An Bord der MV Hondius sind mehrere Reisende und Crewmitglieder am lebensbedrohlichen Hantavirus erkrankt, drei mittlerweile sogar verstorben, darunter ein niederländisches Ehepaar. Der Mann starb noch an Bord, die Frau verließ das Schiff auf St. Helena, um den Leichnam auf Flügen nach Johannesburg und weiter nach Amsterdam zu begleiten.
Crew gestattete der Frau den Mitflug nach Amsterdam nicht
Die 69-jährige Niederländerin hatte nach dem Verlassen des Schiffes über Magen-Darm-Probleme geklagt, schon an Bord der Embraer E190 ging es ihr aber schlechter. Was bisher noch nicht bekannt war: Die Frau landete nicht nur mit dem Airlink-Flug in Johannesburg, brach am Flughafen zusammen und wurde dann ins Krankenhaus gebracht, sondern sie bestieg zwischendurch auch kurzzeitig ein Flugzeug von KLM.
Die Fluggesellschaft teilte am 6. Mai mit, dass die niederländische Gesundheitsbehörde RIVM sie nun darüber informiert habe. «Aufgrund des damaligen gesundheitlichen Zustands der Passagierin entschied sich die Besatzung, der Passagierin die Mitreise auf diesem Flug nicht zu gestatten», so KLM. Die Frau sei später in Johannesburg gestorben. Die Airline spreche den Hinterbliebenen ihr tiefstes Beileid aus und wünsche ihnen viel Kraft.
Boeing 777 mit Platz für 381 Fluggäste im Einsatz
Bei dem betroffenen Flug handelte es sich um KL592. Im Codeshare trug er auch Flugnummern von Air France (AF828), Delta (DL9560) und SAS (SK6855). Er startete am 25. April um 23:15 Uhr Ortszeit von Johannesburg nach Amsterdam. «Nachdem die Passagierin das Flugzeug verlassen hatte, hob die Maschine in Richtung Niederlande ab», so KLM.
Im Einsatz war an diesem Tag die Boeing 777-300 ER mit dem Kennzeichen PH-BVK und dem Taufnamen Yellowstone National Park / Nationaal Park Yellowstone. Das Flugzeug hat 381 Plätze: 35 in der Business Class, 24 in der Premium Economy und 322 in der Economy Class. Wie viele Reisende an diesem Tag an Bord waren, erwähnt KLM nicht.
Niederländerin an gefährlicherer Andes-Variante erkrankt
«Als Vorsichtsmaßnahme werden alle Fluggäste, die sich an Bord dieses Fluges befanden, vom Öffentlichen Gesundheitsdienst Kennemerland GGD informiert», schreibt die Fluggesellschaft. Man arbeite eng mit den Behörden zusammen.
Das Hantavirus wird normalerweise vor allem über Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Doch: «Das an Bord des Kreuzfahrtschiffs Hondius nachgewiesene Virus wurde als die Andes-Variante des Hantavirus identifiziert», schreibt das RIVM. «Es kann schwerere Erkrankungen hervorrufen als andere Hantaviren. Bei infizierten Personen können hohes Fieber und Atemnot auftreten; in der Folge kann dies zu ernsthaften pulmonalen und kardialen Komplikationen führen.» Es gebe eine Sterblichkeitsrate von 30 bis 50 Prozent.
«Risiko einer Ausbreitung weiterhin sehr gering»
«Es gibt Hinweise darauf, dass das Andes-Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann», so das RIVM. Eine solche Übertragung erfolge jedoch sehr selten, zudem finde eine Übertragung von Mensch zu Mensch typischerweise nur bei sehr engem Kontakt statt.
Die Einschätzung der Gesundheitsbehörde: «Das Risiko einer Ausbreitung des Virus innerhalb der Niederlande bleibt weiterhin sehr gering.» Die Tatsache, dass es sich bei dem beteiligten Erreger um das Andes-Virus handele, ändere nichts an dieser Einschätzung.
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