Mittelkonsole im A350-Cockpit: Kein guter Platz, um Getränke abzustellen.

Airbus A350Fielen Triebwerke durch verschütteten Tee aus?

Bei zwei Vorfällen schaltete sich jeweils ein Triebwerk eines Airbus A350 ab. Der Flugzeugbauer untersucht, ob verschüttete Getränke im Cockpit der Grund sein könnten.

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Wenn ein Flugzeugtriebwerk ausfällt, denkt man als Außenstehender wohl meist an einen komplizierten technischen Defekt im Inneren des Motors. Airbus, Rolls-Royce und Leonardo untersuchen nun laut dem Magazin Flightglobal allerdings, ob sich bei zwei Vorfällen Triebwerke aus einem viel banaleren Grund abschalteten: verschüttete Getränke.

Einer der beiden Zwischenfälle ereignete sich demnach am 21. Januar 2020 bei einem Flug von Delta Air Lines von Detroit nach Seoul. Der eingesetzte Airbus A350-900 landete außerplanmäßig im amerikanischen Fairbanks, nachdem sich das rechte Triebwerk vom Typ Rolls-Royce Trent XWB abgeschaltet hatte. Laut dem Portal Flightglobal hatte zuvor einer der Piloten ein Getränk auf der Mittelkonsole im Cockpit verschüttet. Dort befinden sich auch Bedienelemente und Überwachungsfunktionen für die Triebwerke.

Neustart des Triebwerks misslang

Die Auswertung des Flugschreibers zeigte, dass die elektronische Triebwerkssteuerung aufgrund uneinheitlicher Signale ein Hochdruckabsperrventil im Motor schloss. Nachdem sich das Triebwerk abgeschaltet hatte, versuchten die Delta-Piloten erfolglos, es neu zu starten. Dann entschlossen sie sich, in Fairbanks zu landen, was ohne Zwischenfälle gelang.

Der andere Zwischenfall hatte sich schon am 9. November 2019 ereignet – und das rund eine Stunde, nachdem einer der Piloten Tee über der Mittelkonsole verschüttet hatte. Auch hier schaltete sich das rechte Triebwerk ab und die Auswertung des Flugschreibers zeigte später einen Befehl zum Schließen eines Hochdruckabsperrventils an.

Bei beiden Fliegern Teile ausgetauscht

Erst als das Flugzeug außerplanmäßig gelandet war, gelang es den Piloten, das Triebwerk wieder kontinuierlich zum Laufen zu bringen. Es ist nicht bekannt, bei welcher Airline sich dieser Vorfall ereignete. Allerdings landete an diesem Tag ein A350-900 von Asiana außerplanmäßig in Manila.

Bei beiden Flugzeugen wurden dem Bericht zufolge Teile der Mittelkonsole und der elektronischen Triebwerkssteuerung ausgetauscht. A350-Betreiber wurden demnach bereits darauf hingewiesen, dass die Piloten bei beiden Vorfällen Getränke verschüttetet hatten, allerdings sei die Untersuchung zur Ursache der Triebwerksabschaltungen noch nicht abgeschlossen. Airbus will sich gemäß Flightglobal dieser Tage noch einmal mit Empfehlungen für den Umgang mit Getränken im Cockpit an die Betreiber wenden.

Vorfall auf Condor-Flug

Ein weiterer Vorfall mit einem Getränk hatte sich im Februar 2019 schon über dem Nordatlantik ereignet. In einem von Thomas Cook Airlines für die deutsche Schwester Condor betriebenen Airbus A330 hatte der Pilot seinen Kaffee im Pappbecher auf die Mittelkonsole gestellt. Er war gerade damit beschäftigt, Aufgaben im Hinblick aufs Ansteuern des nächsten Wegpunktes zu erledigen, als er sein Getränk verschüttete.

Ein kleiner Teil der Flüssigkeit floss auf das linke Audio Control Panel, über das die Kommunikation gesteuert wird. Obwohl der Pilot das Gerät schnell abtrocknete, fiel es auf der Stelle aus. Es wurde in der Folge sehr heiß und ein Rauchgeruch war im Cockpit wahrzunehmen. Rund eine Stunde später wurde auch das Audio Control Panel auf der rechten Seite, das sogenannte ACP 2, heiß. Aus dem ACP 1 begann Rauch aufzusteigen. Die Piloten hatten nun Mühe, zu kommunizieren und kehrten um.

Becher waren nicht im Getränkehalter

Später zeigte sich: Condor hatte auf dem Flug Becher ohne Deckel an Bord. Sie passten zwar in die Halter im Cockpit, waren aber so klein, dass es mühsam war, sie wieder aus der Halterung herauszunehmen. Die Piloten hielten sich deshalb nicht an die Vorschrift, Getränkebecher immer in die Halter zu stellen.

Eine Condor-Sprecherin erklärte anschließend, man habe den Vorfall untersucht und die Abläufe in Bezug auf Flüssigkeiten im Cockpit überprüft. «Unsere Besatzungen wurden auf eine sorgfältige Handhabung sowie die Verwendung geeigneter Behälter für ihr Wasser oder ihren Kaffee hingewiesen.»

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