr nachts, der Uhrzeit am Abflugort Toronto. Der Kapitän hatte mehr als 19 Stunden nicht geschlafen, der Kopilot war mehr als 12 Stunden wach. «So waren der Kapitän und der Erste Offizier müde», so die NTSB.

Fehler und Müdigkeit

NTSB-Ermittlerin Sathya Silva sagte, nach US-Vorschriften zu Ruhephasen und Müdigkeit hätte der Kapitän das Flugzeug nicht steuern dürfen. Die Behörde rät ihrem kanadischen Pendant denn auch eine Überarbeitung der entsprechenden Vorschriften.

Die amerikanische Behörde gibt auch weitere Empfehlungen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Dazu gehören etwa Verbesserungen des NOTAM-Systems. Ebenfalls spricht sich die NTSB für ein Warnsystem im Cockpit aus, das automatisch Alarm schlägt, wenn die Piloten auf etwas anderes zusteuern als die Landebahn.

Mehr zum Thema

Die Pisten 28L (links) und 28R (rechts): San Franciscos parallele Pisten.

Wieder heikler Zwischenfall in San Francisco

Flughafen Oakland: Im Hintergrund ist die Bucht zu sehen.

Die zwei San Francisco Airports verwirren einige Reisende

San-Francisco-Strumpfbandnatter: Lieblingsort ist der Flughafen.

Schlangen am Flughafen sind in San Francisco erwünscht

Die Golden Gate Bridge am Eingang der San Francisco Bay: Beide Flughäfen in der Nähe.

Flughafen Oakland plant Namensänderung - Flughafen San Francisco schäumt

Video

Das Heck ragt in den Himmel.
Eine Boeing 787 fiel am Gate in Frankfurt auf die Nase. Am Vortag soll es eine Fehlermeldung und einen Technikauftrag für den Dreamliner on Lufthansa gegeben haben.
Timo Nowack
Timo Nowack
guayaquil airbus a350 iberia
Es sollte ein freudiger Moment werden, aber endete mit einem Flugzeug, das nicht mehr abheben konnte. Am Flughafen Guayaquil in Ecuador ist ein Airbus A350 von Iberia beim Wassersalut mit einem Feuerwehrfahrzeug kollidiert.
Timo Nowack
Timo Nowack
Die D-ABPQ liegt auf der Nase: Die Boeing 787-9 sollte nach Los Angeles fliegen.
Zwischenfall am Flughafen Frankfurt: Das Bugfahrwerk einer Boeing 787 von Lufthansa knickte am Gate ein. Der Dreamliner wurde dabei erheblich beschädigt. Es gab auch mehrere Verletzte unter Crew und Bodenmitarbeitenden.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin