Die Piloten brachen den Steigflug umgehend ab und kehrten zurück. Rund eine Viertelstunde nach dem Start landete der Frachter mit dem Kennzeichen G-DHKZ wieder am Flughafen Leipzig/Halle. Das Flugzeug blieb anschließend noch längere Zeit auf der Piste stehen.
Teile der Tür der Boeing 757 fielen zu Boden
Beim Start hatten sich mehrere Teile der Frachttür vom Flugzeug gelöst. Sie fielen rund um das Braunkohlekraftwerk Schkopau zu Boden. Noch am selben Tag begannen Fachleute der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) mit der Untersuchung. Der Vorfall wurde als schwere Störung eingestuft. Jetzt liegt der Abschlussbericht vor.
Position der Verschlusshaken des Frachttors nach der Landung in Leipzig BFU
Dort zeichnet die BFU ein detailliertes Bild des technischen Ablaufs. Demnach war das Frachttor vor dem Start zwar geschlossen, jedoch nicht vollständig verriegelt und gesichert. Dieser Zustand wurde weder auf der Kontrolltafel des Frachttors noch im Cockpit angezeigt. Auch von außen war er nicht erkennbar.
Eisablagerungen am Frachttor der Boeing 757
Als zentrale Einflussfaktoren nennt die BFU winterliche Umweltbedingungen mit tiefen Temperaturen und gefrierendem Nebel. Eisablagerungen an Mikroschaltern im Frachttorsystem führten dazu, dass diese in einer geschlossenen Position verharrten und damit einen korrekten Verschluss signalisierten, unabhängig von der tatsächlichen Stellung der Verschluss- und Sicherungselemente.
Vereister Mikroschalter der Boeing 757 BFU
Hinzu kam Luft im Hydrauliksystem des Frachttors. Sie verursachte einen Fehler in der Bewegungsabfolge des hydraulisch-mechanischen Systems. In der Folge wurden die Verschlusshaken durch die Sicherungsstifte blockiert. Damit befand sich das Frachttor in einer Stellung, die ein Öffnen im Flug ermöglichte.
Aerodynamische Kräfte lösten die Frachttür
Laut BFU waren die im Steigflug wirkenden aerodynamischen Kräfte ausreichend, um das unverriegelte Frachttor vollständig zu öffnen. Nach dem Öffnen konnte sich das Frachttor nicht mehr selbstständig schließen, da sein Schwerpunkt auf der Innenseite der Scharnierachse lag.
Illustration der BFU BFU
Das geöffnete Frachttor hatte deutliche Auswirkungen auf das Flugverhalten der Boeing 757. Der Autopilot war zeitweise nicht in der Lage, den geforderten Kurs zu halten, sodass der verantwortliche Pilot manuell übernahm. Die spätere automatische Landung verlief ohne weitere Zwischenfälle.
Ähnliches Ereignis im Jahr 2014
Die BFU stellt Parallelen zu einem ähnlichen Ereignis im Jahr 2014 in Magadan in Russland fest. Auch dort hatte sich bei einer von einer Passagier- zum Frachtflieger umgerüsteten Boeing 757 das Frachttor im Steigflug geöffnet, ebenfalls unter winterlichen Bedingungen. In beiden Fällen zeigten die Systeme vor dem Start einen ordnungsgemäßen Verschluss an.
Die Boeing 757 nach dem Vorfall in Russland 2014. Rosaviatsia
Aus den Erkenntnissen leitet die BFU mehrere Sicherheitsempfehlungen ab. Die Behörde empfiehlt unter anderem, das Frachttorsystem so zu überarbeiten, dass Lufteinschlüsse im Hydrauliksystem vermieden werden, Verriegelungsstangen ihre Sicherheitsfunktion zuverlässig erfüllen und die Sensorik auch unter Vereisungsbedingungen korrekt arbeitet. Zudem soll die europäische Aufsichtsbehörde die Risikobewertung eines nicht vollständig gesicherten Frachttors neu bewerten.
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