Airbus A320-200, hier ein Exemplar vor Lufthansa: Rund 6000 Jets der A320-Familie haben ein Problem.

Dringliche AnweisungAirbus warnt vor Gefahr durch kosmische Sonnenstrahlung: Mehr als 6000 Jets der A320-Familie müssen sofort überprüft werden

Ein Vorfall mit einem Airbus A320 hat Folgen für Airlines rund um den Globus: Weil extreme Sonnenstrahlung sicherheitsrelevante Flugdaten verfälschen kann, ordnet der Hersteller kurzfristig Maßnahmen für einen großen Teil der A320-Familie an. Erste Airlines bereiten ihre Fluggäste auf Verspätungen und Stornierungen vor.

Top-Jobs

sunny cars

Customer Service Expert (m/w/d)

München / Remote
Feste Anstellung
Autovermietung
Sunny Cars
Deutschland
30 - 40 Stunden
Top jobs
IFFD Flugdienste

Piloten/ First Officer (m/w/d)

IFFD GmbH
Graz/Klagenfurt
Feste Anstellung
NCC-Betrieb
Österreich
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

Flight Operations Officer in Vienna (Austria)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs
Sparfell Logo

First Officer Embraer 550 / Legacy 500 (m/f)

Vienna
Feste Anstellung
Business Aviation
SPARFELL Luftfahrt GmbH
Österreich
Vollzeit
Top jobs

Airbus sieht sich gezwungen, kurzfristig in die weltweite A320-Familien-Flotte einzugreifen. Nach einem «jüngsten Ereignis» an einem Flugzeug der Familie hätten Analysen gezeigt, dass intensive Sonnenstrahlung sicherheitsrelevante Daten für die Flugsteuerung verfälschen kann, teilte der europäische Hersteller am Freitagabend (28. November) mit.

Betroffen sei eine «signifikante Anzahl» von Flugzeugen der Airbus-A320-Familie im aktiven Dienst. Auf Nachfrage von aeroTELEGRAPH erklärt Airbus, dass über 6000 Flugzeuge weltweit betroffen sind. Per sogenannter Alert Operators Transmission (AOT) fordert Airbus die Betreiber auf, unverzüglich verfügbare Software- und/oder Hardware-Schutzmaßnahmen umzusetzen, um den sicheren Betrieb der Flotte zu gewährleisten.

Airbus A320 weltweit müssen überprüft werden

Airbus räumt ein, dass die Vorgaben zu operativen Einschränkungen und Störungen für Fluggesellschaften und Fluggäste führen werden, entschuldigt sich dafür und betont zugleich, dass Sicherheit «oberste und übergeordnete Priorität» habe.

Je nach Flugzeugtyp und -konfiguration fällt der Eingriff unterschiedlich aus, so Airbus auf Anfrage von aeroTELEGRAPH. Viele Jets können das Software-Update direkt dort erhalten, wo sie sich gerade befinden; andere müssen dafür an ihre Basis zurückkehren. Bei älteren Exemplaren ist möglicherweise zunächst eine Hardware-Änderung nötig, bevor das Update eingespielt werden kann. Die Aktualisierung selbst gilt als unkompliziert.

Betroffene Airbus A320 müssen sofort angepasst werden

Die europäische Luftfahrtbehörde Easa veröffentlichte weniger als zwei Stunden später eine dringliche Lufttüchtigkeitsanweisung, die auf Airbus' Warnung beruht. Diese verlangt, dass betroffene Flugzeuge vor dem nächsten Flug mit einem Software-Update umgerüstet werden. Erlaubt sind lediglich Überführungsflüge zu Wartungsstandorten mit bis zu drei Zyklen und ohne Passagiere.

Nach der Maßnahme darf der betroffene Computer nicht mehr installiert werden, und auch bei nicht betroffenen Flugzeugen ist der Einbau untersagt. Ziel ist es, eine mögliche nicht vom Cockpitpersonal veranlasste Höhenruderbewegung auszuschließen, die im Extremfall die strukturelle Integrität des Flugzeugs beeinträchtigen könnte.

Kosmische Strahlung war für Probleme bei Airbus A320 verantwortlich

Auch wenn Airbus von intensiver Sonnenstrahlung spricht: Gemeint ist nicht einfach starke Sonneneinstrahlung, sondern hochenergetische solare Partikelstrahlung, wie sie insbesondere bei Sonnenstürmen auftritt. Diese Form der Strahlung kann in großen Flughöhen elektronische Systeme beeinflussen und einzelne Datenbits in Computern verändern, sogenannte Single Event Upsets.

Solche Effekte sind in der Luftfahrt zwar selten, aber bekannt. Im nun analysierten Fall könnte die Strahlung Daten verfälscht haben, die für die korrekte Funktion der Flugsteuerung entscheidend sind.

Air Astana verschiebt Abflüge für Updates

Als erste Fluggesellschaft meldete sich Air Astana aus Kasachstan zu Wort. Airbus habe eine Anweisung herausgegeben, die alle Fluggesellschaften verpflichte, das Computersystem zur Höhenkontrolle und die Betriebssoftware dringend zu aktualisieren. «Die Anweisung schreibt vor, dass die Arbeiten vor dem nächsten Flug jedes Flugzeugs abgeschlossen sein müssen.»

Air Astana werde daher Abflüge von ihren Basen verschieben, um das obligatorische Update durchzuführen und so die Flugsicherheit zu gewährleisten. Man unternehme alle Anstrengungen, die Auswirkungen auf den Flugplan so gering wie möglich zu halten, dennoch seien Flugänderungen und -verspätungen möglich, so die Fluglinie.

Wizz Air bereite Passagiere auf Flugstreichungen vor

Wizz Air teilte mit, man bestätige «dass einige ihrer Flugzeuge zu den weltweit über 6500 Flugzeugen der Airbus-A320-Familie gehören, die ein Software-Update benötigen». Man habe die notwendigen Wartungsarbeiten umgehend eingeplant, um die vollständige Einhaltung der empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten. «Daher kann es am Wochenende zu Flugausfällen kommen», erklärt die ungarische Fluggesellschaft.

Die Nachrichtenagentur Reuters, die das AOT-Dokument von Airbus einsehen konnte, berichtet, das Problem liege bei einem Computer namens Elac (Elevator and Aileron Computer). Dieser sendet Steuerbefehle an die Hohenruder, die die Nickbewegung beziehungsweise den Neigungswinkel des Flugzeugs kontrollieren. Hersteller Thales, erklärte, dass die betreffende Funktionalität durch eine Software unterstützt werde, für die man jedoch nicht verantwortlich sei.

Vorfall, der alles auslöste geschah bei Jetblue

Wie aeroTELEGRAPH aus mehreren Quellen erfuhr, handelte es sich bei dem von Airbus erwähnten «jüngsten Ereignis» um einen Vorfall bei Jetblue Ende Oktober. Dabei verlor ein A320 im Landeanflug plötzlich an Höhe, wodurch es mehrere Verletzte gab. Auch laut dem Portal Aviation Herald war dabei der Elac beeinträchtigt.

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

Fundierte Recherchen, Einordnung und Unabhängigkeit: Unsere Fachredaktion kennt die Luftfahrt aus Interviews, Daten und Recherchen vor Ort. Für den Preis eines Kaffees im Monat unterstützen Sie diese Arbeit und lesen aeroTELEGRAPH ohne Werbung. Ihre Unterstützung macht den Unterschied. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

ticker-airbus-a320

Fast 2000 Flugzeuge in den USA betroffen: FAA übernimmt verschärfte Easa-Vorgaben für Airbus-A320-Familie

ticker-airbus-a320-old

Magnetic Trading kauft zwei Airbus A320 zur Ersatzteilgewinnung

Der  aktuell älteste noch fliegenden Airbus A320: Das Flugzeug mit der Kennung ZS-GAR trögt die Lackierung von Lift.

Der älteste Airbus A320 der Welt, der noch immer fliegt

12022026 Brusselsairlines gravity-34jpg

Brussels Airlines zeigt zweites Tim-und-Struppi-Flugzeug

Video

König Willem-Alexander bei seinem letzten Flug mit einer Boeing 737: Er lässt sich nochmals umschulen.
Fußballfans, Familien auf dem Weg nach Lappland oder Urlauber nach Ibiza: Viele Passagiere ahnten nicht, dass ihr Kopilot der König der Niederlande war. Jetzt flog Willem-Alexander letztmals mit einer Boeing 737 von KLM - und beginnt nun die Umschulung auf Airbus.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin
amboseli airstrip under water
Ein Video aus dem Amboseli-Nationalpark in Kenia scheint einen See zu zeigen. Aber nein: Es ist die Start- und Landebahn des Park-Airports. Sie ist vollständig im Wasser verschwunden.
Timo Nowack
Timo Nowack
air canada bridgetown umkehr
Am Flughafen Bridgetown ging auf einmal gar nichts mehr. Flüge von Air Canada und Jetblue mussten auf dem Weg zum internationalen Flughafen von Barbados plötzlich umkehren. Grund war ein spontaner Streik.
Timo Nowack
Timo Nowack